Ich wollte ein paar Eindrücke der ersten Arbeitswoche verbloggen, wollte was zum “Outing” eines Fußballers schreiben, wollte auf die aktuelle Folge von Neues aus der Anstalt hinweisen (und dabei mein Missfallen über die diesmaligen Gäste kundtun) – aber ich bin nur noch plattplattplatt. Lang nicht mehr so auf’s – wahrscheinlich sehr schlafintensive – Wochenende gefreut…
Anfangs der Woche fiel es mir schwer, früh ins Bett zu gehen, und noch ansatzweise leicht, früh aufzustehen. Nachdem die Woche fast rum ist fällt es mir deutlich schwerer früh aufzustehen – aber noch ebenso schwer, früh ins Bett zu gehen. Irgendwie hat das mit der Anpassung nicht ganz so geklappt wie gewünscht.
Ein kleiner Auszug eines Textes zum Thema psychischer Druck, bevor die mediale (und somit die öffentliche) Aufmerksamkeit langsam wieder nachlässt – bis zum nächsten Vorfall.
…es kostet so viel kraft. egal ob es die angst vor dem versagen ist, das ständige versteckspiel, oder das leben wider der eigenen Art…
…gerade diese angst, vor allem im job zu versagen, den anforderungen und erwartungen, die ich mir in erster linie selbst mache, nicht gerecht zu werden, lähmt mich, macht mir den alltag zur qual. und genau diese ängste macht man auf der arbeit nicht öffentlich. oder erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist…
…es gibt immer wieder, mitunter monatelange, phasen, in denen ich mich richtig gut fühle. in denen diese ängste, die traurigkeit, die verzweiflung entweder völlig verschwinden oder zumindest nur schwach ausgeprägt sind. diese phasen des lebens sind ein genuss, auch wenn ich weiß, dass jederzeit wieder der absturz erfolgen kann. in diesen phasen kann ich den akku wieder aufladen. auch hilft es in den schlechten phasen mich der guten zu erinnern, zu wissen, dass ich irgendwann aus diesem “loch” wieder draußen bin. aber wie bei den richtigen akkus auch: die aufladephasen werden in immer kürzeren abständen benötigt, und so richtig voll wird der akku auch nicht mehr…
…es ist nicht so, dass einen der druck direkt erschlägt. da wird nicht ein dicker felsbrocken geworfen, sondern es ist ein geröllberg, der, fast unmerklich, immer größer wird, und einem irgendwann die luft zum atmen nimmt…
…natürlich kenne und nutze ich methoden, mit der angst umzugehen. aber diese – das entlarven der Ängste als spukende kopfgeister, das fokussieren auf andere, angenehmere gedanken – erfordern ständige aufmerksamkeit und auseinandersetzung – und zwar in einer phase, wo die lebensenergie sowieso schon sehr beansprucht wird. man kämpft, und man kämpft immer wieder, immer weiter, und dieser ständige kampf zermürbt, erschöpft einen, und irgendwann fragt man sich, ob man noch kämpfen kann, und vor allem ob man es noch will…
…aber man kämpft doch weiter. man denkt an die sonnenstrahlen des lebens, man denkt an freunde und familie, und man weiß, dass man diesen kampf noch nicht aufgeben darf. denn noch geht es ja – irgendwie…
…diese angst, diese traurigkeit wird nie völlig verschwinden. man kann nur hoffen, dass man diese phasen übersteht, dass die kraft ausreicht – und der wille, weiter zu kämpfen…
(Verfasser ist mir bekannt)
Wie war dein erster Arbeitstag?
Gut! Nett empfangen, keine schlechten Überraschungen, entspannte Atmosphäre.
Bist du überhaupt aus dem Bett gekommen?
Ja, sogar gut. Stelle die Frage noch mal am Donnerstag oder Freitag…
Bist du jetzt zu kaputt um zu bloggen?
Nee, dafür nie. Naja, fast nie.
Sind die neuen Kollegen okay?
Was soll man nach einem Tag sagen? Bisher auf jeden Fall: ja.
Gehst du morgen wieder hin?
Ich denke doch…
Die beiden Mitarbeiter von xtra3, Dennis Kaupp und Jesko Friedrich, haben seit einiger Zeit ihr eigene kleine Comedyreihe “Dennis & Jesko”. Dort können sie sich jeden Sonntag lang 15 Minuten austoben – und machen das auch. Bestes – wenn auch eigentlich zu spätes – “Betthupferl” zum Wochenendausklang, um anschließend lächelnd einzuschlummern. Vor allem vor dem ersten Arbeitsmontag seit nem knappen Jahr.
