StefBlog

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So leicht

Die dampfende Kacke der letzten Wochen und Monate ist nicht weniger geworden:

  • Corona ist noch lange nicht durch, der Krieg in der Ukraine erst recht nicht, und mit jedem Tag werden die Folgen gravierender.
  • Die Klimakatastrophe wird nachwievor zu 99% mit Worten statt mit Taten bekämpft.
  • Alles wird teurer, und wir bemerken derzeit erst einen kleinen Teil davon.
  • Der Aufstieg der Populisten, Rechtsgerichteten, Rückwärtsgewandten hält unvermindert an.
  • Die Dummheit der Menschen nimmt gefühlt minütlich zu, und die Dummen werden immer lauter.

Also alles wie noch vor ein paar Wochen und Monaten.

Und trotzdem geht es mir in den letzten Tagen so gut wie seit Langem nicht. Alles fühlt sich entspannter, deutlich leichter an als noch vor Kurzem. Als wäre ein riesiger Rucksack plötzlich weg. Ein wenig beschleicht mich das Gefühl, dass die Belastung durch den Laden zuletzt doch wesentlich heftiger war, als gedacht.

Keine Sorge, die mindestens melancholische Grundstimmung ist nicht gewichen, ich sehe den Irrsinn um mich herum nach wie vor, aber er beherrscht momentan eben nicht nonstop die Gedanken. Und es ist klar, dass diese Leichtigkeit ein sehr fragiles Gebilde ist. Aber derzeit ist sie da, und ich genieße sie. Durchatmen. Lächeln. Lachen. Tut einfach unheimlich gut.

Auswandern? Nö, nur zuschauen!

Die meisten Abende verbringen wir Schnuten ja gemeinsam, und dabei lassen wir uns gerne auch von der Glotze – oder einem Streamingdienst – unterhalten. Viele Sendungen oder Serien mögen wir beide, es gibt aber auch Programme, da guckt der eine halt mit, weil es der andere gerne mag. So schaut Benedikt hin und wieder tatsächlich mal mit mir zusammen ein Fußballspiel an, und ich gucke mit ihm zusammen die “Auswanderer”.

Offiziell heißt die Reihe “Goodbye Deutschland”, läuft seit über 15 Jahren auf VOX, und kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie nun eine Doku (zu seicht, zu gescripted) oder doch Trash-TV (meist eher unfreiwillig trashig) sein will. Angekündigt ist sie als Doku-Soap, ist aber letztlich auch egal. Wie man schon ahnt werden dort Menschen bei ihrer Auswanderung filmisch begleitet, mal über ein paar Wochen, mitunter sogar über Jahre. Die klassischen Dödel von früher – komplett branchenfremder, leicht unterbelichteter Hobbykoch, der am Arsch der Welt ohne jegliche Sprachkenntnisse und mit nem knappen Kilo Rücklagen eine, bislang nur auf Fotos gesehene, Bruchbude gekauft hat und dort, weit abseits sämtlicher Tourismuspfade, ein Restaurant eröffnen will – gibt es mittlerweile nur noch selten, mitunter sind es sogar ganz interessante, häufig erfolgreiche Geschichten. Einige Protagonisten sehen die Probleme einer Auswanderung erstaunlich realistisch, bei anderen – “wir eröffnen ein Restaurant auf Malle, weil wir es endlich mal ein wenig ruhiger angehen lassen wollen” – bewundern wir fast schon ein wenig deren Realitätsferne.

Ein wenig nervig an der Sendung sind die ständigen Wiederholungen bei den Kommentaren – ja, der Zuschauer hat mittlerweile die Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege, ja, man soll sich auch zurechtfinden, wenn man mittendrin ins Programm zappt – und die permanenten Fragen à la “wird es Gerd-Rüdiger wirklich gelingen, rechtzeitig die neue Dunstabzugshaube zu installieren?” (Spoiler: In den meisten Fällen nicht). Aber geschenkt, es ist halt eine typische Sendung, bei der man problemlos nebenher die gesamten Timelines sämtlicher sozialer Netzwerke durchlesen kann, ohne Relevantes zu verpassen. 😉

