Der kleine Covid (1)

  • Ich bin ein bekennender Couch-Potato, habe noch genug ungelesene Bücher und lange nicht mehr angeschaute DVDs, eine gute Internetverbindung und kann mich sehr gut alleine beschäftigen.
  • Dank moderner Kommunikationsmittel kann ich mit Leuten chatten, skypen, discordieren und telefonieren, außerdem verbringe ich meist die Abende mit der anderen Schnute, es steht also keine völlige Vereinsamung an.
  • Ich habe eine schöne, helle Wohnung, sogar mit Balkon, die ich ganz alleine bewohne, und muss mich nicht mit einem Partner und quängelnden Kindern auf engstem Raum zoffen arrangieren.
  • Obwohl ein “alter Sack” gehöre ich nicht zur Risikogruppe, bin nicht in Quarantäne, kann einkaufen gehen, mein Kühlschrank ist gut gefüllt und auch sonst ist (fast) alles Lebensnotwendige vorhanden.
  • Wirtschaftlich wird es natürlich auch bei mir eng, aber noch sind Rücklagen da, so dass ich nicht unmittelbar Gefahr laufe, alles Aufgebaute zu verlieren und mit völlig leeren Händen da zu stehen.

Ich habe also noch ziemliches Glück. Trotzdem geht mir nach nicht mal zwei Wochen diese Situation zunehmend auf den Keks: Die Nerven sind extrem dünn geworden, die Stimmungskurve zeigt nach unten und von sowas wie Ausgeglichenheit wollen wir mal gar nicht reden.

Mein Mitgefühl gilt all denjenigen, die zur Zeit so richtig in die Scheiße gegriffen haben.

Und ganz ehrlich: Die Entscheidung, wann zumindest einige der Schutzmaßnahmen aufgehoben – und somit der komplette wirtschaftliche und gesellschaftliche Kollaps verhindert – werden, zugleich aber der Zusammenbruch des Gesundheitssystem und eine üppig hohe Todesrate droht, möchte ich nicht treffen müssen.

Kackfass!

*Der kleine Covid möchte aus dem Spieleparadies abgeholt werden. Da er sich aber noch weigert wird er solange verblogt, bis er sich doch endlich verpisst. 

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Urlaub! Schön, aber… (2)

Nun habe ich meine – mindestens – vier Wochen Urlaub, aber so war das irgendwie nicht geplant.

schrub ich vor ein paar Tagen.

Tja, von Urlaubsfeeling ist bislang wenig zu spüren – allein das tägliche Stellen des Weckers, zumal weit ab der Komfortzone, lässt das nicht zu. Bis in den späten Nachmittag ist dann der Tag gefüllt von Telefonaten mit dem Steuerberater, der – im Ergebnis meist frustrierenden – Recherche nach möglichen Hilfen, dem Wühlen durch und Ausfüllen von Formularen und Anträgen und ähnlich erbaulicher Kurzweil. Der Anteil des “Homeoffice” – Kommunikation mit Kunden und Händlern, Warenannahme und Bestellungen – nimmt zwar nur einen kleinen, täglich geringer werdenden, Teil des Tages ein, lässt einen aber auch nicht wirklich den Schalter umlegen. Und dann sind da natürlich noch die Sorgen, die man sich um den Laden, seine Mitarbeiter und ganz zuletzt auch ein wenig um sich selbst macht: Wie lange bleiben die Läden geschlossen? Und wenn sie wieder öffnen dürfen – wann kehrt wieder so etwas wie Alltag ein? Werden wir die ganze Scheiße wirtschaftlich überleben?

Mal so richtig abschalten? Am Arsch!

Die Sorge um die körperliche Unversehrtheit meiner Lieben kann ich so halbwegs verdrängen – die ist sowieso ständiger Wegbegleiter. Wenn sich die ersten im Freundes- oder Familienkreis anstecken sieht das wahrscheinlich auch anders aus, aber bislang scheinen ja zum Glück alle verschont zu sein.

Für die nächsten Tage habe ich mir selbst ein wenig Entschleunigung auferlegt: Abschalten, ausschlafen, mal durchs leere Dorf spazieren, mit den Liebsten telefonieren, die schönen Dinge tun, die man in jedem Urlaub täte. Kraft sammeln! Diese werde ich brauchen um die nächsten Schritte anzugehen, denn der ganze Mist ist noch längst nicht ausgestanden. Mal sehen, wann dann wieder so ein richtiger Urlaub kommt – da wäre ich dann wahrscheinlich schon mit einer Woche mehr als zufrieden…

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Aber doch nicht damit!

