Zum Leben zu wenig…

Eine merkwürdige Situation ist das gerade im Laden. Die Corona-Pandemie hat uns, wie viele andere auch, schwer gebeutelt – zum einen natürlich in den Wochen, in denen geschlossen war, aber auch jetzt, wo die Kontaktbeschränkungen weitgehend aufgehoben sind bzw. von den meisten Leuten großflächig ignoriert werden. Aber die Lust aufs entspannte Shoppen hat sich, wie befürchtet, immer noch nicht eingestellt. Ob es nun die Maskenpflicht ist, die Einschränkungen gerade in kleinen Läden, die fehlende Kohle oder generell die Ungewissheit wie es weitergeht – all das wird wohl dazu beitragen. Außerdem hat der ein oder andere wohl gemerkt, dass Shopping auch online möglich ist, meist sogar bequemer, mitunter preiswerter, und man bekommt seine Ware sogar nach Hause geliefert. Ob sich der Trend in absehbarer Zeit wieder umkehrt oder fortsetzt wird man sehen.

Zur Zeit ist das, was der Laden abwirft, zum Sterben (noch) zu viel, zum Leben aber bereits zu wenig. Ganz aufgegeben habe ich die Hoffnung, dass sich alles wieder ein wenig normalisiert, aber nicht – deshalb habe ich auch nach einigen schlaflosen Nächten beschlossen, die halbjährliche Kündigungsfrist für den Laden in diesem Sommer nicht wahrzunehmen. Mit dem kleinen Polster, das wir uns in der guten Zeit angefressen haben – und mit der Kurzarbeit, die ich leider beantragen musste – können wir uns noch eine Zeitlang über Wasser halten. Allerdings muss sich im nächsten halben Jahr einiges tun, denn bei aller Liebe für den Laden, für das, was wir uns aufgebaut haben – wenn es dauerhaft nicht rentabel ist macht die Sache keinen Sinn, und bevor es auch zum Sterben zu wenig ist wird die Hütte dicht gemacht!

Und sollte noch mal eine zweite heftige Corona-Welle inklusive Lockdown kommen dürfte sich das Ganze sowieso erledigt haben…

2+

Fünfzehnter Fünfter reloaded

Vor gut sechs Jahren herrschte bei mir eine Phase maximaler Ungewissheit. Es gab zwar – relativ – konkrete Pläne, aber ob, wie und wann diese sich umsetzen ließen war völlig unklar. Also habe ich mir irgendwann die Frist von genau einem Jahr gesetzt, um dann ein erstes Fazit zu ziehen. Dieser Stichtag war der 15.5.2015.

Auch jetzt erleben wir wieder eine Phase extremer Unsicherheit. Diesmal hat es allerdings nichts mit irgendwelchen Zukunftsplänen zu tun, es geht alleine darum, wie wir diese verf…luchte Corona-Krise überstehen. Bleiben alle in meinem Umfeld gesund? Kommt eine zweite, gar dritte Welle? Wie extrem wird bzw. werden diese ausfallen? Wie wirkt sich das auf die Gesellschaft aus? Wie auf die Wirtschaft? Und natürlich: Überlebt der Laden?

All diese Fragen lassen sich wohl kaum innerhalb der nächsten Wochen beantworten, aber in einem Jahr sollte es – hoffentlich – deutlich mehr Klarheit geben. Dann ist auch wieder der fünfzehnte Fünfte – und vielleicht ist das ja ein gutes Omen, denn das damalige Fazit fiel absolut positiv aus.

Damals wie heute war ich – quasi im Minutentakt – hin und her gerissen zwischen “das wird schon”-Zuversicht und “das kann gar nicht klappen”-Zweifel. Und damals wie heute bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig als sich auf seinen Alltagskram zu konzentrieren und diesen so gut es geht zu erledigen – und ansonsten auf das Glück zu hoffen.

Und dann schauen wir einfach, wie diesmal das Fazit aussieht – in einem Jahr, am fünfzehnten Fünften…

3+

Modische Akzente setzen

Ich bin ja eher nicht so der “modische Typ”. Bequem muss die Klamottage sein, möglichst praktisch gehalten, und farblich am liebsten schwarz.

Wenn wir allerdings derzeit schon maskiert durch die Lande laufen müssen, möchte man sich doch ein wenig vom Einheits-Weiß-Grün abheben…

Bezugsquellen: Naehe-Werkstatt, DarkCreativeDesign und ein Andenkenshop in Ushuaia.

3+

Corona nervt!

