Nach jahrelanger Abstinenz hat mich Anke genötigt überredet, mir die CSD-Parade anzusehen – von wegen Event, Historie, Spaß und so. Nach dem obligatorischen Chaos und fast ohne Verspätung zockelten wir also mit einem kleinen Tross los, fanden unter den Linden noch ein lauschiges, halbwegs trockenes Plätzchen, und harrten der Dinge, die da unausweichlich kommen würden… Erfreulicherweise gab es – im Gegensatz zu früheren Kölner CSDs – kaum Wartezeiten, und genügend Platz in der ersten – und einzigen – Reihe war auch vorhanden. Vielleicht lag’s am Wetter, vielleicht an der neuen Route, der Besucherstrom war jedenfalls recht übersichtlich.
Relativ schnell wurde aber klar, warum ich dieser Festivität so lange aus dem Weg gegangen war: Mit einer politischen Demonstration, die der CSD ja ursprünglich war, hatte das ganze – bis auf wenige Ausnahmen – nichts mehr zu tun. Fast jede Partei meinte, sich beim homosexuellen Urnenpöbel anbiedern zu müssen, und auch die Wirtschaft erinnerte sich wieder der zahlungskräftigen Kundschaft. Lebhaft und bunt war’s allerdings: Es gab viel für die Augen, und – leider – noch mehr für die Ohren. Hieß es früher noch “wer hat den längsten”*, war diesmal wohl das Motto “wer hat den lautesten”. Offengestanden habe ich
es nicht lange ausgehalten – als wir minutenlang von einem Wagen (war das Werbung für einen Club? Oder für ne Disco? Oder für die Hörgeräteindustrie?) mit ohrenbetäubendem Krawall gefoltert beschallt wurden, und sich dies offensichtlich bei den folgenden Wagen fortsetzen würde, habe ich die Flucht ergriffen. Vielleicht fehlten mir Ohrstöpsel, vielleicht auch nur eine gewisse Menge an – durchaus vorhandenem – Prosecco, oder das ganze erinnerte mich einfach zu sehr an Karneval… wie auch immer, ich sitze jetzt in meiner ruhigen Wohnung, sehe bei geöffnetem Fenster lächelnd dem Wolkenbruch zu, und werde sicherlich am Montag brühwarm erfahren, wie der Rest der Fete abgelaufen ist.
Memo an mich: Sollte mich im nächsten Jahr wieder jemand versuchen zu überreden, vor der Antwort dieses Posting lesen!
* Ende der 90er war beim CSD die wichtigste Frage, wer denn den längeren Umzug und mehr Besucher hat – Köln oder Berlin.














schrub am 28. Juni 2008 um 20:39:
Naja zum Glück wird ja niemand gezwungen dorthinzu gehen. Ich war gerne da… Und ich denke der CSD wird für immer etwas politisches haben
schrub am 29. Juni 2008 um 14:11:
Dööf, dass ich nicht dran gedacht habe, dem transgenialen CSD noch einem Besuch abzustatten. Nächstes Jahr dann…
schrub am 29. Juni 2008 um 17:51:
Daß der sogenannte “Transgeniale” CSD leiser ist, ist klar. Beim sogenannten “Transgenialen CSD” nehmen insgesamt etwa 2.000 bis 3.000 Leute teil, beim eigentlichen CSD nahmen dieses Jahr laut Polizei und ZDF 450.000 Menschen teil.Und das man auch fröhlich, bunt und schrill für seine Rechte und einfach pure Lebensfreunde demonst5rieren kann, werden manche Berufsdeppresive in “transgenailer” Manier eh nie verstehen.
schrub am 30. Juni 2008 um 16:00:
http://www.hagalil.com/archiv/2008/06/csd.htm