StefBlog

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Zumindest ein bisschen…

“Och nö…” denkt sich der Stef, wenn die Welt – vor allem die Medien und der Handel – wieder die besinnliche Vorweihnachtszeit inklusive Rabattschlacht ausrufen.

“Och nö…” denkt sich der Stef, wenn sich das Volk, eng aneinander gekuschelt zu den Klängen von Last Christmas auf den Weihnachtsmärkten überteuerte, minderwertige, aufgewärmte Tetrapack-Plörre reinballert.

“Och nö…” denkt sich der Stef, wenn die Weihnachtsdeko so dermaßen kitschig ist, dass selbst Weihnachtselfen ihren zimtenen Regenbogen im Strahl kotzen.

“Och jo, ist ja doch ganz schön…” denkt sich der Stef, nachdem er sein Wohnzimmer – sehr dezent – geschmückt hat. Zumindest ein kleines bisschen vorweihnachtliche Stimmung darf es auch hier ruhig geben – gerade jetzt, wo draußen die Welt wieder im Chaos zu versinken scheint.

Also, in diesem Sinne… Besinnliche Dings und so!

Bevor wieder alles dicht ist

Bevor wieder alles dichtgemacht wird kommt die liebste Freundin noch mal auf einen Besuch vorbei. Geimpft, getestet, trotzdem werden die aushäusigen Aktivitäten schwer begrenzt, stattdessen heißt es lecker Futtern, viel knuddeln und gaaanz viel entspannen.

Bis zum nächsten Wiedersehen dauert es wohl noch eine ganze Weile, denn auch im nächsten Jahr wird es, Corona – genauer gesagt den unfähigen Regierenden und ein paar Egoisten – sei Dank eher nichts mit dem obligatorischen Geburtstagsbesuch. Aber vielleicht ist das Zeitfenster zwischen der vierten und fünften Welle ja groß genug…

Wie üblich ist das Wochenende viel zu schnell vorbei, aber zum Glück hält das wohlige Gefühl eines solchen Besuchs ja doch länger vor – und hilft beim Kampf gegen den Blues, der einen gerne mal überfällt, wenn die liebe Besucherin wieder weg ist. Zumindest ein bisschen.

Dann eben mit Zwang?

Nein, ich bin wahrlich kein Freund von Zwangsmaßnahmen – egal welcher Art. Zwang ist immer doof, Argumente und Einsicht sind immer sinnvoller. Schon gar, wenn mir “der Staat”, sprich unser Politgesumse, etwas aufzwingen will. Die Freiheit des Einzelnen ist ein extrem wichtiges Gut, gar keine Frage. Allerdings endet die Freiheit des Einzelnen dann, wenn er/sie damit die Gesundheit oder gar das Leben anderer gefährdet. Ja, natürlich geht es um die Corona-Impfung, und ja, ich habe von dem Thema auch die Nase voll. Muss trotzdem jetzt raus – auskotzen, Dampf ablassen, meinetwegen psychische Reinigung, wie auch immer!

Fakten sind:

  • Wir haben eine Pandemie, in der gerade die nächste Infektionswelle tobt, mit Zahlen, die die bisherigen weit übertreffen, und wir sind noch lange nicht auf dem Scheitelpunkt angelangt.
  • Die Intensivstationen füllen sich, teilweise sind sie bereits überfüllt, das Personal, von der Politik jämmerlich im Stich gelassen, ist alle, fertig, kaputt.
  • Wir leben seit fast zwei Jahren im Ausnahmezustand – jeder einzelne muss sich, mehr oder weniger, einschränken, viele Selbständige sind in wirtschaftliche Not geraten, und auch, wenn derzeit alle einen weiteren Lockdown ausschließen ist das Ding schlicht noch nicht durch. Die Alten in den Heimen werden auch in diesem Winter kaum noch Besuch bekommen dürfen, die Kinder und Jugendlichen werden nach dieser Welle zwei Jahre Normalität in ihrer Entwicklung verloren haben – und wahrscheinlich auch das letzte Vertrauen in die Politiker.
  • Wir haben das Glück, über einen Impfstoff zu verfügen, etwas, wovon wir vor einem Jahr nur geträumt haben, und von dem der überwiegende Teil der Menschheit immer noch träumt, weil wir reichen und verwöhnten First World-Egomanen es nicht geschissen bekommen, sie der gesamten Menschheit zukommen zu lassen. Dieser Impfstoff rottet die Pandemie nicht aus, aber er ermöglicht uns, zumindest halbwegs durch diese Zeit zu kommen, und vor allem möglichst viele schwere Krankheitsverläufe oder Todesfälle zu vermeiden.