Häufig haben sich die Protagonisten der Dokus – und vermutlich genug andere Auswandernde – im Urlaub in ein Land verliebt und möchten dort dauerhaft leben. Weil es dort so schön ist. Und immer sonnig. Und das Lebensgefühl so ganz anders. Die Menschen dort sind so freundlich. Und viel entspannter.
Und dann sind sie vor Ort, nehmen ihr neues Restaurant (oder was auch immer) in Besitz und stellen ganz überrascht fest, dass es im Arbeitsalltag ja gar nicht mehr so entspannt ist. Ach was. Wenn der Handwerker eben nicht zum verabredeten Zeitpunkt auf der Matte steht, sondern erst drei Stunden später oder gar am übernächsten Tag, ist der vorher so gelobte, entspannte Lebensstil plötzlich sehr nervig. Und wenn man eben nicht mehr der urlaubende, Geld bringende Tourist ist sondern der Konkurrent, der den Einheimischen die Gäste – und somit auch die lebensnotwendigen Einnahmen – streitig macht, sind eben jene Einheimischen vielleicht gar nicht mehr sooo freundlich. Den Kleinkrieg mit den örtlichen Behörden – der meist noch weitaus schlimmer ist als hierzulande – hat man natürlich komplett unterschätzt, die Sprachprobleme oder die völlig anderen Gepflogenheiten im Alltag sowieso. Und irgendwann dämmert es auch dem Letzten, dass der Vorsatz, alles “deutlich ruhiger angehen zu lassen” vielleicht auch etwas utopisch war…

Wobei es – wie oben erwähnt – auch durchaus Protagonisten gibt, die deutlich realistischer und planvoller an die Sache rangehen, mitunter auch mit Zielen abseits des klassischen Malle und somit meist wesentlich interessanter.

Natürlich geben wir regelmäßig unseren Senf zu den Situationen ab, schütteln – sehr häufig – kollektiv den Kopf, nicken aber auch anerkennend, wenn jemand – sei es durch viel Glück oder Standhaftigkeit – seinen Traum verwirklichen kann. Und natürlich überlegt man sich dann hin und wieder, ob man selbst für eine solche Auswanderung zu haben wäre.

Vor ein paar Jahrzehnten war das für mich tatsächlich mal ein Thema. Ich habe mich mit einigen Gegenden dieser Erde ausführlich auseinandergesetzt, aber relativ schnell war klar, wenn auswandern, dann nur innerhalb Europas. Eine Zeitlang hatte ich eine Auswanderung in mein westliches Lieblingsland sogar intensiv durchgespielt, inklusive Sprachkurs, aber bevor das Ganze dann ernsthaft zur Umsetzung kam, änderten sich die persönlichem Umstände recht massiv. Das war dann auch okay so, und ich habe nicht das Gefühl, etwas nachtrauern zu müssen.

Und heute? Eine komplette Auswanderung könnte ich mir derzeit für mich nicht vorstellen, allein schon aus klimatischen Gründen: Mindestens eine Jahreshälfte ist entweder unerträglich heiß oder kalt. Generell reizt mich derzeit aber auch kein Land so sehr, dass ich mich ernsthaft damit auseinandersetzen würde. Vielleicht weiß man im fortgeschrittenen Alter auch eher die Vorteile zu schätzen, die man in heimischen Gefilden hat – wobei mir vor allem die Zukunft des (im Vergleich zu anderen Ländern noch gelobten) Gesundheitswesens und der Pflege durchaus Sorge bereiten.

Eine “saisonale Auswanderung” könnte ich mir da schon eher vorstellen: Den Winter in deutlich wärmeren Gefilden zu verbringen wäre wirklich ganz nett, wobei mich – im Gegensatz zu Benedikt – dann eher der Süden Italiens als Spanien reizen würde. Das wäre aber auch nur dann ein ernsthaftes Thema, wenn die notwendigen, sprich finanziellen Voraussetzungen gegeben wären. Zum Beispiel mit einem Job, der eine entspannte “Work-Life-Balance” ermöglicht. Oder mit ausreichender Rente. Oder einem geknackten Jackpot. Oder einem anderen, ähnlich unrealistischen Szenario. Und ob ich trotz deutlich angenehmerer Temperaturen alleine in einem anderen Land länger als zwei, drei Wochen wirklich glücklich wäre? Mit einer fremden Sprache, die ich für Alltagsgespräche vielleicht noch recht schnell erlernen könnte, aber wohl niemals in ihren Feinheiten beherrschen würde? Mit den Freunden, die dann noch ein paar tausend Kilometer weiter entfernt wären?

