Man hat ja (k)eine Wahl
Man hat ja (k)eine Wahl

Man hat ja (k)eine Wahl

Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten

(Undatiertes, Tucholsky zugeschriebenes Zitat, aus diversen politischen Ecken kurz vor jeder Wahl hervorgekramt)

Ein bisschen was mag dran sein, an diesem Zitat – mittlerweile hat die Wirtschaft einen dermaßen großen Einfluss, dass sie im Prinzip das politische Geschehen diktiert. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass man durch Wahlen zumindest ein bisschen was bewirken kann – jedenfalls wenn das Ergebnis nicht wieder eine zum Stillstand verdonnerte große Koalition ist. Wir haben hier – auch wenn es manche in Abrede stellen – eine Demokratie, und auch wenn ich politisch ansonsten nicht sonderlich aktiv bin, nutze ich alle paar Jahre die Möglichkeit, wenigstens ansatzweise Einfluss auf die grobe politische Richtung zu nehmen.

Für meine Selbständigkeit wäre es am besten, wenn Schwarz-Gelb als Sieger aus der anstehenden Bundestagswahl hervorgeht – sie wären wohl die einzigen, die die “Dampfensteuer” vielleicht nicht unbedingt wieder abschaffen, zumindest aber absenken würde. Das wäre aber auch das einzig Gute, was man von dieser “Koalition der greisen Männer” erwarten könnte. Der Preis dafür wäre allerdings immens hoch: Inexistente Klimapolitik, gesellschaftlicher Stillstand, Abschaffung des Sozialstaats – und Fritze Merz! Sorry, no way!

Überzeugt bin ich auch von der links-ökologischen Alternative nicht – zu oft wurde man, gerade im Bund, von den rot-grünen Pappnasen verarscht. Und auch diesmal ist der Vorsteher der ehemaligen Arbeiterpartei so extrem wirtschaftsnah wie sein Vorvor…vorgänger, der seinen Kaviar ja mittlerweile als russischer Regierungssprecher verdient.

Dennoch – irgendwas musste ja wählen, und da Stimmen an die Splitter- und Spaßparteien meiner Meinung nach verlorene Stimmen sind – und das rechte Gelumpe nun wirklich keine Alternative ist – entscheide ich mich eben für das in meinen Augen kleinstmögliche Übel. Was die dann, wenn sie gewinnen, daraus machen, wird man sehen.

Ich jedenfalls habe meine Stimmen abgegeben. Und jetzt lassen wir uns überraschen – zumindest spannend ist der Bums dieses Mal ja – ob wir in drei Wochen erleichtert aufatmen, resigniert den Kopf schütteln oder uns direkt in Auswanderungspläne stürzen…