Etappenziel erreicht

“Dreimal umziehen ist wie einmal abgebrannt” sagt der Volksmund. So genau habe ich das nie ausgerechnet, aber Fakt ist, dass dieser Umzug wohl mein teuerster in den letzten 20 Jahren war. Ebenso ist Fakt, dass ich diesen Umzug ohne die Hilfe diverser Freunde niemals hätte stemmen können. Dafür euch auch an dieser Stelle noch mal ein ganz, ganz herzliches Dankeschön!

Unabhängig vom Ausgang der weiteren Pläne ist ein Etappenziel des Umzugs bereits erreicht: Ich wohne sowohl (Haus)tür an (Haus)tür mit der anderen Schnute – wir hatten ja bereits vor sieben Jahren geschrieben, dass wir wohl nicht all zu lange so weit voneinander entfernt wohnen bleiben – als auch an der Küste, bekanntlich seit Ewigkeiten ein kleiner Traum von mir. Dass wir nun aber (fast) zusammen hier wohnen hätten wir uns bei unserem ersten Besuch in dieser Gegend vor 13 Jahren wohl auch nicht wirklich gedacht.

Wir arbeiten bereits fleißig am nächsten Etappenziel, mal sehen, wir erfolgreich sich das entwickelt. Auch bin ich gespannt, wie sich hier der Alltag so gestaltet, wenn das Gefühl von “alles neu” weg ist. Wie auch immer: So bald möchte ich nicht wieder umziehen, das Gefühl von “abgebrannt” ist nämlich durchaus vorhanden, und ganz ehrlich, das braucht man wirklich nicht häufiger. 😉

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Noch ne Premiere

Einer der letzten richtigen Sommertage, blauer Himmel, 26° – das musste ausgenutzt werden. Also ging es, begleitet vom großen Kugelmützenbalancemeister…

…zum “Hausstrand”, und von da aus zu einem kleinen Spaziergang nach Heiligendamm.

Und obwohl ich diesen Ausflug nicht zum ersten mal gemacht habe war es doch eine Premiere: Mein erster Besuch am Meer als “Anwohner” und nicht als Tourist. 🙂

Dann bin ich ja mal gespannt, ob auch bei mir das “Gesetz der Küste” eintritt, nachdem Touristen in drei Wochen Urlaub häufiger am Strand sind als Einheimische in drei Jahren. Allein aus dem Grunde habe ich mich vom Meer vorsichtshalber wieder so verabschiedet als müsste ich heute zurück nach Berlin. 😉

*Eine weitere Premiere gab’s am Freitag

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Säbelrasseln

In diesem Jahr gedenken wir des Beginns des ersten Weltkrieges vor 100 und des zweiten vor 75 Jahren. Wir feiern – die einen mehr, die anderen weniger – 25 Jahre Mauerfall, damit einhergehend auch ein Vierteljahrhundert Beendigung des “kalten Krieges”. Wir in Westeuropa erleben gerade wahrscheinlich den längsten Zeitraum ohne Krieg – jedenfalls ohne den im klassischen Sinne, den Irrsinn des Krieges hat kaum noch jemand der hier Geborenen live erlebt, wir kennen ihn nur aus Erzählungen, Filmen, Berichten von Zeitzeugen. Ließe man jetzt mal die immer stärker werdende soziale Spaltung außer Acht (und ebenso die europäische Flüchtlingspolitik) könnten wir eigentlich von einem friedlichen, entspannten, schönen Leben sprechen. Offensichtlich zu entspannt, zu schön, und vor allem zu friedlich.

Dass sich die Vollhonks in und um Israel gegenseitig die Köpfe wegschießen – bitte, das geht seit Jahrzehnten so, kennt man eigentlich gar nicht anders. Dass der Ami hin und wieder irgendwo einmarschiert um fremden Völkern die Demokratie notfalls mit Waffengewalt einzubläuen, jo, ist halt so, offensichtlich braucht er das. Dass es immer irgendwelche durchgeknallten Religionsführer gibt, die Menschen ihren Glauben aufzwingen wollen, geschenkt, wir hatten vor ein paar hundert Jahren unsere Kreuzzüge, der Extremislamist hat sie eben jetzt. Und dass die Deutschen seit Jahren bei den Waffenexporten ganz dick mitmischen wird sich nicht verhindern lassen, schließlich geht’s ja um dicke Geschäfte Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie. Der Mensch an sich ist anscheinend einfach nur bekloppt nicht in der Lage, friedlich miteinander umzugehen. Buddelkiste, Förmchen, Fresse dick.

