Kalte Stadt in der Stadt

 Veröffentlicht vom um 22:58  Berlin, Schnappschüsse
Jan 282009
 

Nicht heimelig, aber Imposant: Die drei Torbauten am Potsdamer PlatzIch habe den Potsdamer Platz als öde, trostlose Brache kennengelernt. Ein paar Würstchen- und Souvenirbuden, eine Aussichtsplattform und eine Horde Touris, die Bilder von dieser Ödnis knippsten. Ich Dussel habe damals keine Fotos gemacht, weshalb ich an dieser Stelle mal auf ein externes verlinken muss. Anfang der 90er gehörte ich zu den Zigtausenden, die sich in Infoboxen und Aussichtsplattformen über die irrsinnig rasante Bebauung informierten. Schon damals konnte einem schwindelig werden… Seit ein paar Jahren ist der Platz – oder besser gesagt das Areal drum herum, denn der eigentliche Potsdamer Platz ist nur der östliche Eckpunkt des ganzen – fertig gestellt. Tja, wie soll ich sagen…

Das blitzen Geld und Glamour: Potsdamer Platz von der neuen Nationalgalerie aus geknipstDrücken wir es mal positiv aus: Man hat sich an der Geschichte des Platzes in den späten 20ern des letzten Jahrhunderts orientiert – damals war er einer der belebtesten Plätze Europas, eine Amüsiermeile in großstädtischer Hektik, mit ein wenig Prunk und Protz. Heute findet man in, neben und zwischen den riesigen Bürogebäuden vor allem Hotels, Kinos, Theater, Einkaufspassagen. Also eine Amüsiermeile in großstädtischer Hektik mit massenhaft Prunk und Protz. ;)

Das Beisheim-Center. Nicht in New York sondern in Neu-BerlinDie Begeisterung über die Gestaltung des Areals ist unterschiedlich: Die Berliner nutzen zwar gerne die “Arcaden” genannte Einkaufsmeile (was ich nicht so wirklich verstehe, es gibt schönere), aber ansonsten ist die Meinung über die “neue Stadt in der Stadt” gespalten. Die Touris finden das Areal klasse, Bettler, Straßenkünstler und Punks finden es – gar nicht. Das “Public Private Partnership” genannte Konzept gibt den Grundstücksbesitzern mehr oder weniger das Recht zu bestimmen, wer ihr Areal betritt. Und da sind eben zahlungskräftige Kunden gerne gesehen. Punkt.

Die Park Kolonnaden. Könnten überall stehen.Ich fühle mich am Potsdamer Platz nach wie vor nicht sonderlich wohl. Gewiss, die Architektur ist zum Teil imposant, das wenige Alte wurde halbwegs integriert wie das ehemalige Weinhaus Huth; der Kaisersaal des alten Hotel Esplanade wurde sogar 75 Meter versetzt um ins Sonycenter integriert zu werden. Aber irgendwie wirkt alles steril und kalt – und das liegt nicht nur an dem eisigen Wind, der durch die vielen Schluchten zieht. Es ist unpersönlich, viele der neuen Gebäude könnten an jedem Ort der Welt stehen. Naja, in ein paar Jahren wird es ja zumindest an anderer Stelle “wieder historisch”. Da hätte man von mir aus aber gerne den Palast stehen lassen können. Ach ja, wie man’s macht isses falsch. ;)

Ein lesenswerter Beitrag über den Potsdamer Platz mit einigen Bildern auf WikiPedia.

Kommentare sind nicht mehr möglich.

   
© 2007-2012 StefBlog | Credits | WordPress Deutschland Nach oben
Suffusion theme by Sayontan Sinha