Ja, unsere Politmischpoke ist entweder unfähig oder unwillig zu lernen und Konsequenzen zu ziehen: Der Gesundheitsminister setzt mit seinem unseligen Gefasel vom Ende der epidemischen Notlage ein verheerendes Zeichen, die FDP beschwört unter völliger Ignoranz der Realität ihr Mantra von der Freiheit, die Noch-Kanzlerin und der Vielleicht-Bald-Kanzler sind untergetaucht. Wenigstens haben sie den missglückten Versuch mit dem Ende der kostenfreien Tests für alle korrigiert – übrigens eine Maßnahme, deren Nichtwirkung auch ich völlig falsch eingeschätzt hatte. Ja, und? Die Unfähigkeit unserer Regierenden darf keine Entschuldigung sein, sich nicht impfen zu lassen. Du lässt dich nicht für die Regierung impfen, du Horst!

Ja, es gibt Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Und es gibt Menschen, die es (noch) nicht dürfen. Und allein bei diesen Menschen toleriere ich noch, dass sie sich nicht impfen lassen! Nicht mehr bei denjenigen, die Angst vor eventuellen Spätfolgen haben – es gibt ausreichend Aufklärung zu dem Thema, muss man halt mal lesen oder vernünftig erklärt bekommen. Nicht mehr bei denjenigen, die bislang “keine Zeit oder Gelegenheit” hatten oder “noch abwarten wollen”. Worauf bitte willst du denn noch warten? Und schon gar nicht bei denjenigen, die bockig auf ihre Freiheit der Entscheidung pochen. Dass du dich selbst durch diese Impfung schützt ist ein sehr schöner Nebenaspekt, aber hier geht es ausnahmsweise mal nicht nur um dich, Emil-Friedbert! Von den ganzen durchgeknallten Verschwörungsdeppen oder gar den Idioten, die von Impfdiktatur und Impfholocaust reden, schweigen wir, nicht, dass ich mich am Ende gar noch in Rage schreibe…

Also wirklich eine Impfflicht? Dass man bei Menschen, die beruflich mit besonders Gefährdeten arbeiten – Pflege, Medizin, Erziehung – überhaupt über eine solche nachdenken muss übersteigt meinen Verstand. Jeder, der bewusst die Gesundheit der ihm anvertrauten Menschen aufs Spiel setzt, ist in diesem Beruf falsch! Ja, dann wird der sowieso schon extreme Notstand in diesen Bereichen noch größer, aber vielleicht bekommen es die Verantwortlichen ja dann endlich mal geschissen, für bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung zu sorgen – schlimm genug, dass sich da bislang immer noch nichts getan hat.

Und all die anderen? Jetzt mal Tacheles: Wir reden hier von einer Minderheit von Ignoranten und/oder Egoisten, die mit ihrem Verhalten die gesamte übrige Gesellschaft in Geiselhaft nimmt! Und nein, hier geht es nicht um eine Diktatur der Mehrheit, nicht um gesellschaftlich gewünschte Normen und Anpassung, hier geht es um Gesundheit, Leben und Tod. Nein, ich bin kein Freund von Zwangsmaßnahmen, und ja, ich bin mir der Gefahr solcher Entscheidungen durchaus bewusst. Und trotzdem könnte ich mit einer Impfverpflichtung für alle sehr gut leben, ich würde sie mittlerweile sogar befürworten!

Sie wird natürlich trotzdem nicht kommen – dazu hätte unsere Regierung nicht den Mut, mal abgesehen davon, dass eine solche Pflicht auch rechtlich hundertprozentig abgesichert sein müsste. Ein häufig gehörtes Gegenargument ist übrigens die befürchtete Spaltung der Gesellschaft. Nun, zum einen ist die Stimmung bereits jetzt explosiv, zum anderen spalten sich die meisten der überzeugten Nichtimpfer sowieso bereits von der Gesellschaft ab. (Was man von der Umfrage halten soll, nach der gut die Hälfte dieser Überzeugungstäter die Nazis und ein weiterer großer Teil die Verschwörungshonks wählen würde, weiß ich nicht, wirklich verwundern täte es mich aber nicht.)