Dennis & Jesko, jeden Sonntag 23:15 im NDR Fernsehen.
Wie auch bei der schreibenden Zunft wurde gestern im SportStudio darüber diskutiert, was sich im Fußball künftig ändern muss, damit so ein Unglück wie das von Robert Enke nicht mehr geschieht. Es wurde davon gesprochen, dass man Anlaufstellen für Profis schaffen soll, damit diese vertrauensvoll über psychische Probleme oder Krankheiten reden können. Aber was nützt das? Robert Enke hatte offensichtlich Vertraute, mit denen er reden konnte, war in Behandlung, und dennoch…
Die Frage muss nicht lauten, was sich im Profisport, sondern was sich in der Gesellschaft ändern muss. Der Druck ist für immer mehr Menschen riesengroß, Versagensängste sind ebenso wenig eine Seltenheit wie ausgewachsene Depressionen, viele, auch bereits Schulkinder, können diesem Druck nur noch mit Hilfe von Tabletten standhalten. Damit aber in die Öffentlichkeit gehen? Nachwievor sind Krankheiten der Seele für viele unverständlich, sie werden nicht anerkannt, oder wenn, dann nur mit dem “lass dich doch nicht so hängen”-Unterton. Bänderriss oder Knochenbruch ja, aber Angst, Traurigkeit, Depression? Der Profifußball ist da nur die Spitze, er ist noch etwas “männlicher” als der Alltag, aber ansonsten ist er ein Abbild der Gesellschaft.
Würde ich depressive Tendenzen meinem Arbeitgeber mitteilen? Würde ich als Handwerker, Soldat oder Berufssportler zur Homosexualität stehen? Wohl kaum!
Die Millionen, die Profifußballer, Manager, ja selbst die (relativ!) hohen Summen, die Politiker erhalten, sind lange kein Zeichen dafür, dass es den Menschen wirklich gut geht, von “Normalverdienern”, die über keinen solchen gesicherten finanziellen Background verfügen, mal ganz zu schweigen. Aber solange unsere Volkskanzlerin den Duktus der Wirtschaft, nämlich Wachstum, als oberste Prämisse ihrer Politik vorgibt, solange beruflicher Erfolg, solange das Funktionieren das alles Entscheidende ist, solange wird sich auch diesbezüglich nichts ändern.
Auch wenn die Gesellschaft lernen würde, anders mit diesem Thema umzugehen, könnte sie den Betroffenen nicht ihre Ängste nehmen, könnte solche Krankheiten nicht heilen, ja noch nicht mal den Suizid als letzten Ausweg verhindern. Aber vielleicht würden die Betroffenen zumindest eine kleine Erleichterung verspüren, und vielleicht wäre dies ein erster Schritt in die richtige Richtung…
“You’ll never walk alone” wird gerne in den Fußballstadien gesungen. Doch manchmal sind Menschen trotz einer großen Anhängerschar, trotz zahlreicher Bewunderer, trotz Freunde, trotz Familie alleine.
Insgesamt leiden in Deutschland derzeit rund vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression, schätzt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Jeder Fünfte erkranke einmal in seinem Leben daran [Quelle]. Noch schlimmer als die Krankheit selbst ist die Tatsache, dass viele Menschen sie verbergen. Depression ist nach wie vor ein Tabuthema, und bei unserer gesellschaftlichen Entwicklung steht zu befürchten, dass sich diesbezüglich nichts ändert. Stark sein, Leistung, Wachstum, Ellbogen, Angst vor Jobverlust, vor der Armut, Krankheiten verschweigen oder nicht auskurieren… das ist heutzutage gefragt.
Mit dem Tod von Robert Enke rückt dieses Dilemma – zumindest kurzzeitig – in die Öffentlichkeit. Aber die vielen anderen Menschen, die an dieser Krankheit leiden, die sich mit Selbstmordabsichten tragen oder diese umsetzen, das Leid dieser Menschen bekommt in der Öffentlichkeit niemand mit. Und bald werden auch die “einstigen Helden” wie Robert Enke oder Sebastian Deisler zwar nicht aus den Köpfen verschwunden sein, aber mit den Umständen und ihrer Krankheit wird sich kaum noch einer befassen.
Egal, wie viele Menschen sich um jemanden, der unter Depressionen leidet, bemühen, wie viele einen unterstützen – you walk alone!
Als Nachtrag ein Lesetipp: Spiegelfechter – der Freitod eines Torwarts und die Ethik.





















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