Corona nervt. In erster Linie natürlich die Leute, die infiziert sind oder Infizierte in ihrem engsten Umfeld haben. Aber auch alle anderen.

  • Diejenigen, die zur Zeit zum Nichtstun verdammt sind, weil sie ihrem Beruf nicht nachgehen oder ihren Betrieb nicht öffnen können – und kein Einkommen haben.
  • Diejenigen, die in Kurzarbeit sind oder nicht wissen, ob und wann sich das wieder ändert.
  • Diejenigen, die sich 24/7 um ihre Kinder kümmern müssen, die auch immer genervter sind, weil sie nicht mehr mit ihren Freunden spielen können, ihnen die Alltagsstruktur fehlt oder weil ihnen ihre genervten Eltern auf den Keks gehen.
  • Diejenigen, denen ihre von der Regierung eingeschränkte Freiheit fehlt – weil sie nicht zum Shoppen nach London fliegen oder keine Partys mehr machen dürfen, doofe Masken tragen müssen oder einfach, weil “jetzt einfach mal genug sein muss, die Alten und Kranken wären doch eh in nem halben Jahr gestorben”.
  • Diejenigen, die Angst haben, dass sämtliche Freiheitsrechte nie wieder kommen, wir alle nur ein Experiment der Regierung sind oder ganz allgemein die Weltherrschaft der Illuminaten fürchten.
  • Diejenigen, denen die Lockerungsüberbietungen der Landesväter und -mütter zu schnell geht, vor allem im Hinblick auf die Dummheit großer Teile der Bevölkerung, die offensichtlich plötzlich sämtliche Ab- und Anstandsregeln ignorieren.

Also eigentlich alle.

Auch ich bin genervt. In erster Linie ist da natürlich die Sorge ums wirtschaftliche Überleben, denn wie vor zwei Wochen geweissagt ist das Volk zwar kräftig unterwegs, aber die wenigsten kaufen auch ein.
Vor allem nerven aber die zunehmenden Schwurbler und Verschwörungstheoretiker, die “Ich setz mir doch keine Maske auf”-Typen, die naiven Gruppenkuschler, die “Anti-Corona-Demonstranten”. Ja, Kampf für Freiheit und Menschenrechte ist wichtig, bin ich normalerweise immer mit dabei. Im Augenblick ist aber nix normal. Und natürlich sind Diskussionen, ob die Maßnahmen richtig und gerechtfertigt sind, legitim. Diskussion heißt aber nicht egoistische Komplettverweigerung und Ausschalten des Resthirns.

Bei dieser generellen Stimmung fällt es schwer in den Chor derjenigen einzustimmen, die in dieser Krise eine Chance sehen – auf mehr Solidarität, mehr Menschlichkeit, mehr Irgendwas. Im Augenblick geht es nur darum, zumindest halbwegs ruhig zu bleiben, auch wenn die Zündschnur verdammt kurz ist, und sich möglichst auf die wenigen positiven Dinge zu fokussieren.

Corona nervt!

2+

Einsames Gelb

Die “gelbe Zeit” ist wieder angebrochen – der Raps steht in voller Blüte:

An diesem herrlichen Anblick können wir uns fast jedes Jahr erfreuen – und das machen wir auch meist.

Diese kleine Raps-Fotostory…

…entstand vor gerade mal einem Jahr.

Ja, damals konnte man noch problemlos reisen. Sich nahe sein. Und knuddeln!

Ob wir das bei der Rapsblüte im nächsten Jahr wieder können? Ich bitte doch drum. Spätestens!

3+

(Kein) Spaß beim Shopping

Ab morgen dürfen in Deutschland die meisten Geschäfte wieder öffnen. So weit, so gut, aber ist das dann noch das Shopping, das wir kennen und lieben?

In einem Buchladen will ich stöbern, mal nen Klappentext lesen oder gar querschmökern. In einem Bekleidungsladen will ich die Klamotten anfassen und anprobieren. Und in einem Dampfshop möchte ich Liquids testen – also all das tun, was ich im Internet eben nicht kann. Mitunter kommt noch, vielleicht bei einem Käffchen, der entspannte Schnack mit dem Verkäufer oder gar anderen Kunden dazu. Das sind die großen Unterschiede zum Bestellen im Netz: Produkte live sehen, anfassen, vielleicht an- oder ausprobieren können, die ausgiebige Beratung, die Emotionen.

In den Geschäften jetzt irgendwas anzugrabbeln würde ich mir verkneifen, selbst wenn es erlaubt ist. Der gemütliche Plausch entfällt auch, das ganze hat eher die Atmosphäre einer Verkaufsstelle. Das macht keinem Spaß – weder dem Verkäufer noch dem Kunden.

