StefBlog

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Fête en miniature

Eigentlich sollte ein Geburtstag ja immer ein Festtag sein. In jungen Jahren vielleicht mit Sex, Drugs and Rock’n’Roll Party, viel Alkohol und Kater, im – mehr oder minder – gesetzten Alter eher mit einem leckeren Essengehen mit geliebten Menschen, einem anschließenden Verdauungsspaziergang am Strand und nem großen Stück Geburtstagskuchen.

Leider kommen manchmal Dinge dazwischen – eine Pandemie zum Beispiel, Zugausfälle durch Sturm oder die Tatsache, dass Geburtstage unter der Woche, zum Wochenanfang gar, zum gemeinsamen Feiern nicht so wirklich perfekt sind.

Man macht natürlich das beste draus – und hofft einfach auf das nächste Jahr. Oder überlegt sich, in Zukunft wie die Queen den Geburtstag einfach an einem Samstag im Juni zu feiern. 😉

Einen ganz lieben Dank allen, die an den alten Mann gedacht haben! 💓

Funktionieren

Die zwei Jahre Pandemie zehren massiv an den Nerven und rauben üppig Energie. Geht wahrscheinlich den meisten so. Wobei die unerträgliche Dummheit einiger Menschen fast schon gravierender ist als das Virus an sich. Passender Tweet:

Ich habe das große Glück, derzeit nur zwei- bis dreimal die Woche in den Laden – und damit aus meiner geschützten Höhle – zu müssen. Und das ist gerade auch gut so, denn dort immer die notwendige, freundliche Professionalität an den Tag zu legen ist mitunter extrem anstrengend. Obwohl bald Schicht im Schacht ist, will man bei den Kunden ja doch in guter Erinnerung bleiben.

Derzeit geht es nur darum, irgendwie zu funktionieren: Den Laden zumindest halbwegs am Laufen zu halten, die wirklich allerwichtigsten persönlichen Dinge auf die Kette zu kriegen, und dafür zu sorgen, dass die Wohnung und man selbst wenigstens halbwegs zivilisiert aussehen. Das alles bekomme ich immerhin auf die Reihe, alles drüber hinaus ist Bonus.

Ich hoffe mal gehe davon aus, dass sich in den nächsten Wochen alles ein wenig entspannt. Sollte es auch: Allein für die Abwicklung des Ladens wird wohl deutlich mehr Energie notwendig sein, und generell wieder etwas mehr Lebensfreude zu verspüren – und gerne auch zu versprühen – wäre schon ganz schön.

Derzeit klappt das aber noch nicht, und so lange werde ich mich weiter so gut es geht in meiner Hütte verbarrikadieren, das machen, was ich schaffe, und der Rest muss halt warten. Und das ist auch okay so.

Idefix weint

Der herrliche alte Baum, der mir im Sommer so schön das Gefühl vermittelte, mitten im Grünen zu wohnen…

…der immer für prächtige Farbenspiele sorgte…

…dieser schöne alte Baum ist…

…weg! 😥

War wohl mehr als nur ein bisschen “Beischneiden”, was die Baumschubser dort in den letzten Tagen veranstaltet haben. Wenn ich aufmerksam in diese Richtung lausche, dann höre ich Idefix leise weinen. Und ein klein bisschen weine ich mit.

Fernweh: Ischia

Ich bin ja nicht so der große In-Urlaub-Fahrer, und – aus diversen Gründen – schon gar kein Fernreiser. Aber nach über sieben Jahren heimischer Dauerpräsenz wegen Selbständigkeit, zwei Jahren Pandemie und dazu der momentanen, nervigen Jahreszeit überkommt mich derzeit doch ein ziemlich heftiges Fernweh. Durch einen Fernsehbericht kam ich vor Kurzem wieder auf einen Ort, an dem ich als Kind und Jugendlicher Urlaub gemacht hatte: Ischia, die “grüne Insel” im Golf von Neapel.