Ich ziehe den Hut vor jedem, der seinen Traum von der Auswanderung verwirklicht. Bei mir bleibt’s dann eher beim Konsum von entsprechenden Blogs, Videos (derzeit verstärkt zum Thema USA, einem Land, in dem ich wohl noch nicht mal urlauben würde), oder eben bei dieser Doku-Soap. Und das ist auch vollkommen ausreichend. 😉

Foto 2 vom ausgewanderten Matthias; Fotos 1, 4 und Headergrafik von der im Prinzip ja auch ausgewanderten Ulla; vielen Dank euch beiden! Foto 3 aus der eigenen Mottenkiste.

Schattendasein

Ich moppere ja gerne mal, dass mein Balkon nach Osten raus geht, und ich ihn, da hier eigentlich auch immer ein üppiger Wind weht, selbst im Sommer eher selten nutze. Wenn dann aber mal eine kurze Hitzewelle hier oben einen Tag zu Gast ist, dann… ja, dann sollte doch seine große Stunde schlagen:

Gut, 37° im Schatten ist jetzt immer noch nicht wirklich erfrischend, aber durch den leichten Wind kann man es so bestimmt aushalten.

Und ja, kann man. Also genau für zwei Minuten. Dann geht es ganz schnell wieder rein in die verbarrikadierte Hütte, in der es mit 29° dann tatsächlich noch verhältnismäßig “kühl” ist.

Und ja, ich bin sehr froh, dass ich derzeit “Urlaub” habe. Und nicht aus dem Haus raus muss. Oder überhaupt irgendwas machen muss.

Morgen soll der Spuk bereits wieder vorbei sein, und das ist wahrscheinlich auch gut so. Kinners, achtet auf euch, trinkt viel, und bewegt euch möglichst wenig!

Und meinen Balkon werde ich halt weiterhin hauptsächlich dazu nutzen, um vor dem Zubettgehen noch ein paar Züge zu nehmen und die Stille des Dorfes zu genießen. Und das ist ja auch ganz schön. 😉

Alles richtig gemacht

Nein, natürlich habe ich im Zusammenhang mit dem Laden nicht alles richtig gemacht. Wäre ja auch etwas merkwürdig, schließlich war für uns alles “Neuland”: Das Führen eines Ladens. Der Geschäftsalltag. Der ganze administrative Kram rund um die Selbständigkeit. Die Rolle als Arbeitgeber. All das war neu, und natürlich macht man da auch Fehler. Ich kann diese aber ganz gut einordnen und weiß sehr wohl, was ich mit meiner Erfahrung heute alles anders machen würde. Oder zumindest bei Vielem. Aber das ist auch gar nicht das Ding. Wichtig ist, dass die gemachten Fehler im Vergleich zu dem, was wir richtig gemacht haben, eher klein ausfielen. Die wenigsten hatten uns zugetraut, das alles so gut zu wuppen – wir uns selbst wohl auch nur, weil wir das Ganze völlig unterschätzt hatten. Aber wir haben es gewagt! Und es ist viel besser gelaufen, als wir uns in den kühnsten Träumen vorgestellt hatten.

Wir haben rechtzeitig zur großen Boom-Zeit begonnen. Also eigentlich zur zweiten Boom-Zeit, aber die erste war, obwohl sich da einige Dampfshops die Nasen vergoldet haben, mit zu viel Risiko behaftet, und so richtig reif war damals die Zeit einfach noch nicht. Als wir dann 2014 starteten, war die “Wild West-Zeit” zwar vorüber, aber die Regulierungen noch so entspannt, dass es sowohl für Verbraucher als auch für Händler sinnvoll war und Spaß machte.