So, das musste mal raus, ob ich diesen Beitrag überhaupt veröffentliche weiß ich noch nicht, wird man dann ja sehen. 😉 Etwas sachlicher zum Thema hat sich übrigens die von mir sehr geschätzte Mai Thi Nguyen in ihrem aktuellen Video geäußert, auch wenn man ihr die Verzweiflung mittlerweile anmerkt:

Ach ja, auch wenn Kommentare hier im Blog eher selten sind: Auch bei diesem Beitrag bleibt die Kommentarfunktion die üblichen 30 Tage geöffnet. Solltest du allerdings zu den Verschwörungshonks gehören dann verschwinde von meinem Planeten wird der Kommentar umgehend gelöscht. Ich habe mir den halben Sonntag mit diesem Text um die Ohren gehauen, das langt – für Diskussionen mit Schachbretttauben fehlen mir Muße, Zeit, Energie und Lust.

70s? Ja! Aber…

Oder: Nostalgiewelle Teil 2.

Ich schaue mir liebend gerne Spielfilme und Serien an, die in den 70ern und (sehr) frühen 80ern spielen. Gerne auch die heutzutage gedrehten – ich staune immer wieder, wie gut es die Requisitenteams schaffen, ein verblüffend realistisches Set aufzubauen – aber lieber noch die aus der Originalzeit. Auch Dokus aus und über diese Zeit mag ich gerne. Allein schon die Klamotten, die Frisuren, die in Sepia getränkte, von Abgasen verpestete Luft, und natürlich die wunderschönen Autos. Kann ich nix dafür, isso. 😉

Zum einen mag dies daran liegen, dass ich in der Zeit aufgewachsen bin. Zum anderen bedeuten vor allem die 70er für mich aber auch einen bestimmten Zeitgeist. Die Nachwirkungen der 68er, der Kampf um politische und gesellschaftliche Veränderung, der noch deutlich mehr Menschen umtrieb, obwohl – oder gerade weil? – diese Zeit politisch deutlich diffiziler war. Kalter Krieg, Aufrüstung, RAF, undsoweiter.

Auch der Umgang der Menschen untereinander war – zumindest in meiner Erinnerung – noch ein wenig anders, entspannter, friedlicher, solidarischer. Vielleicht, weil der große Drang nach der persönlichen Selbstverwirklichung noch nicht so verbreitet war, vielleicht, weil man ob der fehlenden Möglichkeiten nicht so in die vermeintliche Anonymität flüchten konnte. Ja, mit der Political Correctness war es noch nicht weit her, allerdings auch nicht mit der heutzutage schon in Hysterie umschlagenden Aufgeregtheit darüber. Und klar, es gab auch damals schon durchgeknallte Spinner, aber diese waren untereinander noch nicht vernetzt, und wenn doch, begnügten sie sich meist damit, ihren Unmut und ihre Forderungen auf schlecht abgezogenen Flugblättern zu verteilen, und zumindest den meisten von ihnen war auch klar, welche Relevanz sie hatten: Keine.

Na gut, mal ganz abgesehen davon, dass die 70er doch schon das ein oder andere Jährchen zurückliegen: Ich habe diese Zeit als Kind erlebt, dazu in einer eher bürgerlichen Siedlung am Rande einer Kleinstadt. Das alles mag unter Umständen die Erinnerungen ein klein wenig *hüstel* trüben und subjektivieren. 😉

Und bei aller Liebe für diese Zeit – leben möchte ich da definitiv nicht mehr! Gesellschaftlich ist heute vieles entspannter, gerade wenn man eher nicht so der Mainstream-Mensch ist. Vieles, was heute erlaubt und normal ist, geschah damals im Verborgenen, heimlich, und trotzdem fand man Wege, Lücken, kleine Biotope, in denen alles möglich war. Vieles musste man sich damals noch erkämpfen – einerseits eine schöne Schule fürs Leben, andererseits – will man das wirklich wieder so haben? Ganz abgesehen davon, dass der technische Fortschritt der letzten 30, 40 Jahre ja doch deutliche Erleichterungen in wirklich allen Lebensbereichen gebracht hat. Na, und bei genauer Betrachtung möchte man heute auch weder Schlaghosen noch breitkragige Polyesterhemden oder gar Cordsakkos mehr tragen, bei aller Liebe für die alten Schnauferl würde ich moderne Elektroautos jederzeit vorziehen, und über die damalige Luftqualität muss man nun wirklich nicht reden. Nur die Frisuren, die dürften gerne noch mal ein Revival erleben. 😉