Klar, beim Baumarkt ist es anders als beim kleinen Einzelhändler. Und selbst dort tätigt manch einer auch zu “normalen” Zeiten seinen Einkauf, ganz ohne Kommunikationswunsch, in drei Minuten. Aber spätestens der gemütliche Einkauf zu zweit funktioniert in den ganz kleinen Läden schon nicht mehr. Zusätzlich entfällt auch die Möglichkeit, sich nach dem Shopping noch mit einem Eisbecher oder einem leckeren Essen im Restaurant zu belohnen. Wer geht denn da noch zu einem Einkaufsbummel in die Stadt?

Natürlich freut sich der ein oder andere, erstmal wieder in seinen Stammläden einkaufen zu können, aber es ist nun mal nicht das bekannte Erlebnis, und das werden viele Leute schnell merken. Vielleicht gewöhnen sie sich ja auch an die neuen – hoffentlich nur temporären – Umstände, ich habe da allerdings meine Zweifel.

Meine Prognose: Ab morgen kann man überall wieder shoppen – und kaum jemand bekommt es mit wird es nutzen…

2+

Legalize!

Liebe Bundesregierung,
ihr braucht dringend Geld – zum Beispiel durch üppige Steuereinnahmen?
Ihr wollt nach der Krise die Wirtschaft ankurbeln?
Und vor allem wollt ihr, dass das Volk bei schönstem Wetter und viel Freizeit zuhause auf dem Sofa rumhängt?
Ich hätte da nen Vorschlag.
#legalize

…schrub ich vor Kurzem in einem (a)sozialen Netzwerk. Und das war nicht (nur) lustig gemeint!

Mal ernsthaft, was soll denn der Scheiß? Warum sträuben sich seit Ewigkeiten sämtliche Regierungen (ja, auch rot-grün Anfang der 2000er), Cannabis zu legalisieren? Hat man Angst, dass aus dem Land der Dichter und Denker plötzlich ein Land der Kiffer wird? Natürlich würde es der ein oder andere nach einer Legalisierung mal ausprobieren, aber in kürzester Zeit wird sich das normalisieren – wer heute nicht kifft macht das übermorgen auch nicht, nur weil es plötzlich erlaubt ist.

Fakt ist doch: Es wurde früher gekifft, es wird heute gekifft, und es wird auch in Zukunft gekifft werden. Da dies in der Illegalität geschieht gibt es in der Sache aber fast nur Verlierer:

  • Der Konsument muss sich wie ein Kleinkrimineller “seinen Stoff” in Parks oder wo auch immer besorgen.
  • Wenn die Ware nicht kontrolliert wird kann sich kein Konsument sicher sein, dass er nicht schlechtes (ärgerlich) oder völlig überzüchtetes (gefährlich) Zeug bekommt.
  • Polizei und Justiz bindet Massen an Personal und Zeit zur Ermittlung, Verfolgung, Verhandlungen (und in den meisten Fällen anschließenden Einstellung des Verfahrens).

Wie unnötig ist das?

Ja, natürlich gibt es – wie bei allem Anderen auch – immer eine Gefahr des “Missbrauchs”: Zu viel, zu oft, zu undsoweiter. Aber diese Gefahr besteht bereits jetzt und ist ob der Tabuisierung eher größer. Abgesehen davon bleibt auch der Alkohol ein Genussmittel (das lecker Gläschen Rotwein zum Essen, das Feierabendbierchen), auch wenn es – leider – viel zu viel Alkoholkranke gibt. Im Übrigen: Richtiger Genuss (!) kann (und sollte) erlernt werden. Gilt für alles!

Damit sich die Entscheidungsträger etwas leichter tun wäre eine kontrollierte Abgabe ähnlich wie in den Niederlanden denkbar:

  • Kontrollierter Anbau
  • Zertifizierte Abgabestellen, am besten mit
  • Beratungsmöglichkeiten

Dies aufzubauen wird sicher seine Zeit dauern. Bis es soweit ist sollten als erster Schritt Besitz und Konsum generell erlaubt werden, ebenso der Selbstanbau für den Privatgebrauch, eventuell auch in sogenannten “Cannabis Social Clubs“, wie dies derzeit unter anderem in Spanien schon geschieht.

Also liebe Bundesregierung, ich weiß, ihr habt im Augenblick anderes zu tun (wobei dem ein oder anderen stay@home gechillter sicher deutlich leichter fallen würde), aber wenn der ganze Corona-Mist vorbei ist, dann solltet ihr endlich aktiv werden. Steuergelder und so, Wirtschaft ankurbeln und so. Wisster bescheid.