Auch der Zeitpunkt des Aufhörens war, wie sich in den letzten Tagen und Wochen immer mehr rausstellte, der absolut richtige. Weiß man ja auch nie vorher, und noch die ersten Monate nach der Kündigung habe ich viel gegrübelt, ob der Entschluss wirklich richtig war. Ja, war er! Die teils massive Teuerung durch die Steuer macht es den kleinen Shops fast unmöglich, weiter zu machen, und wir sind nur einer von vielen, vielen kleinen Ladenbetreibern, die nun oder bereits in den letzten Monaten aufgehört haben. Dazu wandelt sich die Branche in einem Maße – und eine Richtung -, die nichts Gutes verheißt. Und das nicht nur für den stationären Handel, überhaupt droht der Dampferei – mal wieder – das schleichende Aus. Dazu kommen natürlich die Dinge, die den Einzelhandel generell betreffen: Spätestens beim zweiten Corona-Lockdown sind (zu) viele Leute zum Onlineshopping abgewandert, und nun stecken wir in der beginnenden Inflation, bei der jeder dreimal überlegt, wofür er das Geld ausgibt. Und man mag mich gerne des Schwarzmahlens bezichtigen, aber ich bin mir sicher, dass das Schlimmste erst noch vor uns liegt.

Also: Zum richtigen Zeitpunkt begonnen, zum richtigen Zeitpunkt aufgehört, die Zeit dazwischen intensiv genossen und, kann man ja ruhig mal sagen, bis vor Corona auch ziemlich gut verdient. Kurzum: Zumindest im Großen und Ganzen alles richtig gemacht! Und ja, das ist ein sehr gutes Gefühl. 🙂

Selbstverordnetes Innehalten

Spätestens seit Beginn der Selbständigkeit pflege ich meine ToDo-Liste, auf die alles geschrieben wird, was ich am nächsten freien Tag erledigen muss. Natürlich kommt da auch eher offensichtlicher Kleinkram drauf, aber bevor ich irgendwas vergesse… und außerdem ist es eben ganz schön, wieder was Erledigtes durchstreichen zu können.

Seit über einer Woche ist nun jeder Tag ein “freier Tag”, aber die Liste wird einfach nicht leerer. Kaum streiche ich einen Posten, kommen zwei neue hinzu. Und da ich mich ja ganz gut kenne weiß ich, dass dies wahrscheinlich ewig noch etwas länger so weitergehen wird. Mal ein wenig innezuhalten ist dabei irgendwie nicht vorgesehen, ich vergesse es einfach. Und wenn ich dann doch mal kurzzeitig unproduktiv bin, bekomme ich sogar ein schlechtes Gewissen.

Das geht so nicht wirklich weiter, so langsam merke ich, wie mir dieses ständige Fahren am Anschlag psychisch zusetzt. Also beginne ich jetzt damit, mir auch Dinge der Muße und Erholung auf meine ToDo-Liste zu schreiben. Heute zum Beispiel steht da, weil ewig nicht mehr gemacht: “Film guggn”. Und deshalb lege ich mich jetzt aufs Sofa, kuschel meinen Pinguin, und schaue mir einen Film aus der Gilmores-Reihe an. Ganz ohne schlechtes Gewissen – weil: Steht ja auf der Liste. Und wird anschließend durchgestrichen.

Manchmal muss man sich eben selbst austricksen. 😉

Seltsam und verwirrend

Derzeit geschehen seltsame bis verwirrende Dinge.

Die Mär vom frühen, den Wurm fangenden Vogel ist Bullshit – da hege ich eher große Sympathie für den späten Wurm, der dem frühen, vollgefressenen Vogel den Stinkefinger zeigt. Sprich: Ich bin Spätaufsteher, die ganzen Menschen, die zur – für mich – nachtschlafenden Zeit freiwillig das Bett verlassen, sind mir suspekt. Dennoch geschieht es natürlich gar nicht so selten, dass ich in der Früh aufwache – ja, alte Männer, drückende Blase – und mein Kopf mit völlig unnötiger Aktivität loslegt. Ich lasse ihn dann meist gewähren, spätestens nach ner Stunde hat der sich ausgetobt, und ich kann weiterschlafen. Jedenfalls wenn ich keinen Termin habe, was seit einer guten Woche ja die Regel ist.