Würde ich gerne eine kleine Zeitreise dorthin machen? Ja, sofort! Einfach ein paar Tage nochmal diesen Zeitgeist spüren – und dann ganz schnell wieder zurück. Da bislang aber immer noch keine Zeitmaschine erfunden wurde “tröste” ich mich eben mit Filmen, Serien und Dokus. Ist wahrscheinlich auch deutlich weniger desillusionierend. 😉

Nostalgie-Welle

Zur Zeit scheint eine kleine Nostalgie-Welle über das Land zu schwappen, zumindest kulturell. Wahrscheinlich zufällig, aber vielleicht auch gerade passend in einer Zeit, in der ein Virus das Volk mürbe gemacht hat.

Nach zehn Jahren Pause läuft wieder eine Ausgabe von “Wetten dass..?”. Also die “klassische Version”, sprich mit dem herbstblonden Sonnenschein Gottschalk, nicht mit dem Totengräber Lanz. Ach, was werden da Erinnerungen geweckt: Samstag Abend, frisch gebadet im Frottee-Schlafanzug mit der ganzen Familie vor dem Fernseher sitzen, den großen Stars lauschen und bei sensationellen Wetten mitfiebern… Na gut, die Erinnerungen trüben. Zu Beginn noch die ganz große Samstag-Abend-Show, flachte sie doch mit den Jahren zusehends ab: Die internationalen Stars mussten nach der Promotion für ihren neuen Film zum Flieger, die Wetten wurden immer ähnlicher, der Stil wechselte von miefig-altbacken zu piefig-peinlich – und spätestens als die nervende Schweizerin dem alternden Moderator als Aufpasserin an die Seite gestellt wurde, konnte man sich die Sendung eigentlich schon nicht mehr anschauen. Abgesehen davon war bei uns der Samstag kein klassischer Badetag, und ob ich in dem Alter noch einen Frottee-Schlafanzug trug weiß ich auch nicht mehr. 😉 Die gestrige Ausgabe war dann auch noch mal ganz nett, wenn auch mit ziemlichen Längen, aber nun sollte man das Format auch ruhen lassen.

Nach 15 Jahren Pause gehen Genesis wieder auf Tour. Ein neues Album ist seit Ewigkeiten nicht erschienen, und eigentlich galt die 2006er-Tour als das große Bühnen-Finale einer Band, die bereits in den 60ern ihr Debut gab. Warum die Herren sich den Konzert-Stress noch mal antun weiß ich nicht – Geldsorgen dürfte keiner von ihnen haben, vielleicht wollen sie es sich selbst ja einfach noch mal beweisen. Ob sie ihren Fans damit einen Gefallen tun wage ich zu bezweifeln: Lebten die Konzerte – neben der genialen Lichtshow – doch von Frontmann Phil Collins, der wahlweise agil und scherzend über die Bühne tobte oder sich an den Drumkits verausgabte. Und nun sitzt da beim Konzert ein leicht tatteriger Greis mit Krückstock auf einem Stuhl und gibt ein trauriges bis erschreckendes Bild ab:

Nein, ein neues Konzert werde ich mir weder live noch als Konserve anschauen. Ich hatte das Glück, Mitte der 90er die Band zu ihrer absoluten Hochphase live sehen zu können, und wenn ich noch mal in Erinnerungen schwelgen will schaue ich mir halt die 2006er-Tour auf DVD an.

Nach 40 Jahren Pause bringen ABBA wieder ein Album raus. Man kann ihre Musik mögen oder nicht, sie gehörten aber damals völlig zu recht zu den ganz Großen, und kaum jemand hat Marketing so gut verstanden wie die vier Schweden. Auch das neue Album dient eigentlich nur als Promotion für die Show, die im nächsten Jahr in London starten soll – allerdings werden die in Ehren ergrauten Herrschaften nicht selbst über die Bühne springen, sondern dies von Avataren erledigen lassen. Ist deutlich würdevoller, wenn auch ein bisschen spooky, und nein, auch diese Show reizt mich absolut nicht. Das neue Album schon eher, die beiden vorab veröffentlichten Lieder gefallen mir ausgesprochen gut, und wenn es die CD mal für nen weniger unverschämten Preis gibt werde ich sie mir auch kaufen. ABBA bleiben für mich “The Album” oder “The Visitors”, meinetwegen auch “Super Trouper”, das neue Album ist halt einfach noch mal gefällige Musik. Punkt.

