Dass ich den Kabarettisten Georg Schramm verehre dürfte dem Stammleser bekannt sein. Göttlich seine diversen Kurzauftritte, wunderbar seine, mit Urban Priol zusammen gestaltete Satiresendung “Neues aus der Anstalt”. Wie aber würde ein komplettes Programm sein? Zwei, drei Stunden Schramm am Stück – wäre dies das Hochamt der Politsatire? Oder wäre man am Ende doch gerädert oder gar genervt? Gestern sollten wir es erfahren, zu dritt waren wir bei den Wühlmäusen, wofür wir zum Glück gerade noch rechtzeitig Karten bestellt hatten.

Politisches Kabarett ist dann gelungen, wenn dem Zuschauer das Lachen im Halse steckenbleibt – wenn dieser Satz zutrifft war der gestrige Abend nur mäßig erfolgreich! Nicht dass er uns nicht gefiel – ganz im Gegenteil! In seinem Programm “Thomas Bernhard hätte geschossen” treten die bekannten Schrammschen Figuren auf, und er lässt sie gewohnt bissig, zornig, zynisch agieren.
Was ich jedoch befremdlich fand waren die Reaktionen eines Großteils des Publikums: Da wurde gekichert und gegackert, mitunter auf die Schenkel geklopft, so als erzählte Schramm nette Schmankerl aus einer fernen Bananenrepublik. Bei vielen aus dem gestrigen Publikum hatte ich das Gefühl, sie kommen mal kurz aus ihrer heiteren Gutverdienerwelt heraus, genießen bei Schampus und Häppchen die Gesellschaftskritik und gehen dann heiteren Gemüts wieder nach Hause – spätestens am nächsten Morgen die Inhalte der – zweifelsohne erheiternd vorgetragenen – Darbietung vergessen habend. Das Gelächter, als Schramm über die “jungen, demotivierten Hartz IV-Empfänger” sprach ließ mich vemuten, dass die meisten Besucher noch nie etwas mit selbigen zu tun hatten, und die Begeisterung einiger, als “Drucker August” die Rotarier und “Lioner” ablederte, entlarvte eben jene eher als Clubmitglieder derselben. Wie fragte Susanne gerade in einer Mail so passend: Ob Schramm auf der Bühne nicht hin und wieder das Gefühl hatte, Perlen vor die Säue zu werfen?
Nun, vielleicht tue ich diesen Menschen Unrecht, es sollte ja auch nicht zum Hauptinhalt dieses Beitrags mutieren. Denn fest steht nach dem gestrigen Abend: Ja, wir durften ein Hochamt des politischen Kabaretts erleben, und Georg Schramm ist nicht nur in kleinen Dosen sondern auch über drei Stunden am Stück einfach göttlich. Wer die Möglichkeit hat ihn mit seinem Programm live zu erleben möge dies nutzen – jedenfalls sofern er keinen Schenkelklopfhumor erwartet und über einen gut abgehangenen Zynismus verfügt. In diesem Sinne: Ja, es war ein überaus gelungener Abend!
Foto von Georg Schramm als Rentner Dombrowski: Marcus Ostermann, Bildquelle: WikiPedia
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