Missverstehen Sie mich richtig
Missverstehen Sie mich richtig

Missverstehen Sie mich richtig

Alle interessanten TV-Formate sind derzeit in der sogenannten Sommerpause, und vielleicht sucht der ein oder die andere ja noch nach Alternativen zu Serien und Filmen auf Netflix und Prime.

“Missverstehen Sie mich richtig” ist ein Gesprächsformat mit Gregor Gysi, in dem er sich illustre Gäste ins Kabarett-Theater Distel einlädt und interviewt. Klingt erstmal wenig spektakulär, allerdings handelt es sich bei diesem Format eben nicht um die mittlerweile übliche Werbeveranstaltung – Gast erscheint, preist neue CD, neues Buch oder neuen Film an, zwei belanglose Fragen, Abgang, nächster Gast – sondern hier gibt es pro Veranstaltung einen Gast, und für den wird sich Zeit genommen – meist 90 Minuten, gerne auch mal länger.

Für gewöhnlich ist Gysi ja eine ziemliche Rampensau, hier hält er sich aber angenehm zurück und gibt dem Gast genügend Raum, und obwohl er den roten Faden immer in der Hand hält ist auch genug Platz für Spontaneität. So entstehen interessante, kurzweilige Gespräche mit einigen neuen Einblicken.

Unter den Gästen waren bislang zum Beispiel Jan Böhmermann, Oliver Welke, Karl Lauterbach, Ranga Yogeshwar, Bernhard Hoëcker, Katja Riemann, Piet Klocke oder Kurt Krömer.

Natürlich pausiert wegen Corona die Veranstaltungsreihe derzeit, außerdem würde ich auch für einen Abend nicht extra nach Berlin fahren, aber ansonsten wäre diese Reihe tatsächlich etwas, wofür man mich Kulturmuffel ins Theater bekäme! Erfreulicherweise werden seit Kurzem immer mehr der kompletten Gespräche – die natürlich auch schon zwei bis fünf Jahre zurückliegen – auf YouTube online gestellt. Ein wenig Zeit sollte man sich allerdings nehmen, die einzelnen Sendungen können auch gerne mal zwei Stunden oder länger dauern, aber man kann ja in Etappen schauen.

Warum die Sendungen in schwarz-weiß sind weiß ich auch nicht – vielleicht sollen keine Farben vom Gespräch ablenken, vielleicht ist das so künstlerisch wertvoll – aber da es das Vergnügen absolut nicht schmälert ist es ja auch egal. In jedem Fall ein empfehlenswertes Format, das mir in den letzten Tagen schon die ein oder andere unterhaltsame Stunde beschert hat.