Mit 13 Jahren besuchte ich die Insel erstmals, und für jemanden, dessen südlichstes Reiseziel bis zu diesem Zeitpunkt Südtirol war, war das natürlich ein kleiner Kulturschock. Aber ein angenehmer: Fast ausnahmslos schönes Wetter, entspannte Menschen, süditalienische Lebensfreude, das Mittelmeer… das hat dann doch einen gewissen Eindruck hinterlassen. Natürlich war die Insel damals touristisch schon gut erschlossen – nach einer längeren Ruhephase, unter anderem wegen diverser Erdbeben, ging der Tourismus dort in den 1950ern wieder los – dennoch nicht so furchtbar überlaufen, dazu kleine, malerische Hotels statt riesiger Bettenbunker.

Bekannt für seine Partymeilen war Ischia nie, eher für seine Heilquellen. Das hat mich natürlich nicht gestört – es gab Sonne, Strand und Meer, und das allein reichte aus, den jungen Stef glücklich zu machen. Auch heute würden mich die fehlenden Partymöglichkeiten nicht stören – die Thermalangebote hingegen würde ich wohl, im Gegensatz zu damals, recht ausgiebig nutzen. 😉

Das ein oder andere hat sich dort sicherlich in den letzten fast 40 Jahren geändert. Dennoch – oder gerade deshalb? – würde ich noch mal gerne für zwei oder drei Wochen dort Urlaub machen. Nicht unbedingt im Hochsommer, das wäre mir wohl zu heiß und auch zu voll, und stundenlanges Rumliegen am Strand bräuchte ich mittlerweile ebensowenig wie ausgiebiges Baden im Meer. Eher würde es mich im Frühling oder Herbst dort hinziehen, wenn das Wetter auch die ein oder andere Erkundungstour zulässt.

In diesem Jahr wird es mit nem Urlaub dort natürlich nix werden – zeitlich wäre das jetzt bereits etwas knapp, außerdem haben wir ja nach wie vor ne “kleine Pandemie” am Hacken. Aber vielleicht im nächsten Jahr, oder im übernächsten, oder… ach, was weiß denn ich.

Natürlich hätte es auch was, die kompletten Wintermonate in solch südlichen Gefilden zu verbringen – damit befasse ich mich aber wohl frühestens, wenn ich den Jackpot geknackt habe. Es den dort lebenden rund 5000 Deutschen gleichzutun und dahin auszuwandern wäre allerdings keine Option – der Sommer und so, siehe oben. Abgesehen davon ist der Untergrund von Ischia doch etwas unruhig – das letzte Erdbeben gab es dort erst 2017.

Ganz zu verleugnen wäre der nostalgische Aspekt eines Urlaubs dort nicht – Kindheitserinnerungen und so. Kurzfristig käme vielleicht auch eine leichte Melancholie auf – meine Mutter hatte sich seinerzeit ziemlich in die Insel verliebt, und gerne würde ich ihr natürlich dann aktuelle Fotos zeigen. Aber in erster Linie wäre es einfach ein – hoffentlich erholsamer – Urlaub auf einem wirklich schönen Fleckchen Erde. 🙂

Ja, die Fotos stammen noch aus meinen Aufenthalten dort in den 80ern. Ritschratschklick und so, die Älteren werden sich erinnern. Jedes mal Überlegen, ob man dieses Motiv wirklich knipsen soll, weil jeder Abzug Geld kostet, und auf so’n Film ja auch maximal 36 Bilder passen. Dann das lange Warten auf die Entwicklung. Und das Bangen, ob die Fotos überhaupt was geworden sind. Ja, ist nicht alles schlechter heutzutage… 😉

Na toll, beim Schreiben dieses Beitrages und dem Durchwühlen der alten Fotos ist mein Fernweh dorthin prompt noch ein bisschen angestiegen, und ich würde am liebsten sofort den Koffer die Reisetasche packen. Ob es irgendwann noch mal mit einem Urlaub dort klappt? Ich lasse mich überraschen. Schön wär’s irgendwie schon…

Frühe Perlen – spät entdeckt

Hin und wieder geschieht es, dass man tolle Musik entdeckt, die man so richtig abfeiert – um dann erst wesentlich später festzustellen, dass die wahren Perlen des Interpreten bzw. der Band die deutlich früheren Werke sind. Der Künstler hat sich weiterentwickelt heißt es dann, im besten Falle sind die aktuellen Sachen “anders”, wenn man aber Pech hat sind sie, verglichen mit den alten Alben, nur schlechter.

