Das Spiel mit den Illusionen

“Dort wohnen, wo andere Urlaub machen!” Mit diesem Slogan werben viele Urlaubsgebiete, auch an der mecklenburgischen Ostseeküste sah ich schon das ein oder andere Plakat mit dieser Verlockung. Denn eine Verlockung ist es: Urlaub an der Küste – damit assoziiert man Strand, Meer, Sonne (ja, doch, die scheint auch in Meck Pomm, und zwar gar nicht so selten!), ausschlafen, schöne Ausflüge in die reizvolle Landschaft, Erholung, die Seele baumeln lassen, den täglichen Ballast einfach mal vergessen, Kraft tanken. Und solche Slogans sind nicht mal geschönt, denn sie versprechen ja nicht “ewigen Urlaub” sondern lediglich dort zu wohnen, wo andere Urlaub machen. Wo andere Urlaub machen! Denn wenn man dort wohnt befindet man sich eben nicht mehr im Urlaub. Es ist Alltag, und da wird man – egal ob hier oder in Touristengebieten – weder die Seele noch die Beine baumeln lassen, schon gar nicht im Meer. Die Ausflüge in die – nachwievor reizvolle – Landschaft beschränken sich auf die Wochenenden, der tägliche Ballast ist allgegenwärtig, der Erholungsfaktor ist nicht wesentlich größer als an anderen Orten. Und dann sind da ja noch die Touristen, die einem mit ihrer Mischung aus Behäbig- und Gelassenheit die Nerven rauben, die den Lieblingsstrandplatz okkupieren, den man, als man noch selbst als Tourist hier war, für sich entdeckt hat, die für Schlangen an den Supermarktkassen und auf den Landstraßen sorgen. Als man selbst noch Tourist war störte einen all dies nicht, im Gegenteil. Hektik? Nein, demnächst wieder. Man ist schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht. Und das ist ja auch okay so.

Nun wohne ich selbst bald in einer Gegend, in denen die Leute gerne Urlaub machen. In einer Gegend, die ich selbst als Urlauber kennengelernt habe. Und die ich natürlich auch mit vielen Urlaubsbegriffen verbinde. Allerdings habe ich den Vorteil, dass meine Besuche dort oben in letzter Zeit eben nicht nur Urlaub sondern auch mit viel Vorbereitung für den dortigen Alltag gefüllt waren. Ich weiß, dass auch dort oben im Alltag nix mit Seele baumeln lassen ist, nix mit Ausflügen (schon gar nicht, wenn man über kein Auto verfügt), und ich einen ausführlichen Strandspaziergang maximal am freien Sonntag machen kann – wobei man sich das vor allem in der Haupturlaubszeit zwei mal überlegt, ob man wirklich an einem Sonntag am überfüllten Strand… Ich weiß, dass ich dort oben eben nicht Urlaub mache, sondern dass dort der Alltag auf mich wartet. Mit all den Widrigkeiten, die ein Alltag eben so mit sich bringt – egal ob in Berlin, in Pusemuckel oder eben in Rostock.

Warum ziehe ich dann trotzdem dorthin? Erstens weil ich seit Ewigkeiten mal an der Küste wohnen möchte. Der Wunsch mag irrational erscheinen, ist er auch, ist einfach ein Gefühl tief im alten Mann drin. Zweitens weil es dort eine Art “Familienzusammenführung” gibt. Und drittens, weil sich mir dort – wahrscheinlich – eine Möglichkeit bietet, einen Job zu machen, der weitaus mehr ist als nur ein Job. Kurz gefasst: Es bietet sich dort oben eine Perspektive, die sich hier in Berlin wohl nie ergeben hätte.

Und mal ganz nebenbei: Auch nach Feierabend ließe sich, zumindest im Sommer, noch ein kurzer Strandspaziergang anhängen. Wie oft ich den dann in der Realität durchziehe, das ist eine andere Sache. Angeblich ist ein Urlauber in drei Wochen ja auch ungefähr 20 mal häufiger am Strand als der Einheimische in drei Jahren… 😉

(C) der Fotos von oben nach unten: Stef, Stef, Daniela, öhm…

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