Archiv für Oktober 2007...
Mittwoch, 31. Oktober 2007 - Berlin
Und hier ist er, der Platz 1: Gewonnen haben ihn, den Pestilenz-Award 2007, die
Berliner Fahrradfahrer
Nirgendwo ist man vor den Über-den-Haufen-Fahrern sicher. Dass die Radler hierzustadt nicht auf belebten Hauptstraßen fahren wollen ist verständlich. Radwege gibt es auch nicht überall. Aber auch in den unbelebtesten Kiezen, wo auf den Straßen kaum was los ist, fahren die Radler penetrant auf dem Gehweg, schleichen sich entweder von hinten an, so dass man nur knapp am Herzkasper vorbeikommt, oder sie klingeln penetrant, bis man endlich das Weite gesucht und dem Tour de France-Verschnitt Platz gemacht hat. Bonuspunkte gibt’s noch für die Radler zur Hauptverkehrszeit in den U- und S-Bahnen.
Ich gratuliere den würdigen Preisträgern und wünsche den rücksichtsvollen Radfahrern tolle Radwege, allen anderen aus vollem Herzen Achs- und Speichenbruch.
Dienstag, 30. Oktober 2007 - Berlin
Der zweite Platz hat sich mit den Handy-Lala-Hörern ein Kopf an Kopf-Rennen geliefert, lag aber hauchdünn – quasi eine Rotzeinheit – vorne. Platz 2 geht an die
Straßen-Rotzer!
Unappetitliches für Aug und Ohr: Hochziehen und möglichst laut ausrotzen, und zwar am besten bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Bonuspunkte gibt’s für die Volksnähe: Niemand ist zu jung, keiner ist zu alt, Geschlecht und Herkunft spielt keine Rolle, gerotzt wird immer. Herzlichen Unglückwunsch!
Dienstag, 30. Oktober 2007 - Fundstücke, Misc
Las in einigen Stammblogs über den Unmut der Schreibenden über die Sommerzeit. Ich persönlich habe es abends gerne länger hell, von daher finde ich die Sommerzeit eigentlich ganz angenehm. Ich habe bisher auch behauptet, von der Umstellung nix zu merken. Wenn ich allerdings bei meinem Schlafchaos in den letzten Tagen Nächten das hier lese
Wird die Uhr dagegen im Herbst von der Sommerzeit (MESZ) auf die normale Zeit (MEZ) umgestellt, so wachen viele Menschen morgens eher auf und werden abends früher müde. Auch hier gerät der Rhythmus durcheinander. Beim Einen mehr, beim Anderen weniger.
könnte mir das glatt zu denken geben. Na, mal ne Nacht drüber schlafen…
Montag, 29. Oktober 2007 - Misc
Der dritte Platz beim Pestilenz-Award 2007 geht ganz klar an die
Handy-Lala-Hörer
Begründung: Zur guten alten Zeit (also in meiner Jugend) ließ man die Umwelt noch an Beschallung aus Ghettoblastern teilhaben. Die Musik war nervig, die Besitzer und Träger (meist lässig auf der Schulter) sahen lächerlich aus, aber die Mucke hatte wenigstens noch Klang! Heute wird man mit einem verzerrten Gefiepe genervt, dass sich in Ansätzen als etwas ähnliches wie Musik identifizieren lässt.
Montag, 29. Oktober 2007 - Misc, Mottenkiste
Heute vor einem Jahr schrieb ich, dass ich “heute vor einem Jahr” in den Lindenhof gezogen bin. Und ich war fest überzeugt davon, dort nicht so schnell wieder wegzuziehen. Ein Jahr davor hatten wir uns übrigens gerade von einem Kurztrip in den Wilden Süden erholt – und dachten nicht dran, ein Jahr später im tiefen Wald zu wohnen. Wiederum ein Jahr davor überlegten wir uns, wo wir denn hinziehen, und dachten weder an Wald noch an Berlin. Hm, wo mag ich heute in einem Jahr wohnen? 
Sonntag, 28. Oktober 2007 - Misc
So viele Preise und Awards werden verliehen, aber die Auszeichnung, die mir vorschwebt, ist nicht dabei – also mache ich das mir hier halt selbst: Es geht um die Verleihung des virtuellen Pestilenz-Awards 2007! In den nächsten Tagen stelle ich hier die Preisträger mit einer kurzen Würdigung vor. Natürlich gibt es auch einen Sonderpreis – den aber ganz zum Schluss.
Und das ist er, der Pestilenz-Award:

Heute möchte ich neben dem Preis an sich auch die “Verlierer” vorstellen: Die Nervereien, die es nicht auf die vorderen Plätze geschafft haben und deshalb nur kurz ohne ausführliche Würdigung erwähnt werden. Als da wären:
- Raucher in den U-Bahnhöfen. Nervend, aber es werden weniger.
- Hundehaufen. Vor 20 Jahren konnte man sich hier in Berlin nur tänzelnd fortbewegen, immer musste man diesen Tretminen ausweichen. Tanz auf dem Golan sozusagen. Hat sich gebessert, wirklich!
- Knut-Berichte. Artikel und Berichte über den Knuddel-Flokati gibt es immer noch – wozu?
