Es wurde Leidenschaft
Es wurde Leidenschaft

Es wurde Leidenschaft

Lesezeit ca. 3 Minuten

Als wir damals den Laden eröffneten geschah dies in erster Linie, weil wir das Thema Dampfen an den Mann und die Frau bringen wollten. Zum einen natürlich aus gesundheitlichen Aspekten, sprich als Ersatz für die deutlich schädlichere Tabakkippe. Zum anderen aber auch aus gesellschaftspolitischen Gründen: Bereits damals versuchten viele, zumeist ahnungslose Lokalpolitiker, immer wieder die E-Zigarette möglichst stark zu regulieren, wenn nicht gar zu verbieten. Es musste also mehr Dampfende geben, um ein Gegengewicht zu erzeugen. Das war unsere Hauptmotivation – der Einzelhandel selbst war also nie das große Ziel, sondern er war lediglich ein Vehikel für diese Zwecke, und, naja, eigentlich auch die einzig realistische Option. Und auch wenn jetzt politisch wieder einiges schief läuft, waren wir im Großen und Ganzen doch recht erfolgreich: Die Anzahl der Dampfenden wuchs beachtlich, und auch wenn – leider – immer mal wieder Leute zur Tabakfluppe zurückkehrten, konnten wir doch vielen Menschen beim Umstieg behilflich sein.

Kein großes Thema in der Anfangszeit war hingegen das Dampfen als Hobby. Natürlich hatten wir uns beide schon vorher intensiv mit der Dampferei befasst, und bereits damals war es für uns schon mehr als nur ein leckerer Kippenersatz, aber die Geräte, die wir verkauften – und die ich auch selbst nutzte – waren in erster Linie eines: Praktisch. Das änderte sich aber mit meinem ersten hochwertigen Selbstwickler, den man als Inhaber eines solchen Ladens nun mal haben muss, und schon längst ist der “Kippenersatz” – sprich Nikotinzufuhr und Gewohnheitsbefriedigung – nur noch ein netter Nebenaspekt.

Und wie das nun mal so ist, wenn der Mensch hinter dem Tresen so richtig begeistert ist, färbt es auch auf die Menschen vor dem Tresen ab. Wir steckten immer mehr Dampfer mit dieser Begeisterung an, der Anteil an High-End-Geräten in unserem Sortiment wuchs stetig, und bald hatten wir uns auch überregional einen Namen für den Verkauf hochwertiger Produkte deutscher und schweizer Manufakturen gemacht. Auch wenn das Kerngeschäft weiterhin die “Normaldampfer” waren, und auch wenn die Beratungen von Einsteigern genau so enthusiastisch geführt wurden wie die der “Hardcorefreaks”, waren die Begegnungen mit den Nerds meist etwas Besonderes.

Schon bald entstand eine kleine Community, die sich regelmäßig in unserer Lounge traf um bei diversen Tassen Kaffee zu Fachsimpeln und zu Plaudern. Mitunter wurden auch potentielle Einsteiger in die Gespräche mit einbezogen, und nicht selten gehörten dann diese Einsteiger ein halbes Jahr später selbst zur Community – und trugen wiederum ihre Begeisterung für ihr neues Hobby weiter.

Seit Pandemiebeginn war der tägliche Austausch, das gemeinsame Schwärmen, schon stark eingeschränkt, bald fehlt es gänzlich. Ich werde dann auch nicht mehr allwöchentlich die neuesten Schmuckstücke in der Hand halten, was aber, da für mich die Sache dann auch dezent teurer wird, vielleicht gar nicht so schlecht ist. 😉 Dennoch wird die Leidenschaft fürs Dampfen bleiben – sicher auch bei vielen Enthusiasten, die wir in den letzten Jahren begeistern konnten. Und selbst, wenn sie nach und nach abnehmen sollte, wird uns diese Zeit in positiver Erinnerung bleiben. Und das ist doch auch viel wert. 👍

Ergänzenden Lesestoff, den man auch ohne Fachkenntnisse verstehen kann, findet man bei den Dampfschnuten: Wozu braucht man das? und Dampfer – eine Typologie.