Gefühlslage: Gedrittelt
Gefühlslage: Gedrittelt

Gefühlslage: Gedrittelt

Lesezeit ca. 2 Minuten

Seit die Entscheidung, den Laden aufzugeben, getroffen und verkündet ist, kam schon das ein oder andere mal die Frage, wie ich mich denn dabei fühle. Nun, ich würde mal sagen: Gedrittelt. 😉

1. Wehmut

Ich gebe mein (bzw. unser) Baby auf! Über sieben Jahre haben wir es gehegt und gepflegt, hart für sein Wachstum gearbeitet, viel Zeit, Kraft und Herzblut investiert. Obwohl von fast allen vorher als Totgeburt prophezeit, wuchs es schnell, entwickelte sich prächtig und wurde über eine lange Zeit zum – durchaus erfüllenden – Lebensinhalt. Wir haben viele schöne Momente erlebt und tolle Menschen kennengelernt. Naja, und eine – erfolgreiche – Selbständigkeit schmeichelt auch ein klein wenig dem Ego.

Die Entscheidung, nach zwei Jahren “long Covid”, dem mittlerweile leeren Akku und der im Sommer kommenden Steuer aufzuhören, ist letztendlich eine rein sachliche – wie es aus kaufmännischer Sicht ja auch sein sollte. Dass trotzdem viel Emotionen und ne üppige Portion Wehmut dabei sind dürfte klar sein.

2. Zukunftssorgen

Existenzsorgen ist das falsche Wort – ich existiere schließlich auch nach dem Ende des Ladens – aber Zukunftssorgen trifft es ganz gut. Irgendwann brauche ich eine neue monetäre Einnahmequelle, denn auf Dauer ist die Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung doch recht nervig.
Nach sieben Jahren Selbständigkeit wäre ein Angestelltenverhältnis erst mal ungewohnt, zumal ich mir gerade nicht genau vorstellen kann, in welchem Bereich das überhaupt klappen könnte: In meine alten Berufe zurück zu kehren ist schwierig – und auch nur mäßig erstrebenswert – und der Quereinstieg ohne jede Erfahrung funktioniert ja auch eher selten.
Neue Selbständigkeit? Wäre irgendwann durchaus vorstellbar, aber nur dann, wenn eine tragfähige, wirklich gute Idee da ist, die mit ebenso viel Herzblut verfolgt würde wie die letzte. Erst mal muss aber der Laden abgewickelt und dann der Akku aufgeladen werden. Und da bislang auch der Lotto-Jackpot ausbleibt werden mich diese Zukunftssorgen wohl noch einige Zeit begleiten.

3. Erleichterung

Seit Benedikts Rückzug habe ich nicht nur die gesamte Arbeit, sondern – wesentlich belastender – auch die gesamte Verantwortung für den Laden. Das zehrt massiv an den Nerven, zumal wir ja quasi seit Mitte 2019 dauerhaft im Ausnahmezustand leben. Natürlich wird die psychische Belastung nicht ab Sommer plötzlich enden, sie wird, siehe Punkt zwei, lediglich eine andere sein. Aber vielleicht gelingt mir ja zumindest ein kurzes Durchatmen. Das wird zwar nicht ausreichen um die Energiespeicher wieder komplett zu füllen, aber bereits mit der Entscheidung, im Sommer Schluss zu machen, fiel schon mal ein großer Teil der Anspannung ab. Und auch das zeigt, dass die Entscheidung richtig war.

Die Gewichtung der einzelnen Drittel variiert übrigens gerade stündlich. Daran wird sich wohl auch so schnell nix ändern, wahrscheinlich wird das Gefühlschaos nur noch intensiver, je näher es auf den Sommer zugeht. Muss man sich also wenigstens keine Sorgen machen, dass dieses Jahr zu entspannt werden könnte… 😉

4 Kommentare

  1. Ulla klees

    och menno Stef… mein großes Mitgefühl ich drück dich mal🫂 mag es gar nicht, wenn du traurig bist. Alles Gute und du weißt ja, herzlich eingeladen

    1. Stef

      Ach, so wie es ist, ist es im großen und ganzen schon okay. 🙂 Und die Einladung nehme ich sehr gerne an, wenn man denn mal irgendwann wieder beruhigt reisen mag. 🙂

  2. Marcus

    Ich habe deine Jahre als Kaufmann ja gespannt verfolgt und ja, ich war ob meiner eigenen nicht immer so erfolgreichen Selbständigkeiten auch das eine oder andere Mal etwas neidisch. Glaube mir, ich kenne deine derzeitige Gefühlslage ziemlich gut und, wie du weist, es ist immer ein Ohr und ein Gartenstuhl frei für dich in Hamburg!

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