Nun markiert Putin seit geraumer Zeit den dicken Max. Da kann “der Westen” natürlich die Füße nicht stillhalten, wobei er das seit dem Wegfall des eisernen Vorhangs eigentlich nie getan hat, nur bislang eben mit friedlichen Mitteln wirtschaftlicher Überzeugungskraft statt mit hochgereckter Faust. Aber wenn schon die Faust gereckt wird, muss der Deutsche neuerdings mitrecken: Unser pastoraler Präsidentendarsteller faselt von Verantwortung, die Truppenursel sorgt sich auch nicht mehr ausschließlich um die familiäre Aufrüstung, und selbst das Grün der Grünen ist mittlerweile oliv. Und Putin ist ja nicht der einzige “lupenreine Demokrat”, der auf die lupenreine Demokratie scheißt, immer mehr Despoten tauchen auf, zuletzt in der Türkei. Hierzulande verhindert der engagierte Wutbürger immerhin die Neubebauung einer riesigen Freifläche oder olympische Winterspiele, aber generell scheint auch hier die Demokratiefolklore zu bröckeln: Der Urnenpöbel stellt plötzlich fest, dass die etablierten Parteien alle nicht wählbar sind (womit ich dem Urnenpöbel ja auch recht gebe) und macht sein Kreuzchen immer häufiger ganz weit rechts. Noch sind es in erster Linie die abgehängten Regionen, in denen protestgewählt wird, in der Breite der Bevölkerung ist es noch halbwegs still, dem Gefasel vom wirtschaftlichen Aufschwung sei Dank.

Das alles zusammengenommen bereitet mir Sorgen. Ich gehöre zur Generation derer, für die es Anfang der 80er nur die Frage war, ob der Wald friedlich vor sich hinsterben oder doch von ner Atombombe weggebrettert würde. Nun zeigt natürlich die Erfahrung, dass der ganze damalige Aufrüstungswahnsinn nicht zum Krieg führte, und auch der Wald steht noch, mehr oder weniger gesund, da so rum. Aber wird es immer so friedlich ausgehen? Damals trugen die Menschen ihre Sorgen vor dem Krieg – egal ob vor der Haustüre oder im Irak – noch auf die Straße, 100.000 demonstrierten gegen die Aufrüstung, so viele Menschen bekommst du heute nur zusammen, wenn ein Fußballweltmeister gefeiert werden soll. Nein, genutzt haben diese Proteste schon damals nichts, ich habe nur einfach das Gefühl, die Mehrheit der hiesigen Bevölkerung ist sich des Luxus des Friedens – und der momentanen Situation – gar nicht bewusst. Was man tun kann? Woher soll ich das wissen? Als religiöser Mensch vielleicht ein bisschen mehr beten, ansonsten kann man wohl nur hoffen, dass es beim Säbelrasseln bleibt und unsere Politmischpoke doch noch nen letzten Rest Vernunft besitzt…

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Angekommen (2)

Heute bin ich offiziell angekommen. Das “Berlin” im Perso ist gestrichen überklebt, nun also Landleben, Mecklenburg, Küste. Im Kopf hingegen ist Berlin noch nicht gestrichen, so schmunzle ich aus angemessener Entfernung über Wowis Rücktrittsankündigung, freue mich auf den Tag, an dem Mehdorn die Eröffnung von BER nicht vor 2020 verkündet, und bekomme auch mit, dass ich prompt die zweitwichtigste Demo des Jahres verpasst habe.

In der Wohnung geht es voran, die Möbel stehen, die Wände sind (weitestgehend) behängt, die ersten Nächte hier verbracht, sogar überraschend gut. Trotzdem ist noch einiges zu tun, kleinere Schönheitsreparaturen zu erledigen, vor allem aber wollen die allerletzten Kartons noch ausgepackt und der letzte Kram eingeräumt werden.

Keine Chancen mehr habe ich darauf, die gesammelten Feeds der letzten Tage komplett durchzuackern oder gar das von mir geliebte – und zuletzt bereits vernachlässigte – Sabbelsurium zusammen zu stellen. Die geneigten Stammleser werden es verschmerzen, ich auch, sehen wir das Ganze einfach als Statement gegen den Informationsüberfluss an. 😉 Zumindest aber die Feeds derjenigen, die mir persönlich – oder virtuell-persönlich – am Herzen liegen lese ich regelmäßig, und natürlich werde ich auch die liegengebliebenen Mails noch beantworten.