Wir leben in Mitteleuropa seit 75 Jahren ohne Krieg, in, gemessen an anderen Regionen, üppigem Wohlstand, spätestens seit Wegfall des “eisernen Vorhangs” in einer ziemlich stabilen Demokratie und in großer Freiheit. Dass das ein Glücksfall ist sollte klar sein – und dass dies nicht immer so bleiben muss ebenfalls. Nun hätte ich ja mit einigen Möglichkeiten gerechnet, die dieses Gebilde ins Wanken bringen könnten:

  • Zerstörung der Freiheit, der Demokratie und der gesamten Gesellschaftsordnung durch wieder erstärkten Faschismus (was seit ein paar Jahren leider gar nicht mal so abwegig ist)
  • Vernichtung der Ernten mehrerer Jahre durch extreme Wetterkonstellationen
  • Zerstörung ganzer Wälder und Dörfer durch heftige Orkane und Tornados
  • Anhaltender, flächendeckender Stromausfall durch terroristische Hackerangriffe
  • Selbst einen Tsunami, der die gesamte Küstenregion komplett verwüstet, hätte ich nicht ausgeschlossen.

Aber dass eine verfickte Virus-Mutation die ganze Welt auf den Kopf stellt, damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet! 😮

Womit ich in einer solchen Ausnahmesituation durchaus gerechnet hätte sind Hamsterkäufe (aber nicht unbedingt damit, dass Klopapier das höchste Gut werden würde) und dass es ausreichend Hohlpfannen gibt, die unvernünftig sind und sich – und vor allem andere – in Gefahr bringen (nicht allerdings, dass es so viele Hohlpfannen geben würde).

Die Fragen, wie es weitergeht, wie lange die Beschränkungen anhalten, wie viele Leute die Scheiße überleben – gesundheitlich (die meisten) und wirtschaftlich (die wenigsten) – und gar was danach passiert kann heute – und wohl auf Wochen hinaus – niemand auch nur halbwegs seriös beantworten. Eines ist sicher: Ich rechne mittlerweile mit allem – und werde am Ende doch wohl wieder sagen “…aber doch nicht damit“.

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Urlaub! Schön, aber…

Ein wenig urlaubsreif bin ich ja schon länger. Die verlängerten Wochenenden, die ich mir zuletzt ab und an gegönnt habe, taten zwar gut, aber so richtiges Abschalten war natürlich nicht drin. “Mal so drei, besser vier Wochen Urlaub, das wärs” dachte ich letztens “aber das geht nunmal nicht”. Tja, nun habe ich meine – mindestens – vier Wochen Urlaub, aber so war das irgendwie nicht geplant.

Seit heute ist der Laden bis mindestens Mitte April geschlossen. In einigen Bundesländern gelten Dampfshops zwar (noch?) als notwendig für den täglichen Bedarf, aber das Verbot ist ja nur die eine Sache, die Gesundheit eben die andere. Ich trage nicht nur für die Gesundheit meiner drei Angestellten die Verantwortung, sondern auch eine kollektive – um die Ausbreitung des Virus einzudämmen müssen Kontakte im Augenblick einfach so gut es geht vermieden werden, und je weniger Läden geöffnet haben, um so einfacher ist dies durchzuziehen.

Generell sollten in dieser Situation noch weitaus mehr Einrichtungen geschlossen werden. Wer muss denn jetzt noch in ein Restaurant einkehren? Wozu müssen zum Beispiel Gartenbau-Center geöffnet bleiben? Ich bin weitab von Hysterie und Verbotswahn, aber hier muss einfach rigoroser durchgegriffen werden, da der Großteil des Volkes offensichtlich den letzten Rest Eigenverantwortung versoffen hat – anders sind fröhliche Happenings auf Spielplätzen und ausufernde “Corona-Partys” ja nicht zu erklären.

Natürlich schmerzt jeden Gewerbetreibenden eine Schließung – zumal bezweifelt werden darf, dass in vier Wochen die ganze Scheiße vorbei ist. Ja, es wird Härtefälle geben, Existenzängste, Insolvenzen. Es wird viele Leute treffen, wahrscheinlich noch viel mehr und viel härter, als man sich das jetzt ausmalen kann – zumal niemand zur Zeit voraussagen kann, was noch alles passiert. Trotzdem müssen wir da jetzt alle durch, hilft ja nix.

Ich bin mit der Schließung mit mir im Reinen, jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich die Lage in absehbarer Zeit beruhigt und wir die Kunden, von denen wir uns gestern noch mit “bleib gesund, bis bald” verabschiedet haben, auch wirklich bald gesund wiedersehen.

Und bis dahin mache ich – wenn auch etwas anders als geplant – Urlaub, urlaubsreif bin ich ja, nach den letzten Tagen erst recht…

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