Der kleine Covid (1)

  • Ich bin ein bekennender Couch-Potato, habe noch genug ungelesene Bücher und lange nicht mehr angeschaute DVDs, eine gute Internetverbindung und kann mich sehr gut alleine beschäftigen.
  • Dank moderner Kommunikationsmittel kann ich mit Leuten chatten, skypen, discordieren und telefonieren, außerdem verbringe ich meist die Abende mit der anderen Schnute, es steht also keine völlige Vereinsamung an.
  • Ich habe eine schöne, helle Wohnung, sogar mit Balkon, die ich ganz alleine bewohne, und muss mich nicht mit einem Partner und quängelnden Kindern auf engstem Raum zoffen arrangieren.
  • Obwohl ein “alter Sack” gehöre ich nicht zur Risikogruppe, bin nicht in Quarantäne, kann einkaufen gehen, mein Kühlschrank ist gut gefüllt und auch sonst ist (fast) alles Lebensnotwendige vorhanden.
  • Wirtschaftlich wird es natürlich auch bei mir eng, aber noch sind Rücklagen da, so dass ich nicht unmittelbar Gefahr laufe, alles Aufgebaute zu verlieren und mit völlig leeren Händen da zu stehen.

Ich habe also noch ziemliches Glück. Trotzdem geht mir nach nicht mal zwei Wochen diese Situation zunehmend auf den Keks: Die Nerven sind extrem dünn geworden, die Stimmungskurve zeigt nach unten und von sowas wie Ausgeglichenheit wollen wir mal gar nicht reden.

Mein Mitgefühl gilt all denjenigen, die zur Zeit so richtig in die Scheiße gegriffen haben.

Und ganz ehrlich: Die Entscheidung, wann zumindest einige der Schutzmaßnahmen aufgehoben – und somit der komplette wirtschaftliche und gesellschaftliche Kollaps verhindert – werden, zugleich aber der Zusammenbruch des Gesundheitssystem und eine üppig hohe Todesrate droht, möchte ich nicht treffen müssen.

Kackfass!

*Der kleine Covid möchte aus dem Spieleparadies abgeholt werden. Da er sich aber noch weigert wird er solange verblogt, bis er sich doch endlich verpisst. 

2+

Aber doch nicht damit!

Wir leben in Mitteleuropa seit 75 Jahren ohne Krieg, in, gemessen an anderen Regionen, üppigem Wohlstand, spätestens seit Wegfall des “eisernen Vorhangs” in einer ziemlich stabilen Demokratie und in großer Freiheit. Dass das ein Glücksfall ist sollte klar sein – und dass dies nicht immer so bleiben muss ebenfalls. Nun hätte ich ja mit einigen Möglichkeiten gerechnet, die dieses Gebilde ins Wanken bringen könnten:

  • Zerstörung der Freiheit, der Demokratie und der gesamten Gesellschaftsordnung durch wieder erstärkten Faschismus (was seit ein paar Jahren leider gar nicht mal so abwegig ist)
  • Vernichtung der Ernten mehrerer Jahre durch extreme Wetterkonstellationen
  • Zerstörung ganzer Wälder und Dörfer durch heftige Orkane und Tornados
  • Anhaltender, flächendeckender Stromausfall durch terroristische Hackerangriffe
  • Selbst einen Tsunami, der die gesamte Küstenregion komplett verwüstet, hätte ich nicht ausgeschlossen.

Aber dass eine verfickte Virus-Mutation die ganze Welt auf den Kopf stellt, damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet! 😮

Womit ich in einer solchen Ausnahmesituation durchaus gerechnet hätte sind Hamsterkäufe (aber nicht unbedingt damit, dass Klopapier das höchste Gut werden würde) und dass es ausreichend Hohlpfannen gibt, die unvernünftig sind und sich – und vor allem andere – in Gefahr bringen (nicht allerdings, dass es so viele Hohlpfannen geben würde).

Die Fragen, wie es weitergeht, wie lange die Beschränkungen anhalten, wie viele Leute die Scheiße überleben – gesundheitlich (die meisten) und wirtschaftlich (die wenigsten) – und gar was danach passiert kann heute – und wohl auf Wochen hinaus – niemand auch nur halbwegs seriös beantworten. Eines ist sicher: Ich rechne mittlerweile mit allem – und werde am Ende doch wohl wieder sagen “…aber doch nicht damit“.