- Laubbläser. Schaffte man früher ähnlich schnell und deutlich leiser. Wäre auch in die Top 3 gekommen, aber in der letzten Zeit wird brav geblasen, wenn ich schon wach bin, von daher…
Keine Bange, ihr habt im nächsten Jahr ja wieder eine Chance.
Samstag, 27. Oktober 2007 - Berlin
An seinem Dreimonatigen steht der Stef im Nieselregen am Brandenburger Tor, betrachtet die Illuminierungen, lauscht den gröhlenden singenden Pubertierchen und fremdsprachigen Touristen, freut sich in Berlin zu sein und lächelt leise in sich hinein.
Danach lustwandelt er weiter zum Gendarmenmarkt (ob ich jemals auf Anhieb die richtige Straße dahin finde?) und zum Dom, bedauert es, dass der Fernsehturm halb im Nebel verschwunden ist, und ist froh, bei dem Wetter doch noch vor die Türe gegangen zu sein…
Fotos hätte ich gerne hier präsentiert, aber da war die Cam doch etwas überfordert. Eindrücke gibt’s aber beim Tagesspiegel.
Freitag, 26. Oktober 2007 - Berlin, Kiez, Pix
“Lass uns doch mal eben kurz dort anhalten und auf ‘n Sprung gucken” sagte die Anke auf der Heimfahrt von der Arbeit. Auf eben diesem Heimweg lag sie nämlich, die Wiesenburg im Wedding. Oder das, was von ihr noch übrig ist. Jener verwitterte Bau war mir auf der täglichen Fahrt vom Wedding nach Gesundbrunnen von der S-Bahn aus aufgefallen, und letztens erzählte die Anke in einem Plausch während der Arbeitszeit Kaffeepause von ihrem “kurzen Spaziergang” durch den Wedding, wo sie sich die Anlage mal angesehen und spontan beschlossen hatte, dort einzuziehen.
“Muss ich mir auch mal ansehen” dachte sich der Stef. Und schneller als gedacht bot sich eben heute die Gelegenheit. Verbotenerweise frecherweise betraten wir das Gelände, sahen uns ein bisschen um, Stef schoss – wie üblich – das ein oder andere Foto… und aus einem sehr ruinösen Fenster erschall plötzlich eine Stimme.
Es war einer der Bewohner, dessen Begeisterung über die knipsende Störung sich doch in Grenzen hielt. Nach dem Woher und Wohin setzte er uns verdutzten Besuchern je einen Bauhelm auf… führte uns durch die Ruine und erzählte uns ein wenig über die Geschichte:
Der 1868 von Liberalen und Sozialdemokraten gegründet Berliner Asylverein bot hier ab 1896 700 Männern Unterkunft. 1907 wurde das Haus um 400 Schlafplätze für Frauen erweitert.
Im Volksmund wurde es Wiesenburg genannt – zum einen weil es eben an der Wiesenstraße liegt, zum anderen wohl, weil dort keine Polizei rein durfte. Dem Verein, der Obdachlose als “Menschen in einer geradewegs ausweglosen Notlage” ansah, gehörten unter anderem August Borsig und Rudolf Virchow an. Nachdem sich nach 1918 die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse grundlegend geändert hatten verlor das Asyl schrittweise an Bedeutung. Heute haben sich dort einige Künstler niedergelassen, einige Gebäudeteile sind verkommen. [Quelle]
Wenn man auch das Privatgelände eigentlich nicht betreten darf, so kann man seit einiger Zeit doch offiziell zumindest einen Eindruck von dem imposanten Gebäude bekommen: Zwischen Pank- und Gerichtsstraße führt ein kleiner Pfad mit einer Brücke an der Panke entlang, direkt an der Wiesenburg und interessanten Hinterhöfen vorbei.
Stef stand nur mit vor Staunen offenem Mund da, hat sich die genialen Bauten betrachtet und lauschte den Geschichten und Informationen, die Joe, unser Führer, so erzählte. Leider konnte ich gar nicht alles behalten, und auch im Netz wurde ich nicht so richtig fündig. Wäre es nicht so saukalt gewesen, und wären wir nicht sowieso nur “kurz auf nem Sprung” gewesen, hätten wir die Einladung zu ner Tasse Kaffee auch nicht ausgeschlagen. Zu einem anderen Zeitpunkt aber gerne – wenn wir denn dürfen.
Am Ende unseres Rundganges erfuhren wir noch, dass die Wiesenburg in einigen Filmen als Kulisse diente – unter anderem in der Blechtrommel. Einen ganz herzlichen Dank an Joe für den tollen Aufenthalt, wir würden uns freuen, wenn wir wieder mal vorbeikommen dürften. Unsere Mailadresse hast du ja, und die gebrannten Fotos bringe ich die Tage mal vorbei…
Freitag, 26. Oktober 2007 - Kurz notiert
Das schöne an diesen Tagen, die so richtig schön beschissen sind, ist der Tag danach: Es kann eigentlich nur besser laufen. Hoffe ich jedenfalls…
Donnerstag, 25. Oktober 2007 - Misc
Nu geht’s also weiter. Okay, steige ich halt auf die Tram um. Wenn es übrigens stimmt, dass sich der Bahn-Vorstand die eigenen Bezüge um 60% erhöht hat, dann motze ich an dieser Stelle auch nicht mehr über die Lokführer. Höchstens noch ein kleines bisschen, weil der Streik nicht bei besserem Wetter stattfindet…
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