Ja, ich schwelge hin und wieder gerne mal in Nostalgie – warum auch nicht, solange man nicht vollkommen darin ertrinkt ist das doch in Ordnung. Manchmal können solche Revivals dabei helfen, häufig sind sie aber dann doch nur ein Abklatsch, der letztendlich einen leicht faden Nachgeschmack hinterlässt. Dennoch: Ab und zu mal einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit, mal ein wenig aus dem hektischen Hier und Jetzt abtauchen, das muss einfach sein. Gerade in einer Zeit, in dem einen das Virus doch ziemlich mürbe gemacht hat…

Mit Karacho in die letzte (?) Welle

Wenn über den Winter nicht doch noch eine weitere Mutante entsteht, dürfte im Frühjahr zumindest hierzulande das Thema Corona halbwegs durch sein. Allerdings stehen zuvor noch Herbst und Winter an – und die nächste Infektionswelle vor der Türe. Bereits jetzt sind die Inzidenzzahlen höher als letztes Jahr zu dieser Zeit, die Krankenhäuser füllen sich – und der Gesundheitsminister will kurz vor seinem politischen Ableben das Ende der epidemischen Notlage erklären! Klar, die Länder haben weiterhin die Möglichkeit, Maßnahmen wie Maskenpflicht oder diverse Gs umzusetzen, aber nicht nur wegen des zu erwartenden Flickenteppichs an Regeln bezweifle ich stark, dass dies in der jetzigen Situation das richtige Zeichen ist.

Das Volk ist des Virus’ und der Einschränkungen müde: In den – mittlerweile wieder gut gefüllten – Bussen mehren sich zusehends die Nasenpimmel, in den Supermärkten sieht man auch immer häufiger Menschen komplett ohne Masken, und bei entsprechenden Hinweisen wird nur noch genervt abgewunken. Klar, nach anderthalb Jahren Daueralarm hat man die Nauze voll, aber verdammich nochmal, kann man sich nicht die – vermeintlich – letzten Monate noch mal am Riemen reißen?

Die letzten Wochen empfand ich Dank der Impfung als relativ entspannt – nach drei Monaten soll der Impfschutz aber so langsam nachlassen, also gerade rechtzeitig zur kommenden Welle. Hurra! Apropos… hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass mir die Impfverweigerer so richtig auf den Sack gehen? Spätestens wenn sie zur Kategorie “ungeimpft und stolz darauf” zählen machen sie mich aggressiv, vollkommen unverständlich wird es für mich dann, wenn diese Deppen im medizinischen oder im Pflegebereich arbeiten. Was bitte stimmt mit denen nicht?

Ich merke, wie mich dieses vermaledeite Virus immer mürber macht. Ich bin genervt, gereizt – und sehr froh, dass ich derzeit sehr häufig nur im “Homeoffice” sitze und dort – natürlich bis auf liebe Ausnahmen – keinem Menschen begegnen muss. Wahrscheinlich werde ich mich in diesem Winter noch mehr einigeln als sowieso schon, und vielleicht sollte ich erst wieder aus der Hütte krabbeln, wenn dieser ganze Scheiß vorbei ist.

Musik aus der Vergangenheit

Ich gehöre zu den alten Menschen, die ihre Musik nicht streamen, sondern noch altmodisch als Schallplatte MusikCassette CD MP3 hören. Auch das klassische Radio – gibt es das eigentlich noch? – höre ich schon seit Jahren nicht mehr. Das birgt natürlich den Nachteil, dass ich nicht all zu viel an neuer Musik mitbekomme – höchstens bei den unvermeidlichen Einsprengseln während einer Talk- oder sonstigen TV-Show, als Zufallsfund während einer Youtube-Session oder durch Tipps von Freunden. Und im Großen und Ganzen habe ich auch nicht das Gefühl, all zu viel zu verpassen.