Die letzten Tage allerdings ist nicht nur der Kopf so früh wach, auch der Körper mag nicht mehr liegen bleiben. Das ist teils den mal mehr, mal minder dezenten Rückenschmerzen geschuldet, aber irgendwie ist er auch der wirren Meinung, das Schlafpensum sei erreicht. Ich stehe die letzten Tage also eher um acht Uhr als später auf – und bin nach zwei Pötten Kaffee tatsächlich in der Lage zur produktiven, sogar halbwegs geordneten Aktivität! Gut, es gab mit der Ladenauflösung auch genug zu tun, wenn auch nicht zwangsläufig bereits mitten in der Nacht. Fast noch erschreckender ist, dass ich sogar noch zur ein oder anderen Aktivität im Haushalt bereit und fähig war, die nun wirklich noch Zeit gehabt hätte. Ich will nicht sagen, dass mir diese Verschiebung der Zeit und dieser frühe Aktivismus Angst machen, aber… doch, eigentlich schon.

Desweiteren verwirrt mich ein wenig, dass mit der Ladenauflösung bislang alles so reibungslos klappte. So hatten wir befürchtet, viel Zeit und Mühe damit zu verbringen, die ganzen Möbel aus dem Laden abzubauen und zur Kippe fahren zu müssen, aber nein, alles wurde von dankbaren Menschen abgeholt. Wirklich alles! Und auch meine Sorge, die restliche Ware, die unsere Kunden selbst zum Schleuderpreis nicht haben wollten, verlustreich in die Tonne treten zu müssen, entpuppt sich nun als unbegründet: Ein befreundeter Dampfshop übernimmt den gesamten Restbestand! Gut, deutlich unter dem Einkaufspreis, aber doch gegen einen Obolus, der mich absolut zufrieden stellt. Selbst die Übergabe des Ladens klappte nicht nur problemlos, es war auch alles deutlich weniger arbeitsintensiv als befürchtet. Nein, ich will mich nicht beschweren, ganz im Gegenteil, aber der bislang so reibungslose Ablauf verwundert mich einfach. Na, noch ist ja auch ein bisschen was zu erledigen, Tag, Abend, Lob und so.

Und bevor das jetzt die ersten Frühvögel überheblich mit einem “sach ich doch” kommentieren: Nein, es gibt absolut keinen Zusammenhang zwischen der senilen Bettflucht und dem derzeitigen guten Gelingen der Dinge – außer eben jenem, dass mich beides gleichermaßen verwirrt. Und ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, in den nächsten Tagen wieder mal so richtig schön lange schlafen zu können.

Und keine Sorge, alles klappt dann doch nicht – das Knacken des Lottojackpots zum Beispiel lässt weiterhin auf sich warten. Und das finde ich jetzt fast schon ein wenig beruhigend. 😉

Feierabend

Das war’s jetzt also.

Den letzten Verkaufstag hatten wir ja bereits vor einer Woche über die Bühne gebracht, entspannt, angenehm, fast schon unspektakulär. Entgegen meiner Befürchtung auch ohne all zu viel Wehmut, es war auch kein tröstender Alkohol notwendig, die Müdigkeit hat’s wie erwartet geregelt. 😉

Die Reaktionen in den “sozialen” Medien, aber auch auf direkten Wegen, waren in erster Linie mit traurigen Emojis versehen. Verständlich zwar, aber wir hatten insgesamt eine wirklich gute, intensive Zeit. Spätestens seit dem Beginn von Corona jedoch lief es nicht nur aus kaufmännischer Sicht nicht mehr so gut, auch der Spaß ließ immer mehr nach, und eine Besserung der Situation war und ist nicht in Sicht. Von daher: Auch wenn etwas Schönes nun zu Ende gegangen ist, gibt es keinen Grund für Tränen.

Diese Woche dann die Abschlussinventur (ging erfreulich schnell), das Ausräumen (innerhalb einer Stunde waren die letzten Möbel abgeholt), Putzen – und dem ein oder anderen Menschen, der an die Scheibe klopfte, klarmachen, dass wirklich geschlossen ist. Ja, Friedbert, für immer. Und heute schließlich die Übergabe, das Abgeben der Schlüssel, ein letztes Foto.

