Wer zur Zeit in Berlin mit der S-Bahn fahren will hat die Arschkarte gezogen! Dass die Bahnen, vor allem auf dem Ring, hin und wieder unpünktlich sind, daran hat man sich mehr oder weniger gewöhnt, auch der alljährliche Streik wird noch mit einer gewissen Gelassenheit hingenommen. Aber das jetzige Chaos hat andere Ursachen: Die Räder der neuesten Baureihe müssen überprüft werden. “Dass die Bahnen auf Sicherheit überprüft werden ist doch gut” sagt der Normalnutzer. Richtig. Jedenfalls dann, wenn die Kontrolle regelmäßig und vor allem in den vorgesehenen – und notwendigen – Intervallen stattfindet. Und genau das ist nicht passiert! Erst Kontrollen des Eisenbahnbundesamtes zeigten die Nachlässigkeiten der Bahn – oder sollte man sagen die Verantwortungslosigkeit? – und die Behörde legte per Anordnung hunderte Waggons lahm. Morgen will der Bahnvorstand tagen – personelle Konsequenzen seien nicht ausgeschlossen, so munkelt man.
Warum hat die S-Bahn bislang bei der Kontrolle gepennt? Schlampigkeit? Oder handelte es sich doch eher um bewusstes Eingehen eines Risikos? Bereits am 1.Mai ist eine S-Bahn nach einem Radbruch entgleist, das Unternehmen hatte daraufhin zugesichert, künftig bei allen Zügen die Räder alle sieben Tage zu überprüfen. Geschehen ist das offensichtlich nicht. Wegen fehlender Mitarbeiter?
Diese ganze Geschichte lässt für mich nur einen Rückschluss zu: Die Bahn setzt ihre eigenen Prioritäten, und da steht Geld an erster Stelle. Die Sicherheit der Fahrgäste hingegen ist den Verantwortlichen anscheinend scheißegal! Allein im letzten Jahr hat die S-Bahn Berlin an die Muttergesellschaft, die Deutsche Bahn AG, 56 Millionen Euro abführen müssen. Irgendwo muss das Geld herkommen, also wird Personal und Material eingespart – so wurden zum Beispiel fahrtüchtige Züge verschrottet, weil die Wartung zu teuer wäre. Nun fehlen natürlich diese Wagen. Schon seit langem murren die Mitarbeiter der S-Bahn: Sie würden ihren Kunden lieber saubere, pünktliche Bahnen und genügend Mitarbeiter auf den Bahnhöfen präsentieren – auch die (mangelhafte) Informationspolitik wird immer wieder kritisiert.
Bevor jetzt aber die große Entrüstung über die böse, böse Bahn losgeht: Diese ist nur ein Platzhalter für die Einstellung in Teilen unserer Gesellschaft: Gewinn ist alles, alles andere ist nichts – egal ob Bahn, Banken oder Kaufhausketten.
Der Berliner Senat überlegt nun, den bis 2017 laufenden Vertrag mit der S-Bahn nicht nur nicht zu verlängern, sondern baldmöglichsts zu kündigen. Dass dies wohl nicht klappt hat nicht nur rechtliche Gründe, es wäre auch kein Anbieter auf die Schnelle in der Lage, adäquat einzuspringen.
Berichte dazu im Tagesspiegel, der taz und – auch in Ton und Bild – im Abendschaublog; auf der Webseite der Berliner S-Bahn findet man hier die Notfahrpläne für morgen.
Update: Alle vier Geschäftsführer der Berliner S-Bahn müssen ihren Stuhl räumen! [Quelle]
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