Ich habe eine recht umfangreiche Sammlung an Musik auf der Festplatte, so 10.000 Titel dürften es in meiner “Musikbiene” sein, dazu noch etliche im Archiv – also Songs, die man halt so hat, aber wahrscheinlich nie (mehr) hört. Jäger und Sammler und so. 😉

Die Musik-Sammlung, wohl sortiert

Generell höre ich weitaus weniger Musik als früher. Damals lief die Lala nonstop, es ging bereits zum Frühstück los, im Hintergrund beim Lesen, wenn möglich sogar bei der Arbeit, natürlich auch im Auto, und zum Einschlafen sowieso. Das hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert: Zum Frühstück gibt es, wenn ich es denn zuhause einnehme, lieber ein neues Review auf Youtube, wenn ich arbeite oder lese stört die Musik bei der mittlerweile nötigen Konzentration, und ein Auto habe ich ja schon lange nicht mehr. Lediglich zum Einschlafen läuft Musik – so leise, dass ich mich auf sie konzentrieren muss und so das fröhliche Kopfkino unterbrechen kann. Und eben unterwegs auf dem Arbeitsweg – dann auch noch recht altmodisch mit Walkman MP3-Porti, gutem Kopfhörer – und natürlich in adäquater Lautstärke.

Musik für unterwegs

Nun höre ich jetzt nicht nur olle Kamellen – einige “Helden meiner Jugend” bringen auch heute noch neue Alben raus (sind ja schließlich noch nicht alle gestorben), und natürlich gibt’s auch immer mal was völlig Neues. Aber sehr häufig laufen bei mir eben doch die alten Sachen, gerne aus den 80ern, also der späten Kindheit und der Jugend. Natürlich weckt diese Musik Erinnerungen an eben jene Zeit – mitunter recht allgemeine, meist sieht man aber bestimmte Situationen vor sich, in denen man eben jenes Lied – vermeintlich – gehört hat. Und da man sich natürlich nicht irgendwelche Lieder anhört, die mit schlechten Erinnerungen verknüpft sind – und man in meinem Alter diese Zeit sowieso bereits durch den Sepia-Filter betrachtet – breitet sich dann gerne mal ein wohliges Gefühl bei diesen musikalischen Zeitreisen aus.

Auch die MP3-App ist ein klein bisschen retro

Ob man nun während der Jugendzeit besonders “musikalisch geprägt” wird, ob das bei mir speziell so ist oder ich mittlerweile einfach in einem Alter angekommen bin, in dem man sich gerne in Erinnerungen wälzt, weiß ich nicht. Ist mir aber auch ziemlich egal. Ich werde mich als rüstiger Rentner in einen bequemen Sessel fläzen, Kopfhörer auf die Ohren, und dann mal stundenlang in die Musik abtauchen. Dann höre ich die ganzen ollen Kamellen durch, und wahrscheinlich entdecke ich dabei so viele ungehörte – oder vergessene – Schätze, dass ich bis zu meinem Lebensende so sitzen bleiben kann. Ich freue mich schon drauf. 🙂

Besuch bei Pingis

Ich bin, wie wohl die meisten Menschen, schwer verliebt – in Pinguine. Die sind einfach putzig, gut gekleidet, leicht tollpatschig… eben einfach zum Verlieben.

Dass ich das letzte mal Pingis live gesehen habe ist allerdings schon viele, viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte her.

Nun haben wir hier in Rostock einen Zoo, und wie jeder Zoo, der etwas auf sich hält, beherbergt er natürlich auch Pingis:

Und das sogar in einem 850m² großen, recht schönen Gehege – wie wir gestern feststellen durften.

Es handelt sich um Humboldtpinguine. Die zur Gattung der Brillenpingis gehörenden Gesellen leben normalerweise an der Pazifikküste Südamerikas, die 25 Pingis in Rostock stammen allerdings aus den Zoos in Berlin, Wien und Aalborg.

Humboldtpinguine werden etwa 50-70 Zentimeter groß und durchschnittlich vier Kilogramm schwer, erkennbar sind sie an ihrem schwarzen Brustband und der schwarze Maske sowie an den schwarzen Flecken auf ihrem Bauch, die bei jedem Pingu unterschiedlich sind.

