Wie mein Stammleser weiß beschäftigt mich das Thema “Überwachungswahn” sehr intensiv. Mit Sicherheit wird diese Datensammelwut gerne von den Politikern begründet. Mir geht’s diesmal gar nicht um Sinn oder Unsinn, ich frage mich eher, welche Menschen gerade so auf diese Sicherheit abfahren – oder besser gesagt, Menschen welchen Alters. Sind es die Menschen, die sich entweder in den späten 60ern und frühen 70ern Freiheiten erkämpft, oder diejenigen, die sie – rund 10, 20 Jahre später – genossen haben?
Wenn ich daran denke, wie wir früher von mittags bis abends auf der Straße, auf Spielplätzen oder im Wald rumgetobt – und später rumgehangen – haben und unsere Eltern keine Ahnung hatten, wo wir uns aufhielten. Und heute? Am liebsten würden sie ihrem Nachwuchs einen Peilsender einpflanzen, damit sie fortwährende Kontrolle über die lieben Kleinen haben. Dass fast alle Kurzen heute mit Handy ausgestattet sind um jeder Zeit von besorgten Eltern erreichbar zu sein ist ja schon Alltag.
Die Freiheiten, die wir uns damals “erkämpft” haben sind für die heutigen Kids etwas ganz normales, zumeist langweiliges. Klar, ist ja wohl von Generation zu Generation das gleiche. Dass sie sich neue Herausforderungen suchen ist natürlich.
Ich habe die Massenbewegung gegen die Volkszählung in den 80ern miterlebt. Und heute sammeln genau diese Leute Bonuspunkte und geben ihre Fingerabdrücke in den neuen Persos freiwillig ab?
Ebenso verhält es sich mit den inflationär gestellten Verboten und Verbotsanträgen wie dem Rauchverbot, der Trennung von Lebensmittel und Spielzeug oder der stetig ansteigenden Prüderie.
Meine große Hoffnung ist, dass sich mit der Natur auch die Zivilisation in Wellen bewegt. Dass sich in zehn, zwanzig Jahren die jungen Menschen die Gängelei, die Überwachung satt haben. Dass sie erkennen, dass man die Freiheit verteidigen muss, täglich! Und ich hoffe, dass dies einigermaßen friedlich abgeht – ohne Umwege oder Auswüchse wie in den frühen 70ern.
Ich bin froh, meine Jugend damals verbracht zu haben. Die Mode war grausam, ebenso wie die Tonqualität der von SWF3 mitgeschnittenen Cassetten.Und ja, wir hätten uns über ein, zwei weitere Fernsehprogramme gefreut. Trotzdem – heute möchte ich kein Kind mehr sein. Wie empfinden es die Kids heute? Und was werden sie in 20, 30 Jahren sagen?
Dazu passend noch ein Text, der im Netz umhergeistert (und dessen Verfasse ich nicht kenne).

















Wenn man eine Schraube anzieht, sagt man: Nach fest kommt ab.
Jeder Depp zieht und zerrt möglichst öffentlichkeitswirksam als moralischer Gutmensch an den Schrauben, die die Gesellschaft zusammen halten und sie sicher machen sollen. Wer weiß, wieviele Schrauben schon abgebrochen wurden und wieviele noch tragen? Der Zusammenbruch – das lehrt die Geschichte – kommt immer plötzlich.
Jacques Brel hatte übrigens schon Ende der 60er erkannt, daß den Kinder die Abenteuerlust aberzogen wird, da sie fast ausschließlich von Frauen betreut werden, die bei der Wahl zwischen Risiko und Sicherheit eher auf Sicherheit setzen.
Würde Jacques Brel noch leben, wüßte ich gern, wieviel Zeit er dieser Gesellschaft noch gibt