Natürlich gibt es noch das ein oder andere, das noch sortiert, verräumt und entsorgt werden muss. Restware, die vielleicht noch befreundete Shopbesitzer beglücken könnte, aber auch diverses Zeuchs wie Büromaterial, Werkzeug, Elektrokrams und dies und das. Das geht nicht von heute auf morgen, irgendwo muss der Krempel zwischengelagert werden, und wo ginge das besser, als in meinem Wohnzimmer:

Gemütlich isses hier derzeit also nicht, und nein, die Küche sieht nicht besser aus.

Und da gibt es natürlich auch noch das ein oder andere Administrative zu erledigen: Alles mögliche will noch gekündigt und abgemeldet werden, und man ist verblüfft, wie viel da plötzlich noch auftaucht, obwohl man sich sicher war, an alles gedacht zu haben. Aber das geht jetzt peu à peu, das meiste ist vom heimischen Schreibtisch aus zu erledigen, entspannt bei einem Kaffee. Oder zweien. Unrasiert und in Gammelhose.

Jetzt bin ich also erst mal unbezahlter Urlauber, temporärer Privatier, Ex-Selbständiger – wie man das auch immer nennen mag. Ich freue mich aufs Durchatmen – das ist nach den letzten acht Jahren, vor allem aber den letzten Wochen und Monaten, auch dringend notwendig. Alles andere kommt später.

Die letzte Woche

Die letzte Woche bricht an. Fast alles an Ware ist verkauft, selbst die meisten Möbel sind schon weg.

Ursprünglich war meine Sorge, dass wir die Ware nicht rechtzeitig abverkauft bekommen. Jetzt ist meine Sorge, dass wir die letzte Woche außer dem Grabbelzeugs nichts mehr anzubieten haben. 😉 Aber dann nutzen wir halt die Zeit, weiter auszuräumen und zu -misten.

Die Abwicklung bedeutet nachwievor viel Arbeit und ist anstrengend, allerdings ist es auch ganz schön, dass der Kopf mal wieder etwas mehr gefordert wird als bei der üblichen Routine der letzten Jahre. Für Melancholie ist also nach wie vor nicht viel Raum, aber die persönlichen Verabschiedungen werden häufiger. Oft hören wir sowas wie “Dank euch bin ich damals von der Kippe losgekommen”, “Ihr habt mich immer so gut beraten” oder “Ohne euch hätte ich das nie geschafft”. Das ist einerseits sehr schön, andererseits… Kloß im Hals und so. Aber anscheinend haben wir ab und an was richtig gemacht.

Ein wenig graut es mir davor, am nächsten Samstag zum letzten Mal den Schlüssel umzudrehen, nachdem die letzten Kunden weg sind. Aber wahrscheinlich werde ich das Wochenende auf Grund des bis dahin aufgelaufenen Schlafdefizits sowieso einfach verschlafen. Und zur Not gibt es Alkohol. 😉

Richtig durchatmen werde ich sowieso erst die Woche drauf, wenn der Laden übergeben ist. Für die Tage danach befürchte ich ein kleines Gefühlschaos, ein Mix aus Wehmut, Leere und Erleichterung. Mal sehen, was dann überwiegt, wird wahrscheinlich wieder mal im Minutentakt wechseln.

Jetzt geht es aber erst mal in die letzte Woche. Die letzte von 397 Wochen seit der Eröffnung

Verkehr(t)swende

Abgesehen von den Zeiten, in denen ich auf dem extrem platten Land (oder gar im tiefem Wald) wohnte, war ich immer Nutzer des ÖPNV. Spätestens in Berlin benötigte man nicht mal einen Fahrplan – die nächste Bahn kommt immer in ein paar Minuten. Gut, es war dreckig, es stank, und zu Stoßzeiten war es schön kuschelig. Trotzdem war ich damals richtiggehend ein ÖPNV-Fan.