Chris de Burgh zum Beispiel drang erstmals 1982 mit The Getaway und Don’t Pay The Ferryman, seinen ersten Charterfolgen, an mein Ohr –  durchaus dem Stef gefallender, netter Pop. Aber seine wirklich guten Alben aus den 70ern hatte ich erst zwei, drei Jahre später entdeckt.
Wesentlich länger dauerte es bei Genesis – erstmals nahm ich sie 1983 mit Mama wahr, jo, ganz interessant, deutlich besser gefielen mir drei Jahre später die Stücke aus dem Album “Invisible Touch” (nach wie vor unvergessen das Video zu “Land Of Confusion”), vor allem aber das 91er Album “We can’t dance”. Die wahren Schätze, nämlich ihre Werke aus den frühen bis mittleren 70ern, hörte ich erstmals auf einem Konzert 1992 – dieses 20minütige Medley hat mich fast mehr begeistert als die übrigen 120 Minuten des Konzerts. Natürlich wuchs kurz drauf meine CD-Sammlung beträchtlich:

Aktuelle Vertreter aus der Rubrik “frühe Perlen – spät entdeckt” sind Barclay James Harvest. Erstmals hörte ich sie zu Beginn ihrer kommerziell erfolgreichsten Phase, Anfang der 80er: Hymn, Ring Of Changes, das von Proggies, meiner Meinung nach völlig zu Unrecht, gedisste Life Is For Living… alles sehr hübsche Softpop-Stücke. Natürlich besaß ich bald auch das Album aus jener Zeit, den Mitschnitt des Berlin-Konzerts von 1980 “A Concert for the People”. Klar, einer ihrer größten Klassiker, “Mocking Bird” war darauf enthalten, trotzdem habe ich tatsächlich erst vor ein paar Wochen (!) begonnen, mich näher mit ihren musikalischen Anfängen zu befassen. Gerade ihre ersten vier Alben, die durchaus dem Progrock zugeordnet werden dürfen, beinhalteten einige Kunstwerke, noch aufgenommen mit eigenem Orchester – was sie allerdings ob der hohen Kosten und gleichzeitig ausbleibender Plattenverkäufe schnell pleite gehen ließ (Anspieltipps: Moonwater (1972), When The World Was Woken (1970)). Aber auch die folgenden Veröffentlichungen, bei einem anderem Label und kommerziell schon wesentlich erfolgreicher, beinhalteten noch viele wirklich großartige Songs (zum Beispiel Suicide oder The World Goes On, beide vom 1976er Album Octoberon). Deutlich seichter wurde es dann ab 1983 – also genau zu der Zeit, als ich sie entdeckte…

Natürlich wuchs auch jetzt meine Musiksammlung wieder, diesmal allerdings fast ausschließlich als MP3 – zum einen ist das deutlich platz- und ressourcensparender, zum anderen kann man beim bösen großen Onlineversandriesen Tracks auch einzeln käuflich erwerben.

Jetzt sollte ich so langsam mit den alte Perlen durch sein – jedenfalls von den mir bereits bekannten Interpreten. Aber zumindest beim Progrock hätte ich noch einige hundert Reviews auf den babyblauen Seiten durchzustöbern, wer weiß, was mir da noch so ins Auge sticht. Und zumindest bei MP3s gibt es heutzutage ja auch kein Platzproblem mehr…

Ja, schon wieder Musikcontent. Und ne ziemlich hohe Linkdichte. Tschulligung, ist aber irgendwie gerade aktuell. Und man kann ja auch nicht nur über Corona oder die Ladenaufgabe schreiben. 😉

Viel besser als gedacht

Bei aller Wehmut ob der Geschäftsaufgabe muss man auch mal eines sehen: Es ist genau das eingetroffen, was wir als Idealfall (!) prophezeit hatten – und doch nicht wirklich glaubten, dass es so gut laufen würde:

Im Idealfall läuft der Laden fünf, vielleicht sieben Jahre richtig gut! Zehn Jahre werden es eher nicht sein – die großen Ketten werden kommen und die Preise kaputt machen, außerdem wird der Staat heftig regulieren und wahrscheinlich auch gut mit dran verdienen wollen.

