1899

 Veröffentlicht vom um 17:55  Misc
Aug 242008
 

So, nun sind sie also alleiniger Tabellenführer, die Aufsteiger der TSG von 1899 Hoffenheim. Na gut, nach zwei Spieltagen hat das nicht viel zu bedeuten (frag mal bei Hansa Rostock nach), aber immerhin. Ich hab’s weder mit Werksclubs wie Volkswagen Wolfsburg oder Chemie Leverkusen, auch nicht mit Spielzeugen wie Abri Chelsea. Aber die Häme und Schimpferei, die auf den Verein niederprasselt (boah wat Phrasengedresche) finde ich deutlich übertrieben. Na gut, Milliardär Hopp pulvert kräftig Kohle in den Verein, aber soll er sie unter sein Kopfkissen stecken? Zumal er in der dortigen Region mehrere Vereine und auch viele Kinder- und Jugendangebote unterstützt. Und jetzt haben sie halt ein paar junge Talente aus Übersee geholt, einen Fußballprofessor verpflichtet – und marschieren durch. Finde ich klasse! Bayern hatte in den 80ern und 90ern nix besseres zu tun als gute Spieler der Konkurrenz wegzuschnappen – ob das nun so viel kultivierter ist? Auch andere Vereine hatten kräftig Geld – egal ob von einem Unternehmen wie Gazprom 04 oder Tablette Leverkusen oder durch kurzfristige Erfolge wie Schwarzgelb Dortmund. Halbwegs gut – und vor allem langfristig – damit umgehen konnte bis auf Bayern keiner. Naja, vielleicht Werder noch. Die spielen auch seit Jahren schönen Offensivfußball. Aber die im Zusammenhang mit Hoffenheim gerne mal zitierte Tradition finde ich bei Werder auch nicht wirklich. Überhaupt, Tradition… Vereine wie Schalke rumpeln seit 50 Jahren der Meisterschale hinterher, andere “Traditionsvereine” wie Rot-Weiß Essen, Dynamo Dresden oder – der erst 1948 entstandene – FC Multikulti Köln dümpeln über Jahre in unteren Klassen rum, obwohl sie eigentlich nach eigenem Verständnis jedes Jahr deutscher Meister werden müssten. Wo Hoffenheim am Ende der Saison auch landet – ne Bereicherung für die Bundesliga finde ich sie jetzt schon, und wenn die weiterhin schönen Fußball spielen und weiterhin zehn mal so viele Fans ins Stadion kommen wie das Kaff Einwohner hat, dann könnte das auch längerfristig mit nem Platz ganz weit vorne klappen. Aber selbst wenn der Verein in zwei Jahren mit dem Gewinn der Championsleague wichtige Punkte für die deutsche Europapokalwertung holt wird der “wahre Fußballfan” über die mangelnde Tradition und das viele Geld nölen.

Der Behelfsstammbäcker

 Veröffentlicht vom um 11:50  Kiez
Aug 242008
 

Eines hat sich seit dem Umzug vom Leo doch deutlich verschlechtert*, nämlich die Sonntagsbrötchensituation an sich. Unter der Woche bin ich ja eher der Brotesser, aber am Wochenende dürfen’s gerne Brötchen sein, vielleicht noch ein lecker Stück Kuchen für den Nachmittag. Zumindest für den sonnabendlichen Frühstückstisch gab’s am Leo den Laugengebäckverkaufsstand direkt gegenüber (okay, ich war letztens in Schwaben, ich weiß wieder, wie richtiges Laugengebäck schmeckt), und am Sonntag sorgte die freundliche Bäckereifachverkäuferin Aushilfskraft beim Billigbäcker für die Magenfülle. Das Gebäck dort war nämlich nicht nur billig, sondern überraschenderweise auch recht gut! Tja, und nun?

Hier gibt es einen kleinen Kiezbäcker, also ein übersichtlich sortiertes Café mit Brötchenverkauf. Je nun, nicht der Brüller, aber bezahlbar und geschmackstechnisch passabel. Eines jedoch geht dem – immer freundlichen – Verkäufer ab: Der Wiedererkennungswert! Nein, ich erkenne ihn schon wieder, aber er… Nun ist es nicht erste Pflicht eines Ladeninhabers, den “Wochenendstammkunden” mit Handschlag, Namensnennung und großartigen Rabatten zu empfangen. Aber jedesmal das gleiche Nachfragen – wenn auch meist nur im Gesichtsausdruck – nee, da kommt kein Stammbäckerfeeling auf. Und ich brauche das einfach, das ist vielleicht so ein kleines, meinetwegen spießiges Gefühl von Heimat.

Zwei weitere Bäcker Brötchenverkaufsstellen habe ich hier in der Umgebung getestet, beide deutlich weiter entfernt, dafür nicht wesentlich besser als mein momentaner Behelfsstammbäcker. Einen Versuch habe ich noch, wobei ich bislang nicht in Erfahrung bringen konnte, ob dieser Laden Sonntags morgens, ja ob er überhaupt mal geöffnet hat. Diesen – deutlich längeren – Weg hebe ich mir aber für einen Sonntag auf, an dem es nicht stürmt und schüttet.

Und, liebe Neunmalkluge: Nein, Brötchen sonntags aufzubacken ist bei den Energiepreisen keine Alternative!

* Es gäbe da noch ein paar weitere Verschlechterungen, aber die haben nix mit meinem Bäcker zu tun, werden bzw. wurden von daher an anderer Stelle abgehakt.

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