Bitte. Gerne.

Weiterführende Informationen zum Thema Legalisieren gibt es zum Beispiel beim Hanfverband.

4+

Auf und ab, hü und hott

Seit Anfang der Woche dürfen wir den Laden, wenn auch mit Auflagen, wieder öffnen. Da das Volk möglichst Zuhause bleiben soll – und sich zumindest teilweise auch daran hält – ist die Innenstadt natürlich relativ leer, weshalb wir auch nicht gerade überrannt werden. Aber die Kunden, die erscheinen, sind richtig glücklich und kommen meist auch mit den Hygieneregeln – und den damit verbundenen Einschränkungen – ganz gut klar. Soweit, so gut.

Natürlich kann ich derzeit unseren Personalschlüssel nicht halten: Die Öffnungszeiten sind reduziert, außerdem darf immer nur ein Kunde im Laden sein, und so steht halt an den einen Tagen der Festangestellte hinter dem Tresen, an den anderen Tagen der Cheffe. Spaß macht das nur bedingt, aber immerhin kommt ein bisschen Geld in die Kasse, und damit haben wir es deutlich besser getroffen als so manch anderer.

Der Erholungsfaktor an den freien Tagen ist trotzdem übersichtlich: Auch beim “Home-Office” stehe ich früh auf (schließlich wird bestellte Ware zu mir nach Hause geliefert, und man möchte den Nachbarn dann doch nicht zumuten, mal eben sechs Pakete à 15 Kilo anzunehmen), und es gibt nachwievor genug Kram, der erledigt werden will. Ganz abgesehen davon ist natürlich trotz der Öffnung die Situation weiterhin angespannt, der Kopf läuft permanent auf Hochtouren, die Nerven sind immer noch schwer strapaziert, und Entspannung fällt aus mehreren Gründen gerade recht schwer.

Jetzt stehen erst mal vier Tage Ruhe an. Am Samstag bleibt der Laden geschlossen – unser kleiner Beitrag zu stay@home – und ich hoffe, dann mal ein wenig runter zu kommen. Nötig wäre es, denn dass in absehbarer Zeit so etwas wie ein “Normalzustand” eintreten wird glaubt wohl inzwischen niemand mehr…

3+

Der kleine Covid (1)

  • Ich bin ein bekennender Couch-Potato, habe noch genug ungelesene Bücher und lange nicht mehr angeschaute DVDs, eine gute Internetverbindung und kann mich sehr gut alleine beschäftigen.
  • Dank moderner Kommunikationsmittel kann ich mit Leuten chatten, skypen, discordieren und telefonieren, außerdem verbringe ich meist die Abende mit der anderen Schnute, es steht also keine völlige Vereinsamung an.
  • Ich habe eine schöne, helle Wohnung, sogar mit Balkon, die ich ganz alleine bewohne, und muss mich nicht mit einem Partner und quängelnden Kindern auf engstem Raum zoffen arrangieren.
  • Obwohl ein “alter Sack” gehöre ich nicht zur Risikogruppe, bin nicht in Quarantäne, kann einkaufen gehen, mein Kühlschrank ist gut gefüllt und auch sonst ist (fast) alles Lebensnotwendige vorhanden.
  • Wirtschaftlich wird es natürlich auch bei mir eng, aber noch sind Rücklagen da, so dass ich nicht unmittelbar Gefahr laufe, alles Aufgebaute zu verlieren und mit völlig leeren Händen da zu stehen.

Ich habe also noch ziemliches Glück. Trotzdem geht mir nach nicht mal zwei Wochen diese Situation zunehmend auf den Keks: Die Nerven sind extrem dünn geworden, die Stimmungskurve zeigt nach unten und von sowas wie Ausgeglichenheit wollen wir mal gar nicht reden.

Mein Mitgefühl gilt all denjenigen, die zur Zeit so richtig in die Scheiße gegriffen haben.

Und ganz ehrlich: Die Entscheidung, wann zumindest einige der Schutzmaßnahmen aufgehoben – und somit der komplette wirtschaftliche und gesellschaftliche Kollaps verhindert – werden, zugleich aber der Zusammenbruch des Gesundheitssystem und eine üppig hohe Todesrate droht, möchte ich nicht treffen müssen.

Kackfass!

*Der kleine Covid möchte aus dem Spieleparadies abgeholt werden. Da er sich aber noch weigert wird er solange verblogt, bis er sich doch endlich verpisst. 

3+