So (oder zumindest so ähnlich) sprachen wir damals. Und yep, so kam es.

Vor siebeneinhalb Jahren bin ich aus meiner Lieblingsstadt aufs platte Land gezogen, um mich zusammen mit Benedikt – ohne jegliche Erfahrung, dafür mit einer großen Portion Skepsis –  in dieses Abenteuer zu stürzen, mit dem Risiko, ein völliges, auch finanzielles, Desaster zu erleben. Am Tag der Eröffnung war ich wahrscheinlich so nervös wie nie zuvor im meinem Leben. Und dann ist alles viel, viel besser gelaufen als gedacht! Vor allem in den ersten Jahren liefen wir mit einem Dauergrinsen im – von Schlafmangel gezeichneten – Gesicht durch die Welt. Das viele positive Feedback war ein weiterer, schöner Lohn für die ganze Arbeit, und die Erfahrungen, die wir durch die Selbständigkeit gesammelt haben, sind sowieso unbezahlbar.

Diese positiven Dinge habe ich immer versucht zu genießen und festzuhalten – auch wenn ich völlig platt war oder es mal nicht so lief. So auch jetzt. Und sie werden sowohl die Wehmut als auch die Zukunftssorgen sicherlich bei Weitem überdauern.

Gefühlslage: Gedrittelt

Seit die Entscheidung, den Laden aufzugeben, getroffen und verkündet ist, kam schon das ein oder andere mal die Frage, wie ich mich denn dabei fühle. Nun, ich würde mal sagen: Gedrittelt. 😉

1. Wehmut

Ich gebe mein (bzw. unser) Baby auf! Über sieben Jahre haben wir es gehegt und gepflegt, hart für sein Wachstum gearbeitet, viel Zeit, Kraft und Herzblut investiert. Obwohl von fast allen vorher als Totgeburt prophezeit, wuchs es schnell, entwickelte sich prächtig und wurde über eine lange Zeit zum – durchaus erfüllenden – Lebensinhalt. Wir haben viele schöne Momente erlebt und tolle Menschen kennengelernt. Naja, und eine – erfolgreiche – Selbständigkeit schmeichelt auch ein klein wenig dem Ego.

Die Entscheidung, nach zwei Jahren “long Covid”, dem mittlerweile leeren Akku und der im Sommer kommenden Steuer aufzuhören, ist letztendlich eine rein sachliche – wie es aus kaufmännischer Sicht ja auch sein sollte. Dass trotzdem viel Emotionen und ne üppige Portion Wehmut dabei sind dürfte klar sein.

2. Zukunftssorgen

Existenzsorgen ist das falsche Wort – ich existiere schließlich auch nach dem Ende des Ladens – aber Zukunftssorgen trifft es ganz gut. Irgendwann brauche ich eine neue monetäre Einnahmequelle, denn auf Dauer ist die Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung doch recht nervig.
Nach sieben Jahren Selbständigkeit wäre ein Angestelltenverhältnis erst mal ungewohnt, zumal ich mir gerade nicht genau vorstellen kann, in welchem Bereich das überhaupt klappen könnte: In meine alten Berufe zurück zu kehren ist schwierig – und auch nur mäßig erstrebenswert – und der Quereinstieg ohne jede Erfahrung funktioniert ja auch eher selten.
Neue Selbständigkeit? Wäre irgendwann durchaus vorstellbar, aber nur dann, wenn eine tragfähige, wirklich gute Idee da ist, die mit ebenso viel Herzblut verfolgt würde wie die letzte. Erst mal muss aber der Laden abgewickelt und dann der Akku aufgeladen werden. Und da bislang auch der Lotto-Jackpot ausbleibt werden mich diese Zukunftssorgen wohl noch einige Zeit begleiten.