Und wenn ich gerade schon so mit Fakten um mich werfe: Die korrekte Bezeichnung für Pinguine ist natürlich Pingu (Einzahl) und Pingis (Mehrzahl). Alles andere ist unseriöser Quatsch. 😉

So tollpatschig sie an Land sind, so schneller, sicherer und geschmeidiger bewegen sie sich übrigens unter Wasser:

Ja, wie sich unschwer erahnen lässt waren wir gestern im Rostocker Zoo. Ich habe zwar generell ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Zoos, aber zum einen finde ich den in Rostock recht gut gelungen, zum anderen – he, die haben dort Pinguine!

Einen Beitrag zum gestrigen Zoobesuch wird es natürlich demnächst im Schnutenblog geben, ich warte aber noch auf ein paar weitere Fotos gibt es bei den Schnuten. Auf diesen werden dann auch andere Tiere zu sehen sein, denen wir einen Besuch abgestattet haben, aber eigentlich hätten wir den gesamten Tag auch am Pingu-Becken verbringen können.

Ja, Fotos und Videos von Pingis sind immer witzig, kann ich mir auch stundenlang ansehen. Live sind sie aber einfach noch mal viel witziger, putziger und eindrucksvoller. Da stört noch nicht mal der dezente Fischgeruch. 😉

Na, und dass ich meinem Pingu einen kleinen Spielkameraden mitgebracht habe versteht sich natürlich von selbst:

Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich Pingis liebe? 😉

Sämtliche Fotos (bis auf das letzte) und das Video in diesem Beitrag habe ich im Rostocker Zoo aufgenommen, Infos zu den Humboldtpingis stammen von der dortigen Webseite

Purzelt weiter

Vor einem halben Jahr ging mir mein mittlerweile angefuttertes Gewicht so sehr auf den Zeiger, dass tatsächlich der nötige Leidensdruck erreicht war, um etwas zu ändern. Ein paar Pfunde sollten purzeln, allerdings ohne das Zählen von Kalorien, ausgeklügelte Diäten oder gar sportliche Aktivität – einfach mal (deutlich) weniger futtern, den Süßkram weglassen, und dann mal schauen, ob es was bringt. Natürlich gab es einen heimlichen Wunsch, und zwar zehn Kilo runter zu bekommen, wobei man für den Anfang ja schon über fünf Kilo ganz froh wäre – kleine Ziele setzen und so, ne?

Vor gut einem Monat habe ich die Wunschmarke dann tatsächlich erreicht! Das zu schaffen, dazu so schnell und noch recht mühelos, hat mich doch ein wenig überrascht – und natürlich sehr erfreut. In die Hosen passt der alte Mann nun wieder rein ohne die Pocke einziehen zu müssen, die Dienstshirts sitzen weitaus weniger spack, und inzwischen kann ich auch wieder in einen Spiegel schauen ohne in Trübsal zu verfallen. 😉

Ich freue mich riesig – ganz zufrieden bin ich aber noch nicht. Das nächste Ziel lautet, noch weitere fünf Kilo zu verlieren, gerne bis zum Jahresende, dann wäre ich tatsächlich wieder unter der bösen 70Kg-Marke. Und da Benedikt inzwischen seine neue Küche hat – und die vierwöchige “Quasi-Junkfood-Zeit” damit beendet ist – stehen die Chancen sogar ganz gut.

Das erste große Ziel erreicht, der ganz große Leidensdruck weg, dennoch ist die Motivation, weiterzumachen, hoch – logisch, wenn schon erste ansehnliche Erfolge sichtbar sind purzelt es sich einfach leichter. Und wenn es jetzt mal ne Woche länger dauert, bis das nächste Kilo weg ist, ist das auch okay. Abgerechnet wird dann in einem weiteren halben Jahr – oder wenn meine alte Rekordmarke von vor gut zehn Jahren tatsächlich noch fallen sollte, je nach dem, was vorher eintrifft.

Und nein, Sorgen, dass ich untergewichtig oder gar magersüchtig werde, muss man sich nicht machen – dazu esse ich nach wie vor einfach viel zu gerne. 😉

Solidariwas?