Selbst als ich hier hoch zog, war ein eigenes Auto kein Thema. Da wir im unmittelbaren Einzugsgebiet einer Stadt sind, kann man hier mit dem Bus sogar halbwegs gut klarkommen – jedenfalls wenn man nicht am späten Abend fahren muss. Oder sonntags. Klar, zur Rushhour sind die Busse auch hier voll, und zur Hochsaison muss man erstmal über die ganzen Gepäckberge der Touristen klettern, aber ich bin ja eher zu Randzeiten unterwegs, und im Sommer fahre ich sowieso bevorzugt mit Fiete.

Wohnt man hingegen nur ein paar Kilometer entfernt, abseits der Touristenpfade und nicht unmittelbar im Dunstkreis der wenigen Städte, die es hier gibt, kann man den ÖPNV vergessen – mit viel Glück fährt vielleicht zweimal täglich ein Bus. Also an Schultagen. Wenn überhaupt.

Da können die Fahrpreise noch so billig sein, es bringt nix.

Ein gut ausgebauter, bezahlbarer, von möglichst vielen Menschen genutzter ÖPNV wäre aus Umweltschutzsicht natürlich eine tolle Sache. Und die Idee, eben diesen dem gemeinen Pöbel mit einem subventionierten Ticket schmackhaft zu machen, ist keine dumme – und zwar unabhängig von den derzeit explodierenden Spritkosten. Aber dazu hätte man vielleicht ein paar Vorkehrungen treffen müssen, wie deutlich mehr Fahrzeuge und Personal. Beides lässt sich aber nicht innerhalb von Monaten oder gar Wochen realisieren, von einer sinnvollen Digitalisierung mal ganz abgesehen. Denn während man – zumindest in den ersten Tagen – hier in den Überlandbussen vom Andrang durch das Ticket noch nicht viel mitbekommen hat…

…dürften in den Städten zur Rushhour Busse und U-Bahnen mitunter so überfüllt sein, dass so mancher nach zwei Versuchen wieder zurück ins eigene Auto flüchtet. Klar, die Inhaber von Abokarten werden für drei Monate finanziell entlastet, schön, aber ich glaube kaum, dass die Aktion dauerhaft mehr Menschen in den ÖPNV bringt. Und ich bezweifle, dass nach diesen drei Monaten noch Geld übrig – und der Wille vorhanden – ist, um den ÖPNV sinnvoll auszubauen oder gar dauerhaft preiswerter zu machen.

(Wenn aber doch, dann könnte man vielleicht auch gleich noch ein paar Schulungen anbieten und Neulingen zum Beispiel erklären, dass es wenig sinnvoll ist, als Großfamilie direkt hinter der ersten Türe stehen zu bleiben, während der hintere Teil des Busses leer ist. Oder dass man kein Anrecht auf Fahrradmitnahme in einem völlig überfüllten Bus hat. Oder dass sich eine Bustüre nicht öffnet, wenn man von innen zaghaft dagegen klopft. 🙄)

Aber zurück zum 9€-Ticket. Ob ein solches als subventionierter Reisegutschein zur Ferienzeit sinnvoll ist, sei mal dahingestellt – siehe vergangenes Wochenende: Komplett überfüllte Züge, Verspätungen ohne Ende, und häufig das totale Chaos. Mensch, wer hätte denn auch damit rechnen können? Nun, eigentlich alle, die selbst mit Bus und Bahn unterwegs sind – also offensichtlich keiner der Entscheidungsträger, die diesen Unsinn verzapft haben. Ganz so extrem wie über die Pfingsttage wird es im restlichen Sommer vielleicht nicht sein, aber chaotischer als die in der Ferienzeit sowieso schon angespannte Lage sicherlich.

Fernreisen mit dem Zug sind aus ökologischer Sicht sicher sinnvoller als mit dem Auto oder gar dem Flugzeug. Allerdings wurde die Bahn über Jahrzehnte kaputtgespart – pünktliche Züge werden immer seltener, komplette Ausfälle häufiger, und wehe, es kommt plötzlich “Wetter”, dann ist sowieso alles zu spät.

