Er kann’s einfach nicht lassen, Berlins Finanzsenator Sarrazin: Er hält 5 Euro für angemessenen Lohn, wirft Sozialarbeitern Faulheit vor und stellt indiskutable Speisepläne für ALG II-Empfänger auf. Natürlich hat er dies teilweise nicht so gemeint, mitunter entschuldigt er sich sogar für seine Äußerungen und gelobt, er wolle sich künftig etwas weniger spontan äußern. Aber mit seinem heute abgelassenen Spruch, dass gegen die extrem steigenden Heizkosten ein dicker Pulli genüge und 16° Zimmertemperatur ja angemessen seien, zeigte er mal wieder, dass er offensichtlich zu den Leuten gehört die nicht wissen was sie denken bevor sie hören was sie sagen wohlüberlegte Formulierungen nicht sein Ding sind. Natürlich muss man in der kalten Jahreszeit nicht im T’Shirt in der Wohnung sitzen. Auch seine Bemerkung, dass bei ALG II-Empfängern die Heizkosten von der ARGE übernommen werden, trifft ansatzweise zu. Aber zum einen gibt es keine Anzeichen, dass die Höchstgrenze der übernommenen Kosten angehoben wird, zum anderen nützt das den “Profiteuren des Aufschwungs”, nämlich den Menschen, die für einen minimalen Lohn schuften, von dem sie kaum leben können, gar nix. Der Ton, Herr Sarrazin, macht die Musik, und Menschen, die etwas weniger verdienen als Sie, fühlen sich – mal wieder – von Ihnen verarscht und verhöhnt. Verständlich! Sarrazin mag ein guter Finanzsenator sein – Berlins chaotischen Haushalt zu verwalten ist sicherlich keine einfache Aufgabe. Aber in jedem Beruf zählt nicht nur die Fachkompetenz sondern auch gewisse Softskills – auch in der Politik. Von einem Volksvertreter erwarte ich neben diplomatischem Geschick auch respektvollen Umgang mit dem Urnenpöbel Wähler. Berlins Finanzsenator hat einmal mehr bewiesen, dass er diese Qualifikationen vermissen lässt. Entweder gibt man dem Mann darin endlich Nachhilfe, oder er ist auf seinem Posten nicht mehr tragbar. Also: Endlich mal die Klappe halten oder zurücktreten. Und das schleunigst!
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