3+

Ein Träumchen

Einmal im Jahr gebe ich ja dem Schicksal in Form eines Lottotips die Chance – bislang hat es, nämlich das Schicksal, sich allerdings noch nicht darauf eingelassen. Man träumt dennoch ein wenig vor sich hin was man machen würde, wenn man sich um den täglichen Gelderwerb nicht mehr kümmern müsste: Natürlich mehr Freizeit genießen, deutlich mehr Zeit mit den Freunden verbringen, und sicher die ein oder andere interessante Ecke in diesem Land – oder auch darüber hinaus – besuchen, die man immer schon mal sehen wollte. Ein kleines Träumchen wäre es allerdings auch, einen Dampferladen zu betreiben…

Jaaa, ich betreibe bereits einen, aber dieser wäre dann doch etwas anders. Er läge wahrscheinlich ein wenig abseits der Innenstadt, wäre sehr gemütlich eingerichtet mit bequemen Ledersesseln, eher eine Lounge denn ein Laden, mit schicken Vitrinen abseits des schwedischen Einrichtungshauses für Standard-Dampfershops. Im Sortiment hätte man bis auf ein – durchaus etwas höherpreisiges – Einsteigergerät und ein, zwei ausgefallene Midprice-Geräte ausschließlich feinste HighEnd-Ware. Dazu richtig ausgefallene Liquids, edle und seltene Aromen – von jeder Sorte nur eine überschaubare Menge – die dann in feinen Tröpflern zur Verkostung gereicht würden.

Symbolfoto

Geöffnet wäre der Laden vielleicht nur von Mittwoch bis Samstag, dann auch erst ab nachmittags, mit offenem Ende – je nach Bedarf. Er wäre ein Treffpunkt für Genießer, Hobby- und Leidenschaftsdampfer, fast schon ein kleiner “Club”, offen für jeden Interessenten der gepflegten Dampferei.

Ein kleines, engagiertes Team würde den Laden betreiben, wobei ebenso wichtig wie der Ver- der Einkäufer wäre, der es, gut vernetzt, immer wieder schafft, auch die exotischsten Geräte zu besorgen und der ein feines Näschen für Neues und Ausgefallenes besitzt.

Dummerweise wäre damit nicht ernsthaft Geld zu verdienen. Aber spätestens nächstes Jahr bekommt das Schicksal ja wieder eine Chance, und bis dahin betreibt man den bestehenden Laden, in dem man ja bereits ein paar Teile seines Träumchens umsetzt, eben weiterhin. Schließlich bringt das ja auch Spaß, und offensichtlich macht man die Arbeit auch gar nicht so schlecht.

5+

Sie werden ja so schnell erwachsen…

“An den Kindern merkt ihr, wie schnell die Zeit vergeht” sagt der Volksmund. Also bei “meinem Kind” stimmt das irgendwie nur bedingt:

25 Jahre alt ist Jörgele heute bereits geworden! Und irgendwie ist an ihm das Vierteljahrhundert weitaus spurloser vorbeigegangen als bei mir. 😉

Anscheinend hat der Volksmund doch recht…

5+

Wir hatten die Wahl…

Eine Woche ist die Bundestagswahl nun vorbei, Zeit, das Ergebnis zu verdauen und sich ein paar Gedanken zu machen.

Das Volk hat nicht nur von der GroKo die Schnauze voll, sondern generell von den “Volksparteien”. Verständlich, außer Verwaltung des Status Quo, mäßiger Innovation und hohlen Phrasen kommt dort seit Jahren nichts mehr, mal von der “Ehe für alle”, die seit heute möglich ist – und deren Durchsetzung unverschämt lange auf sich warten ließ – abgesehen. Aber wenn man solche Slogans auf Wahlplakaten liest – bitte, was soll man da noch machen außer sich mit Grausen abzuwenden?

Dieses Plakat direkt über einen Mülleimer zu hängen – Absicht oder Zufall? Egal, passender geht es kaum!