3. Erleichterung

Seit Benedikts Rückzug habe ich nicht nur die gesamte Arbeit, sondern – wesentlich belastender – auch die gesamte Verantwortung für den Laden. Das zehrt massiv an den Nerven, zumal wir ja quasi seit Mitte 2019 dauerhaft im Ausnahmezustand leben. Natürlich wird die psychische Belastung nicht ab Sommer plötzlich enden, sie wird, siehe Punkt zwei, lediglich eine andere sein. Aber vielleicht gelingt mir ja zumindest ein kurzes Durchatmen. Das wird zwar nicht ausreichen um die Energiespeicher wieder komplett zu füllen, aber bereits mit der Entscheidung, im Sommer Schluss zu machen, fiel schon mal ein großer Teil der Anspannung ab. Und auch das zeigt, dass die Entscheidung richtig war.

Die Gewichtung der einzelnen Drittel variiert übrigens gerade stündlich. Daran wird sich wohl auch so schnell nix ändern, wahrscheinlich wird das Gefühlschaos nur noch intensiver, je näher es auf den Sommer zugeht. Muss man sich also wenigstens keine Sorgen machen, dass dieses Jahr zu entspannt werden könnte… 😉

Bitte warten Sie…

Letzte Woche meldet meine Corona-Warnapp, dass ich eine Begegnung mit erhöhtem Risiko hatte. Auf deutsch: Dat Ding wird rot.

Die Empfehlungen sind klar geregelt: Ab nach hause, Kontakte vermeiden, Testen.

Nun, zum einen liest man ja, dass diese Warnmeldungen gerade reihenweise aufploppen – wenig verwunderlich bei dieser hoch ansteckenden Variante. Zum anderen weiß die App weder, dass ich keinerlei Symptome aufweise, noch dass ich sowohl im Laden als auch im Bus Maske trage. Und geboostert bin ich ja auch. Egal, ich mache trotzdem einen Schnelltest…

…und der reagiert genau so wie erwartet, nämlich nicht. Tun die Dinger nie, jedenfalls nicht bei Geimpften, sofern diese noch nicht mit mindestens ner halben Arschbacke beim Tod auf der Sense sitzen.

Da ich aber das erste mal vor dieser Situation stehe, dazu ein halbwegs verantwortungsbewusster Mensch bin, gehe ich am nächsten Tag zu meiner Hausärztin, die auch direkt einen Abstrich für einen PCR-Test nimmt. Einen QR-Code gibt’s gratis dazu, bitte einmal einscannen, und dann erscheint in der Warnapp das Ergebnis. Also theoretisch, denn, so die Ärztin, das funktioniert mal, mal aber auch nicht. Aber sie verspricht, mich anzurufen, sofern der Test positiv ausfällt.

So verbringe ich die nächsten beiden Tage zuhause – also fast alles wie immer – und warte auf das Ergebnis. Oder einen Anruf. Ein Anruf kommt nicht, und die App zeigt: Nix!

Also sie zeigt schon was, nämlich dass das Ergebnis noch nicht vorliegt. Das zeigt sie auch noch am Samstag. Und am Sonntag. Und am Montag. Und am Dienstag.

Da ich nach wie vor keine Symptome habe und, für mich relevanter, meine Ärztin mich auch nicht kontaktiert hat, gehe ich weiterhin davon aus, mich nicht angesteckt zu haben und beende nach zwei Tagen meine “Quarantäne light”. Muss ja schließlich auch mal wieder arbeiten gehen.

Nun hat nicht jede/r das Glück, entspannt beim Hausarzt (zwar ekelig früh aufstehen, aber nur zwei Minuten Warten) getestet zu werden, manch eine/r muss lange Wege auf sich nehmen und noch länger in der Kälte anstehen, und spätestens beim dritten “Fehlalarm” wird man dazu keine Lust mehr haben. Wenn man dann noch Ewigkeiten auf das Testergebnis warten muss – ist ja immerhin möglich, dass auch eine Arztpraxis (oder eine Teststation) einen Anruf verbummelt – dürfte das bei vielen Menschen nicht gerade zum Vertrauen in die Technik und in die Verantwortlichen beitragen. Von der “Begeisterung” über verspätete und im ekeligen, strafandrohenden Beamtendeutsch verfasste Schreiben vom Gesundheitsamt, wenn man denn wirklich infiziert ist, mal ganz zu schweigen.