Ein großes Thema ist derzeit der stagnierende Impffortschritt. Wir haben hier – im Gegensatz zu den meisten Menschen abseits der Industriestaaten – das große Glück, dass wir uns impfen lassen können. Gut, nicht alle können das – für Schwangere, für Kinder, für manche Kranke gibt es (noch) keine Empfehlung, und diese Menschen benötigen unsere Solidarität: Du kannst dich nicht schützen, also schütze ich dich. Allerdings gibt es auch genug Menschen, die sich – und andere – nicht schützen wollen. Nun, wer sich selbst nicht schützen will – bitte, muss jeder für sich klarmachen. Aber spätestens, wenn wegen dieser Leute das Virus nicht in den Griff zu bekommen ist, ständig weiter vor sich hin mutiert und somit für alle die Gefahr der Ansteckung massiv steigt, ist es eben nicht mehr nur deren eigenes Ding.

Zu einer Impfflicht können sich unsere Politnasen nicht durchringen – klar, es stehen ja auch Wahlen an, und rein rechtlich muss das Ganze schon hieb- und stichfest sein. Nun versucht man seit Ewigkeiten, mit anderen Mitteln das träge Restvolk zum Pieks zu bewegen, sowohl mit Zuckerbrot – bzw. Gratis-Bratwurst – als auch mit Peitsche, zum Beispiel 2G. Und ja, mittlerweile halte ich zumindest bei Großveranstaltungen die 2G-Regel, sprich Zugang nur für Genesene und Geimpfte, für sinnvoll, ja sogar für wünschenswert. Dass zumindest die “Bürgertests” nicht sonderlich zuverlässig sind, ist mittlerweile hinreichend bekannt, und warum bitte sollen diejenigen, die sich – mitunter trotz verständlicher Bedenken – impfen lassen, unter den Verweigerern leiden? Meinetwegen könnten wir das ganze auch auf Fernreisen bei der Bahn ausweiten, aber diese Trümmertruppe bekommt ja noch nicht mal eine 3G-Regel hin, was aber auch egal ist, weil sich diese große “Hoffnung der Mobilitätswende” eh gerade selbst abschafft. “Lustig” wird es spätestens ab Herbst, wenn jeder Gastronom, Händler, Veranstalter selbst entscheidet, wem er nun Zugang gewährt. Übrigens ist es egal wie man sich dann entscheidet, mindestens die Hälfte der Menschen fühlt sich ungerecht behandelt. Kennen wir ja schon.

Natürlich sind nicht alle bislang Ungeimpfte Verweigerer. Da gibt es auch noch die Zögerer und Zauderer, wobei mein Verständnis für diese Gruppe stetig sinkt, aber wenigstens zögern und zaudern sie meist leise. Im Gegensatz zu den überzeugten Impfverweigerern, die sich auch gerne mal lautstark beschweren, dass wir in einer Zweiklassengesellschaft leben – nie war es übrigens einfacher, eine Klassenschranke zu überwinden! – oder gar mangelnde Solidarität mit den armen Ungeimpften propagieren. Hier ist mein Verständnis gleich null, und spätestens bei den mehr als peinlichen Vergleichen mit Apartheid oder gar dem Holocaust könnte ich im Strahl kotzen – wie vollkommen geistverwaist kann man eigentlich sein?

Ich befinde mich gerade in dem – ziemlich schwierigen – Lernprozess, diese “Impf-Diskussion” zumindest in den (a)sozialen Netzwerken komplett zu ignorieren. Ich merke, sie tut mir nicht gut; ich werde, je nach Dummheitsgrad der “Argumente”, aggressiv oder depressiv, und das ist es einfach nicht wert. Denn mittlerweile sind die Fronten so verhärtet, dass sachliche Diskussionen kaum noch möglich sind – wie auch, wenn zumindest eine Seite ihr gesamtes “Wissen” auf kruden Verschwörungstheorien und den noch kruderen Aussagen durchgeknallter Selbstdarsteller aufbaut, sämtliche wissenschaftliche Fakten leugnet und jeden Argumentationsversuch reflexartig niederbrüllt. Taube, Schachbrett, und so. Und so blocke ich mittlerweile auch rigoros Menschen, denen ich eigentlich wohlgesonnen bin, aber Sorry, da ist mir meine seelische Gesundheit wichtiger.

Aber eigentlich ist das alles ja auch egal, schließlich sterben wir Geimpfte ja sowieso alle im September. Meint jedenfalls sehr laut eine sehr kleine Minderheit im Internet, und dann wird das ja stimmen… 😉