Solidariwas?
Solidariwas?

Solidariwas?

Ein großes Thema ist derzeit der stagnierende Impffortschritt. Wir haben hier – im Gegensatz zu den meisten Menschen abseits der Industriestaaten – das große Glück, dass wir uns impfen lassen können. Gut, nicht alle können das – für Schwangere, für Kinder, für manche Kranke gibt es (noch) keine Empfehlung, und diese Menschen benötigen unsere Solidarität: Du kannst dich nicht schützen, also schütze ich dich. Allerdings gibt es auch genug Menschen, die sich – und andere – nicht schützen wollen. Nun, wer sich selbst nicht schützen will – bitte, muss jeder für sich klarmachen. Aber spätestens, wenn wegen dieser Leute das Virus nicht in den Griff zu bekommen ist, ständig weiter vor sich hin mutiert und somit für alle die Gefahr der Ansteckung massiv steigt, ist es eben nicht mehr nur deren eigenes Ding.

Zu einer Impfflicht können sich unsere Politnasen nicht durchringen – klar, es stehen ja auch Wahlen an, und rein rechtlich muss das Ganze schon hieb- und stichfest sein. Nun versucht man seit Ewigkeiten, mit anderen Mitteln das träge Restvolk zum Pieks zu bewegen, sowohl mit Zuckerbrot – bzw. Gratis-Bratwurst – als auch mit Peitsche, zum Beispiel 2G. Und ja, mittlerweile halte ich zumindest bei Großveranstaltungen die 2G-Regel, sprich Zugang nur für Genesene und Geimpfte, für sinnvoll, ja sogar für wünschenswert. Dass zumindest die “Bürgertests” nicht sonderlich zuverlässig sind, ist mittlerweile hinreichend bekannt, und warum bitte sollen diejenigen, die sich – mitunter trotz verständlicher Bedenken – impfen lassen, unter den Verweigerern leiden? Meinetwegen könnten wir das ganze auch auf Fernreisen bei der Bahn ausweiten, aber diese Trümmertruppe bekommt ja noch nicht mal eine 3G-Regel hin, was aber auch egal ist, weil sich diese große “Hoffnung der Mobilitätswende” eh gerade selbst abschafft. “Lustig” wird es spätestens ab Herbst, wenn jeder Gastronom, Händler, Veranstalter selbst entscheidet, wem er nun Zugang gewährt. Übrigens ist es egal wie man sich dann entscheidet, mindestens die Hälfte der Menschen fühlt sich ungerecht behandelt. Kennen wir ja schon.

Natürlich sind nicht alle bislang Ungeimpfte Verweigerer. Da gibt es auch noch die Zögerer und Zauderer, wobei mein Verständnis für diese Gruppe stetig sinkt, aber wenigstens zögern und zaudern sie meist leise. Im Gegensatz zu den überzeugten Impfverweigerern, die sich auch gerne mal lautstark beschweren, dass wir in einer Zweiklassengesellschaft leben – nie war es übrigens einfacher, eine Klassenschranke zu überwinden! – oder gar mangelnde Solidarität mit den armen Ungeimpften propagieren. Hier ist mein Verständnis gleich null, und spätestens bei den mehr als peinlichen Vergleichen mit Apartheid oder gar dem Holocaust könnte ich im Strahl kotzen – wie vollkommen geistverwaist kann man eigentlich sein?

Ich befinde mich gerade in dem – ziemlich schwierigen – Lernprozess, diese “Impf-Diskussion” zumindest in den (a)sozialen Netzwerken komplett zu ignorieren. Ich merke, sie tut mir nicht gut; ich werde, je nach Dummheitsgrad der “Argumente”, aggressiv oder depressiv, und das ist es einfach nicht wert. Denn mittlerweile sind die Fronten so verhärtet, dass sachliche Diskussionen kaum noch möglich sind – wie auch, wenn zumindest eine Seite ihr gesamtes “Wissen” auf kruden Verschwörungstheorien und den noch kruderen Aussagen durchgeknallter Selbstdarsteller aufbaut, sämtliche wissenschaftliche Fakten leugnet und jeden Argumentationsversuch reflexartig niederbrüllt. Taube, Schachbrett, und so. Und so blocke ich mittlerweile auch rigoros Menschen, denen ich eigentlich wohlgesonnen bin, aber Sorry, da ist mir meine seelische Gesundheit wichtiger.

Aber eigentlich ist das alles ja auch egal, schließlich sterben wir Geimpfte ja sowieso alle im September. Meint jedenfalls sehr laut eine sehr kleine Minderheit im Internet, und dann wird das ja stimmen… 😉