Dass sich der Investitionsstau in absehbarer Zeit abarbeiten lässt und irgendwann das Bahnfahren doch mal wieder attraktiv wird, wage ich zu bezweifeln. In ein paar Wochen würde ich gerne noch mal Freunde und Familie im Westen und Südwesten Deutschlands besuchen. Derzeit plane ich, mir dazu einen Leihwagen zu nehmen – das wäre zwar teuer und ob meiner mäßigen Fahrpraxis auch anstrengend, aber ich habe einfach keinen Bock auf dieses Chaos!

Generell fremdle ich derzeit mit dem ÖPV. Menschen um mich herum ertrage ich gerade nur mäßig, je mehr und je enger, desto anstrengender ist es. Das war mitunter schon vor Corona so, und es wurde in der Zwischenzeit nicht besser. Nach der zweijährigen Corona-Hochphase sind die Busse mittlerweile wieder deutlich voller – nein, ein derart leerer Bus wie auf dem Foto oben ist eine Ausnahme – und das Volk rückt mir einfach zu eng auf die Pelle. Von der Einhaltung der – derzeit noch geltenden – Maskenpflicht mal ganz zu schweigen. Nein, Jeremy-Pascal, es ist nicht dein Kinn, das verdeckt werden muss. 🙄

Wäre meine berufliche Situation noch so wie vor drei, vier Jahren, spielte ich jetzt ernsthaft mit dem Gedanken, mir ein Auto zu kaufen. Natürlich ein elektrisches. Und sollte ich in absehbarer Zeit eine neue Einnahmequelle auftun, wird diese Überlegung auch fortgesetzt. Ja, das wäre teuer. Und kontraproduktiv für die Umwelt. Und wahrscheinlich noch nicht mal wirklich sinnvoll. Trotzdem.

Jetzt heißt es aber erst mal, hier die letzten zwei, drei Wochen noch mit dem ÖPNV zu überstehen. Und nein, natürlich konnte man mit der Großbaustelle, die mich zu Umwegen und Umsteigen zwingt, nicht noch einen Monat warten. Egal, je nach Wetter werde ich mit meinem Roller fahren, und ansonsten einfach Kopfhörer auf die Ohren und irgendwie durchhalten.

Und wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages ja doch noch einen gut ausgebauten, flächendeckenden, bezahlbaren ÖPNV, ganz ohne Tarifdschungel… 😂 Und einen gut funktionierenden Fernverkehr, pünktlich, mit ausreichenden Wagen und Personal, bezahlbar und zuverlässig… 😂😂 Oder autonom fahrende Kleinstwagen, mit KI versehen, die einen, per App geordert, abholen, zur Arbeit bringen und dann direkt die nächste Tour übernehmen… 😂😂😂

Okay, verkehrstechnisch gesehen sind wir einfach am Arsch!

Ja, Spontanposting. Ja, mit ausreichend Desillusion und Zynismus gewürzt. Ja, es wird höchste Zeit für Urlaub.

Kein Raum für Melancholie

In einem Monat ist der Laden Geschichte. Eigentlich könnte man ein wenig Melancholie oder gar Wehmut vermuten, aber dafür ist gerade einfach kein Raum. Es gibt noch dermaßen viel zu tun, zu beachten, zu organisieren – der Kopf fährt auf Hochtouren, mitunter am Anschlag. Und vielleicht ist das auch ganz gut so.

Ich versuche, die letzten Begegnungen mit den Kunden zu genießen – jedenfalls mit den angenehmen. Hin und wieder steckt bei Verabschiedungen auch mal ein kleiner Kloß im Hals, aber noch ist das selten, und eigentlich hat der Kopf, wie erwähnt, ja auch seine eigene Kirmes.

Die Melancholie wird kommen, da mache ich mir gar keine Gedanken. Wäre ja nach all der Zeit auch merkwürdig, wenn nicht. Und wahrscheinlich denke ich mir dann ‘ach, hätteste die letzten Wochen doch mal etwas mehr genossen‘. Geht aber nun mal nicht, und nach dem langsamen Ausschleichen der letzten Wochen und Monate bin ich jetzt eigentlich nur froh, wenn alles durch ist.

Noch ein Monat, dann ist Schluss. Und dann räume ich der Melancholie allen Platz ein, den sie braucht. Versprochen.