Nein, keine Bange, auch wenn mir einige der dort lebenden Menschen sehr fehlen bleibe ich in Berlin. Es geht an dieser Stelle um Prinz Poldi, besser bekannt als Lukas Podolski, Kölner Fußballer, der nach zwei Jahren beim FC Bayern zum Sommer wieder zu seinem “Stammverein” zurückkehrt. Nicht wohl gefühlt hat er sich in München (okay, wenn ich die Wahl zwischen diesen beiden Städten hätte ging’s mir wohl ähnlich), sein gewohntes Umfeld habe er vermisst. Naja, und meistens saß er auch nur auf der Ersatzbank.
Nun wird er ob seiner Rückkehr gerne als Versager abgestempelt. Er habe es nicht gelernt sich durchsetzen, seine Karriere stagniere, er werde so nie ein Weltklassespieler. Das mag zwar alles stimmen, aber ihn als Versager hin zu stellen trifft es nicht. Er möchte Fußball spielen – das kann er in Köln, wenn auch spätestens in zwei Jahren wohl wieder in der 2.Liga – vor allem hat er aber wieder sein Umfeld, in dem er sich wohlfühlt. In einer Gesellschaft, in der die Karriere das wichtigste zu sein scheint, in der man so lange aufsteigt, bis man überfordert ist, in einer solchen Gesellschaft also die Karriere dem Wohlfühlen nachzuordnen, das zeugt für mich nicht von Versagen sondern von sinnvoller Priorität! Er will wieder Spaß bei seiner Arbeit haben, und als guter Fußballer ist er in der glücklichen – und seltenen – Situation, sich seine Arbeitsstelle aussuchen zu können. Arm wird er in Köln sicherlich nicht, und auch seine Nationalmannschaftskarriere dürfte kaum leiden. Inwieweit er eines Tages vielleicht doch wieder zu einem Spitzenclub wechselt wird man sehen.
Sich bei seiner Arbeit wohl zu fühlen steigert – meiner Meinung und Erfahrung nach – die Fähigkeit und die Motivation, man ist zu Leistungen fähig, die man in einem anderen Umfeld nicht abrufen könnte. Angeblich fühlen sich 80% der Bevölkerung in ihrem Job nicht wohl, sind aber einfach froh, überhaupt eine Arbeit zu haben. Inwieweit sich das auf ihre Leistung auswirkt sei dahingestellt. Podolski hat sich entschieden, für viele – außer für die Kölner Fans – falsch, aber meine Hochachtung für diesen Schritt hat er. Und wer weiß, vielleicht wird der FC ja doch in den nächsten Jahren an die alten Erfolge anknüpfen… naja, Wunder kann auch ein Prinz Poldi nicht bewirken.
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