“You’ll never walk alone” wird gerne in den Fußballstadien gesungen. Doch manchmal sind Menschen trotz einer großen Anhängerschar, trotz zahlreicher Bewunderer, trotz Freunde, trotz Familie alleine.
Insgesamt leiden in Deutschland derzeit rund vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression, schätzt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Jeder Fünfte erkranke einmal in seinem Leben daran [Quelle]. Noch schlimmer als die Krankheit selbst ist die Tatsache, dass viele Menschen sie verbergen. Depression ist nach wie vor ein Tabuthema, und bei unserer gesellschaftlichen Entwicklung steht zu befürchten, dass sich diesbezüglich nichts ändert. Stark sein, Leistung, Wachstum, Ellbogen, Angst vor Jobverlust, vor der Armut, Krankheiten verschweigen oder nicht auskurieren… das ist heutzutage gefragt.
Mit dem Tod von Robert Enke rückt dieses Dilemma – zumindest kurzzeitig – in die Öffentlichkeit. Aber die vielen anderen Menschen, die an dieser Krankheit leiden, die sich mit Selbstmordabsichten tragen oder diese umsetzen, das Leid dieser Menschen bekommt in der Öffentlichkeit niemand mit. Und bald werden auch die “einstigen Helden” wie Robert Enke oder Sebastian Deisler zwar nicht aus den Köpfen verschwunden sein, aber mit den Umständen und ihrer Krankheit wird sich kaum noch einer befassen.
Egal, wie viele Menschen sich um jemanden, der unter Depressionen leidet, bemühen, wie viele einen unterstützen – you walk alone!
Als Nachtrag ein Lesetipp: Spiegelfechter – der Freitod eines Torwarts und die Ethik.

