Arbeit macht frei

 Veröffentlicht vom um 18:13  Gedankenkram, Grundeinkommen, Politik
Okt 312008
 

Unsere Volkskanzlerin faselte ebenso wie einst leidlich sympathische Nachwuchskräfte der Splitterpartei SPD von “Vollbeschäftigung”, und Wirtschaftsminister Glos möchte am liebsten das arbeitsscheue Gesindel Erwerbslose zur Zwangsarbeit verpflichten. Dass wir diese de facto schon haben wird gerne bestritten: Nein, niemand wird gezwungen.
Wer sich allerdings wehrt bekommt eben Kürzungen bis zu 100% und muss sehen, wie und wo er was zum Essen bekommt. Wahrscheinlich verlassen sich unsere Bestimmer auf die kostenlosen Essensausgaben wie zum Beispiel die Tafeln, ohne deren Hilfe es schon jetzt für viele Bedürftige übel aussähe. Die Arbeitslosenzahlen sind wieder gesunken, aber diese Statistik ist sowieso eine Farce – sämtliche Menschen, die in “arbeitsmarktpolitische Maßnahmen” (u.a. den sogenannten “Ein-Euro-Jobs“) geparkt werden, fallen ebenso aus der Statistik wie diejenigen, die von ihrer Erwerbsarbeit nicht leben können und ergänzendes ALG II erhalten. Dazu werden – vor allem hier in Berlin – immer mehr Stellen im “öffentlich geförderten Beschäftigungssektor” geschaffen – im Prinzip keine schlechte Sache, die meisten Langzeitarbeitslosen, die in den Genuss einer solchen Stelle kommen, hätten auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance mehr. Allerdings stellt sich nach wie vor die Frage, inwieweit reguläre Stellen verdrängt werden, ähnlich wie bei den sogenannten Ein-Euro-Jobbern: Nicht selten kann bei deren Arbeit von Gemeinnützigkeit keine Rede sein (was auch dem Bundesrechnungshof schon aufgefallen ist), und Menschen, die widerwillig diese Jobs übernehmen, werden die Arbeiten kaum gewissenhaft ausführen. Anders sieht es bei den Arbeitslosen aus, die um eine solche Maßnahme ersuchen: Sie sind froh, Beschäftigung zu haben, unter Menschen zu sein und sogar noch wichtige und sinnvolle Arbeit zu unterstützen. Aber genau das kann eigentlich nur der Weg sein: Recht auf Arbeit statt Zwang zur Arbeit! Die jetzige Bankenkrise wäre die Gelegenheit, über neue Wege nachzudenken, zum Beispiel über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Auch damit hätten unsere Oberkapitalisten die Möglichkeit, ihr Vermögen zu wahren und zu vermehren.

Allerdings befürchten wahrscheinlich die – offiziellen sowie die heimlichen – Regierenden Machtverlust über den Urnenpöbel, weshalb eine andere Gesellschaftsordnung wohl weiterhin eine Illusion bleibt. Denn wie wussten schon unsere Vorfahren: Arbeit macht frei, und wer nix arbeitet, soll auch nix fressen. Oder so…

Kommentare sind nicht mehr möglich.

   
© 2007-2012 StefBlog | Credits | WordPress Deutschland Nach oben
Suffusion theme by Sayontan Sinha