Corona nervt!

Corona nervt. In erster Linie natürlich die Leute, die infiziert sind oder Infizierte in ihrem engsten Umfeld haben. Aber auch alle anderen.

  • Diejenigen, die zur Zeit zum Nichtstun verdammt sind, weil sie ihrem Beruf nicht nachgehen oder ihren Betrieb nicht öffnen können – und kein Einkommen haben.
  • Diejenigen, die in Kurzarbeit sind oder nicht wissen, ob und wann sich das wieder ändert.
  • Diejenigen, die sich 24/7 um ihre Kinder kümmern müssen, die auch immer genervter sind, weil sie nicht mehr mit ihren Freunden spielen können, ihnen die Alltagsstruktur fehlt oder weil ihnen ihre genervten Eltern auf den Keks gehen.
  • Diejenigen, denen ihre von der Regierung eingeschränkte Freiheit fehlt – weil sie nicht zum Shoppen nach London fliegen oder keine Partys mehr machen dürfen, doofe Masken tragen müssen oder einfach, weil “jetzt einfach mal genug sein muss, die Alten und Kranken wären doch eh in nem halben Jahr gestorben”.
  • Diejenigen, die Angst haben, dass sämtliche Freiheitsrechte nie wieder kommen, wir alle nur ein Experiment der Regierung sind oder ganz allgemein die Weltherrschaft der Illuminaten fürchten.
  • Diejenigen, denen die Lockerungsüberbietungen der Landesväter und -mütter zu schnell geht, vor allem im Hinblick auf die Dummheit großer Teile der Bevölkerung, die offensichtlich plötzlich sämtliche Ab- und Anstandsregeln ignorieren.

Also eigentlich alle.

Auch ich bin genervt. In erster Linie ist da natürlich die Sorge ums wirtschaftliche Überleben, denn wie vor zwei Wochen geweissagt ist das Volk zwar kräftig unterwegs, aber die wenigsten kaufen auch ein.
Vor allem nerven aber die zunehmenden Schwurbler und Verschwörungstheoretiker, die “Ich setz mir doch keine Maske auf”-Typen, die naiven Gruppenkuschler, die “Anti-Corona-Demonstranten”. Ja, Kampf für Freiheit und Menschenrechte ist wichtig, bin ich normalerweise immer mit dabei. Im Augenblick ist aber nix normal. Und natürlich sind Diskussionen, ob die Maßnahmen richtig und gerechtfertigt sind, legitim. Diskussion heißt aber nicht egoistische Komplettverweigerung und Ausschalten des Resthirns.

Bei dieser generellen Stimmung fällt es schwer in den Chor derjenigen einzustimmen, die in dieser Krise eine Chance sehen – auf mehr Solidarität, mehr Menschlichkeit, mehr Irgendwas. Im Augenblick geht es nur darum, zumindest halbwegs ruhig zu bleiben, auch wenn die Zündschnur verdammt kurz ist, und sich möglichst auf die wenigen positiven Dinge zu fokussieren.

Corona nervt!

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