Ob es noch einen Beitrag mit dem Titel “Angekommen (3)” gibt? Eher nicht, ankommen ist in diesem Fall ja ein schleichender Prozess. Jeden Tag fühlt man sich ein bisschen heimischer, jeden Tag werden die Dinge, die einem jetzt fremd und ungewohnt vorkommen, weniger. (Gut, ob ich mich jemals an die Fahrweise der Hiesigen gewöhne weiß ich zwar nicht, aber das muss ich ja nur aus Beifahrersicht ertragen. 😉 ) Das gute Gefühl, das ich bei meiner neuen Heimat bislang hatte, ist jedenfalls noch gegenwärtig, und ich glaube, diesmal stimmt der Beitragstitel: Angekommen!

Brot und Salz
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Irgendwo dazwischen

Letzter Gruß

Der Umzug ist jetzt fast eine Woche her, seit Freitag sind die Schlüssel der alten Wohnung abgegeben (allerdings ohne dass die Nachmietersituation geklärt wäre, also ohne zu wissen, wie ich jetzt endgültig aus der ganzen Wohnungsnummer rauskomme), man könnte nun meinen, dass ich mittlerweile hier angekommen bin. Dem ist aber nicht so, jedenfalls nicht so richtig:

Chaos, langsam lichtend

Die neue Wohnung ist ein einziges Chaos aus Kartons und zumindest teilweise zusammengebauten Möbeln. Das Bett ist noch nicht aufgebaut, der Schrank ebensowenig, weshalb ich mit dem Auspacken und Einräumen nicht wirklich weiterkomme. Vor den Fenstern hängen weder Gardinen – ich brauche dringend ne beratende weibliche Hand Stimme – noch sonstwas, da kommt sowas wie ein Big Brother-Gefühl auf, zum Glück mit deutlich weniger Zuschauern. 😉 Der Schreibtisch ist noch nicht aufgebaut, aber die temporäre Internetverbindung funktioniert sowieso nur partiell, die temporäre Telefonverbindung gar nicht. Das, was ich suche, finde ich garantiert nicht, dafür fällt mir viel Krams in die Hände, den ich gar nicht gesucht habe und vor allem nicht weiß, wo er gerade hin soll. Zu beantwortende Mails stauen sich ebenso wie zu lesende Artikel oder Feeds, von anderen zu erledigenden Dingen mal ganz abgesehen.

Zur Zeit fühlt es sich eher an wie eine Mischung aus gewohntem Besuch an der Küste – allerdings mit mehr Klamotten als sonst, die nur nicht in nem Koffer sondern in der Wohnung nebenan liegen – und Asyl.

Nicht so wirklich heimisch

Sehr nettem Asyl, zugegeben, aber mittlerweile ist doch der Punkt erreicht, an dem ich gerne im eigenen Bett in den eigenen vier Wänden schlafen möchte, wo zumindest der Großteil der Dinge nicht mehr im Kartonstapel gesucht werden will, wo ich einfach das Gefühl haben möchte, irgendwo zuhause zu sein. Wir arbeiten daran, und die kommende Woche sollte auch deutlich ruhiger werden als die vergangenen, also besteht die Aussicht, dass es bald vorwärts geht. Bis dann sowas wie ein Alltag entsteht wird allerdings noch viel Wasser die Spree Warnow runterfließen. Was wiederum auch vollkommen in Ordnung ist. 😉

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Angekommen

Mal ein kurzes Statusupdate aus dem Asyl:

Der Umzug verlief einwandfrei, um 15 Uhr waren die Jungs von Alexxa-Umzügen wieder weg. Die Hütte ist, nun ja, wohl gefüllt, unter anderem deshalb werde ich die Nacht noch auf dem Gästebett verbringen. Morgen erstmal Behördenzeit, danach versuche ich zumindest ansatzweise Ordnung in das Chaos zu bekommen.

Der – temporäre – Netzzugang will noch nicht so recht, aber hat auch nicht die allerhöchste Priorität. Entgegen des Beitragstitels ist von angekommen noch nix zu spüren – was vielleicht auch daran liegt, dass ich am Donnerstag nochmal für eine Nacht nach Berlin muss. Wichtig ist erstmal, dass der Umzug durch ist, und ich glaube, das Ankommensgefühl wird sich in absehbarer Zeit auch noch einstellen. 😉

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