Frühe Perlen – spät entdeckt
Frühe Perlen – spät entdeckt

Frühe Perlen – spät entdeckt

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Hin und wieder geschieht es, dass man tolle Musik entdeckt, die man so richtig abfeiert – um dann erst wesentlich später festzustellen, dass die wahren Perlen des Interpreten bzw. der Band die deutlich früheren Werke sind. Der Künstler hat sich weiterentwickelt heißt es dann, im besten Falle sind die aktuellen Sachen “anders”, wenn man aber Pech hat sind sie, verglichen mit den alten Alben, nur schlechter.

Chris de Burgh zum Beispiel drang erstmals 1982 mit The Getaway und Don’t Pay The Ferryman, seinen ersten Charterfolgen, an mein Ohr –  durchaus dem Stef gefallender, netter Pop. Aber seine wirklich guten Alben aus den 70ern hatte ich erst zwei, drei Jahre später entdeckt.
Wesentlich länger dauerte es bei Genesis – erstmals nahm ich sie 1983 mit Mama wahr, jo, ganz interessant, deutlich besser gefielen mir drei Jahre später die Stücke aus dem Album “Invisible Touch” (nach wie vor unvergessen das Video zu “Land Of Confusion”), vor allem aber das 91er Album “We can’t dance”. Die wahren Schätze, nämlich ihre Werke aus den frühen bis mittleren 70ern, hörte ich erstmals auf einem Konzert 1992 – dieses 20minütige Medley hat mich fast mehr begeistert als die übrigen 120 Minuten des Konzerts. Natürlich wuchs kurz drauf meine CD-Sammlung beträchtlich:

Aktuelle Vertreter aus der Rubrik “frühe Perlen – spät entdeckt” sind Barclay James Harvest. Erstmals hörte ich sie zu Beginn ihrer kommerziell erfolgreichsten Phase, Anfang der 80er: Hymn, Ring Of Changes, das von Proggies, meiner Meinung nach völlig zu Unrecht, gedisste Life Is For Living… alles sehr hübsche Softpop-Stücke. Natürlich besaß ich bald auch das Album aus jener Zeit, den Mitschnitt des Berlin-Konzerts von 1980 “A Concert for the People”. Klar, einer ihrer größten Klassiker, “Mocking Bird” war darauf enthalten, trotzdem habe ich tatsächlich erst vor ein paar Wochen (!) begonnen, mich näher mit ihren musikalischen Anfängen zu befassen. Gerade ihre ersten vier Alben, die durchaus dem Progrock zugeordnet werden dürfen, beinhalteten einige Kunstwerke, noch aufgenommen mit eigenem Orchester – was sie allerdings ob der hohen Kosten und gleichzeitig ausbleibender Plattenverkäufe schnell pleite gehen ließ (Anspieltipps: Moonwater (1972), When The World Was Woken (1970)). Aber auch die folgenden Veröffentlichungen, bei einem anderem Label und kommerziell schon wesentlich erfolgreicher, beinhalteten noch viele wirklich großartige Songs (zum Beispiel Suicide oder The World Goes On, beide vom 1976er Album Octoberon). Deutlich seichter wurde es dann ab 1983 – also genau zu der Zeit, als ich sie entdeckte…

Natürlich wuchs auch jetzt meine Musiksammlung wieder, diesmal allerdings fast ausschließlich als MP3 – zum einen ist das deutlich platz- und ressourcensparender, zum anderen kann man beim bösen großen Onlineversandriesen Tracks auch einzeln käuflich erwerben.

Jetzt sollte ich so langsam mit den alte Perlen durch sein – jedenfalls von den mir bereits bekannten Interpreten. Aber zumindest beim Progrock hätte ich noch einige hundert Reviews auf den babyblauen Seiten durchzustöbern, wer weiß, was mir da noch so ins Auge sticht. Und zumindest bei MP3s gibt es heutzutage ja auch kein Platzproblem mehr…

Ja, schon wieder Musikcontent. Und ne ziemlich hohe Linkdichte. Tschulligung, ist aber irgendwie gerade aktuell. Und man kann ja auch nicht nur über Corona oder die Ladenaufgabe schreiben. 😉