Auch meine App wird in nächster Zeit sicher häufiger die Warnmeldung ausspucken. Da die Labore mittlerweile völlig überlastet sind, und auch die Kapazitäten für PCR-Tests eng werden, werde ich mir in Zukunft bei Symptomlosigkeit und der – zu erwartenden – Negativmeldung des Schnelltests den PCR-Test verkneifen. Wir müssen wohl sowieso davon ausgehen, dass sich über kurz oder lang jede/r nen kleinen Covid einfängt. Isso. Bleibt nur zu hoffen, dass der Verlauf dann wirklich ein milder ist. Und man rechtzeitig gewarnt wird, bevor man das halbe Dorf ausrottet ansteckt.

Die ersten Drei

Die meisten denken bei Chris de Burgh sofort an “The Lady in Red” – klar, seit 1986 wurde dieser schaurige Ausbund an Belanglosigkeit im Radio rauf und runter gedudelt bis einem die Ohren bluteten. Es war zwar sein kommerziell größter Erfolg, zählte aber zu seinen deutlich schwächeren Liedern und schädigte damit seinem Ruf als Komponist wirklich guter Musik nachhaltig. Aber geschenkt, ab Mitte der 80er wurden seine Alben ja wirklich zunehmend seichter und beliebig, mit dem absoluten Tiefpunkt Anfang der 2000er. Danach ging es wieder deutlich aufwärts, allerdings ohne jemals die Intensität seiner Anfangszeit zu erreichen.

Gerade seine ersten drei Alben waren hervorragend, und das Beste, das er je veröffentlich hat. Es ist Musik, die man entspannt im Herbst vor der Kaminfeuer-DVD sitzend genießt, in erster Linie – aber nicht nur – balladesk gehalten, dennoch nicht weichgespült, sondern noch mit Ecken und Kanten. Und immer mit dem Charme des Neuen, Unverbrauchten, des Authentischen – ganz im Gegensatz zu seinen deutlich kommerzieller orientierten Werken ab den 80ern.

1974 erschien “Far Beyond These Castle Walls“, das Debutalbum, mit ausgefeilten Balladen wie The Key oder Windy Night, den heftigen Schmachtfetzen Hold On und Satin Green Shutters oder dem epischen Turning Round. Ein Jahr später folgte dann mit “Spanish Train And Other Stories” sein wahrscheinlich bestes Album überhaupt. Mit den Klassikern Spaceman, Patricia, Lonely Sky und natürlich dem Titelsong, aber auch wunderschönen Perlen wie The Tower oder Just Another Poor Boy. Sein drittes Album, das 1977 erschienene “At The End Of A Perfect Day“, ist schon etwas reduzierter, weniger bombastisch, mit meist deutlich kürzeren, dennoch ausgefeilten Stücken, darunter Perfect Day, In A Country Churchyard und dem wunderschönen Discovery.

Eine ganz gute Sammlung dieser frühen Schätze findet man übrigens auf dem 81er Album “Best Moves“, auf dem auch eines seiner besten Stücke ever, das neunminütige Crusader, enthalten ist.

47 Jahre nach dem Debutalbum erschien vor Kurzem “The Legend of Robin Hood”:

Nach dem wirklich gelungenen 2010er Werk “Moonfleet” wieder ein Konzeptalbum, geschrieben eigentlich für ein Musical, und als solches auch durchaus stimmig – dummerweise mag ich keine Musicals. Das Album ist trotzdem hörenswert, wäre aber ohne diese stilistische Begrenzung wahrscheinlich noch mal deutlich besser ausgefallen. Na, und an die Ursprünglichkeit seiner Alben aus den 70ern reicht es natürlich auch nicht heran, das kann man aber wohl auch nicht mehr erwarten.

Jaja, Musikcontent, interessiert außer mir wahrscheinlich niemanden. Muss trotzdem ab und zu sein. 😉