All die dunklen Wolken
All die dunklen Wolken

All die dunklen Wolken

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Eine Pandemie hat sich fröhlich in der Welt eingenistet, fordert allein in Deutschland mittlerweile über einhunderttausend Menschenleben, an die 20 Millionen haben sich infiziert, nicht wenig davon leiden an – noch immer nicht erforschten – Langzeitfolgen. Da die Vernünftigen häufig leise, die Dummen jedoch meist laut sind, werden wir wohl noch lange Zeit mit dem Virus leben müssen. Mit vielen weiteren Infektionen. Und weiteren Toten.

In Europa wird ein souveräner Staat angegriffen und in Grund und Boden gebombt. Es ist seit dem Wegfall des eisernen Vorhangs nicht das erste mal, dass im östlichen Teil Europas Krieg herrscht, und nicht das erste mal, dass er von diesem Aggressor ausgeht. Diesmal allerdings droht jener nebenher mehr oder weniger damit, zur Not auch einen dritten Weltkrieg vom Zaun zu brechen, wenn’s sein muss auch mit Atomsprengköpfen. Seit 30 Jahren war eine Kriegsbedrohung für “uns im Westen” nicht mehr so real.

In Folge des Krieges, aber auch der Pandemie, werden viele Rohstoffe knapp, fast alles wird deutlich teurer. Das trifft die Industrie, aber eben auch die Privathaushalte – beim Heizen, bei der Fortbewegung, bei Lebensmitteln. Und noch ist nicht mal ansatzweise abzusehen, wie sehr sich die Situation verschärfen wird. Für viele ist das derzeit noch kein Drama, bedeutet es erst mal etwas weniger Luxus, aber für immer mehr Menschen werden Engpässe und vor allem die steigenden Preise nach und nach zu einem ernsthaften Problem. Nein, wir reden jetzt nicht von nem dickeren Pulli im kühlen Wohnzimmer.

Eigentlich sind alle, mit denen ich mich in der letzten Zeit über die derzeitige Situation unterhalten habe, rationale Menschen, die nicht zu übertriebenem Schwarzsehen neigen. Und dennoch machen sich diese Leute “nen Kopp”, es beschäftigt sie, bereitet ihnen Sorgen, bringt sie mitunter um den Schlaf. Man hat sich an den Frieden gewöhnt, die relative Sicherheit, das kleine bisschen Luxus im Leben, nun ist all das massiv bedroht. Dazu ist nach zwei Jahren Pandemie das Nervenkostüm heftig angekratzt, gefühlt wird gerade ja auch jedes Jahr schlimmer. Und jeder hat, abgesehen von diesem ganzen Mist, noch zusätzlich seinen persönlichen Rucksack zu tragen.

Ich bewundere die Menschen, die auch jetzt noch ihr sonniges Gemüt, ihre positive Lebenseinstellung bewahren. Ich bin zwar nicht der absolute Pessimist – so glaube ich nicht, dass sich der Krieg auf die Nato-Staaten ausweitet – aber derzeit auch wahrlich nicht optimistisch. Meine aktuelle Gemütsverfassung würde ich so als “stark dunkel bewölkt” bezeichnen. Eine Auflockerung der Wolkenberge, ein kleines Licht am Horizont, gerne zeitnah, wäre jetzt schon ganz gut. Für meine Stimmung, aber auch für die Verfassung all derjenigen, mit denen ich mich so unterhalten habe. Und für alle anderen auch.

Natürlich gibt es noch ausreichend andere Themen und drohende Katastrophen, die spätestens seit zwei Jahren in den Hintergrund gedrängt werden, zum Beispiel Altersarmut, Rassismus, Umweltzerstörung, Hungersnöte und die entsprechenden Folgen. Aber wahrscheinlich kann der Mensch nur ein gewisses Maß an Katastrophen gleichzeitig verarbeiten…