“Kannst du mir / uns / ihm mal die Daumen drücken?” ist zur Zeit ein ständig fallender Wunsch in sämtlichen Gesprächen, Mails und Telefonaten.
Jemandem den Daumen halten:
ihm in Gedanken in kritischen Stunden mit guten, Unheil abwehrenden Wünschen beistehen; jemandem zu einer wichtigen Entscheidung guten Erfolg wünschen.[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Quelle]
Ich hatte ja schon erwähnt, dass dieses noch kurze Jahr bislang nicht direkt durch seine guten Nachrichten auffällt*. Anscheinend wird die Gülle aber nicht nur im engeren Freundeskreis ausgegossen. Egal, mit wem ich spreche – überall dampft im Bekanntenkreis die Kacke. So viel Daumen, wie ich zur Zeit zum Drücken bräuchte, gibt’s gar nicht. Was also tun? Beim Discounter Daumen im Zehnerpack kaufen? Daumendrücken als “Ein-Euro-Job”? Und nein, dieses Online Daumendrücken ist definitiv keine Alternative!
Wobei…
Im Mittelalter herrschte der wahnsinnige Aberglaube, dass die abgetrennten Hände von Gehängten ein “Glücksfetisch” sind, und diese wurden für gutes Geld verkauft. Wer sich dies nicht leisten konnte begnügte sich mit nur dem Daumen. Dieser wurde dann in Situationen, in denen der Besitzer Überirdischen Beistand benötigte, weil er Angst vor Wetterphänomenen oder sonstigem Unheil hatte, fest umklammert. Wer also ganz traditionell die “Daumen drücken” will müßte sich der Leichenfledderei bzw. Störung der Totenruhe strafbar machen.
[Quelle]
Vielleicht sollte ich in Zukunft doch eher bitten, Glück und einen guten Ausgang zu wünschen…
*Kleiner Exkurs: Im Mittelalter brachte man angeblich die Überbringer schlechter Nachrichten bzw. diejenigen, die Unheil prophezeiten, um. Unsere Volkskanzlerin kann froh sein, dass dieser Brauch zumindest hierzulande nicht mehr so en vogue ist. Wobei dann ja wieder zwei Daumen zum Drücken übrig wären…













