Abgestiegen

Der Fußballfan sucht sich ja bekanntlich nicht „seinen“ Verein aus, sondern umgekehrt – sagt zumindest eine der vielen Fußballweisheiten, und dann muss es ja wohl stimmen. Manchmal vererbt sich die Vereinsliebe über Generationen, manchmal ist es einfach der dem Wohnort nächstgelegene Bundesligist, und es gibt auch genug „Fans“, die einfach dem erfolgreichsten Verein zujubeln – was wahrscheinlich auch die vielen Bayernsympathisanten erklärt.

Ich bin eben seit gut 40 Jahren Fan des Hamburger SV – warum auch immer, ist halt einfach so, ich kann nix dafür, siehe oben. Es gibt sicher Vereine, die von ihrer Art her viel besser zu mir passen würden. St.Pauli zum Beispiel, Union Berlin oder auch Freiburg. Es gibt auch Vereine, die sympathisch sind und – zumindest in den letzten Jahren – deutlich erfolgreicher waren, Dortmund oder Gladbach zum Beispiel. Aber bei mir ist es halt der HSV.

Dabei hat einem der Verein früher deutlich mehr Freude als Sorgen beschert: In meiner Kindheit wurde der HSV mehrfach deutscher Meister, dazu Sieger der Landesmeister (ja, so hieß früher die „Champions-League“) und Pokalsieger. Nach und nach ging es aber immer mehr bergab, und in den letzten vier Jahren wurde der Klassenerhalt dreimal erst am letzten Spieltag oder in der Verlängerung geschafft. Und in diesem Jahr erstmals gar nicht. Das erste mal in der Vereinsgeschichte steigt die erste Profi-Fußball-Mannschaft ab. Das erste mal in ihren 55 Jahren spielt die Bundesliga ohne den HSV. Natürlich ist das irgendwie irreal, zum Glück ist jetzt erst mal Sommerpause. Im nächsten Jahr geht es also gegen Heidenheim, Aue und Sandhausen, aber wenigstens entfällt dann die jährliche Klatsche gegen die Bayern. 😉

Nun gehen die meisten Fans und „Experten“ davon aus, dass der Abstieg nur ein einmaliger, vielleicht heilsamer Unfall war, und es in einem Jahr wieder hochgeht, im Idealfall direkt wieder in obere Tabellenregionen, wo „der HSV nun mal hingehört“. Ich bin da weniger zuversichtlich: So mancher Club hat sich zu einer Fahrstuhlmannschaft entwickelt, andere Absteiger sind direkt durchgereicht worden, und selbst deutsche Meister verschwanden schon in der Dritt- oder gar Viertklassigkeit – siehe Braunschweig, 1860 oder aktuell Kaiserslautern. Damit dies nicht geschieht wären Kontinuität und Besonnenheit in der Führungsetage wichtig, leider zeichnete genau das den Verein in den letzten Jahren eher weniger aus, besser gesagt: Gar nicht.

Jetzt drücke ich aber erst mal in der Relegation Holstein Kiel die Daumen. Zum einen finde ich es sympathisch, wenn ein kleiner Verein mit so wenig Mitteln mal hochkommt, zum anderen hat diese unsympathische Betriebssportgruppe aus der Autostadt bei Fallersleben den Abstieg mindestens genauso verdient wie der HSV.

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