Ob die ehemals sozialdemokratische Partei die vier Jahre Opposition nutzt und sich ihrer ursprünglichen Werte und Positionen erinnert? Das mag sogar sein. Aber jetzt gegen Mutti verbal nachzutreten ist jedenfalls schon mal peinlich, schließlich haben die Sozen die Politik der letzten Jahre mitgetragen, darüber hinaus tragen sie, zusammen mit der ehemaligen Öko- und Friedenspartei, die größte Schuld an der sozialen Schieflage in diesem Land – und damit auch am Ausgang der jetzigen Wahl.

Das erste mal seit bald 85 Jahren zog also wieder eine faschistische Partei in den Bundestag ein. Nein, nicht alle, die diese “Alternative” gewählt haben sind Nazis – aber sie haben eben Nazis gewählt! Dennoch ist der Reflex, über die ganzen “Idioten” abzuhöken, möglichst peinliche Vertreter dieser Menschengruppe in Satiresendungen vorzuführen und einzelne Personen als “Schuldige” für diese Situation zu suchen in meinen Augen kontraproduktiv. Auch wenn sich diese Partei innerhalb der nächsten vier Jahre wunderbar selbst zerfleischen wird – es gibt nun mal Menschen, die diese Ängste und Sorgen haben und – entweder aus Überzeugung oder aus Protest – dieser Partei ihre Stimme gaben. Die von jener Art des Systems Überzeugten wird man nicht “bekehren” können, aber die Protestler, die mit dem jetzigen System und der Regierungsverwaltung Unzufriedenen, die sollte man mit einer durchdachten, sinnvollen und engagierten Politik wieder gewinnen können.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die voraussichtliche Jamaika-Regierung in den nächsten vier Jahren bis zu ihrer Abwahl nicht all zu viel Unheil anrichtet und sich besonnen auch um die kümmert, die sich gerade abgehängt fühlen. Ein Rechtsruck ist da übrigens nicht der sinnvollste Weg. Wie las ich heute so schön in einem Tweet:

“Wenn ein Boot nach rechts neigt und zu sinken droht, ist die Lösung nicht, sich von der linken Seite zu entfernen.”

@twitter.com/eingenickt

Also, liebe Volksvertreter, die ihr mit meinen üppigen Steuergeldern bezahlt werdet: Mal die Reflexe bremsen und ein wenig nachdenken! Ja, ist viel verlangt und auch ungewohnt, aber nur Mut, ihr schafft das!

Und zum Abschluss: Kultur!

1+

Und danach?

Irgendwann wird es mit dem Laden vorbei sein. Entweder mittelfristig, den Marktgesetzen folgend – groß frisst klein – oder, womit ich eher rechne, schon wesentlich früher, weil die Dampferei aus einer Mischung aus Ahnungslosigkeit und Geldgier tot reguliert wird. Natürlich kann es auch noch tausend andere Gründe geben, wie auch immer, irgendwann werden wir halt den Schlüssel endgültig rumdrehen. Was aber kommt danach? Also nachdem man erst mal eine Woche durchgeschlafen hat?

Meine Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt sind nicht wirklich gestiegen: Aus meinen alten Berufen bin ich entweder zu lang raus oder war nie richtig drin. Einen ehemaligen Selbständigen einzustellen werden sich die meisten Personalchefs nicht antun, dazu noch einen, der um die 50 ist. So richtig kann ich es mir auch gerade nicht vorstellen, wieder irgendwo in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Seit zwei Jahren gebe ich – zusammen mit Benedikt – Kurs und Takt vor. Ich arbeite an unserem Baby. Und dann sollte ich plötzlich wieder…? Den Eurojackpot zu knacken dürfte wahrscheinlicher sein als anschließend einen “Traumjob” zu finden, selbst wenn ich weiterhin kein Lotto spiele. Aber für wie wahrscheinlich habe ich es vor drei Jahren gehalten, mich mit einem Dampferladen selbständig zu machen, und damit sogar recht erfolgreich zu sein? Eben.

Und sich direkt anschließend etwas Neues – in einer anderen Branche – aufzubauen? Eher unwahrscheinlich. Es lief bei uns so gut, so viel Glück kann man einfach nicht immer haben. Außerdem lebt das ganze von der Leidenschaft, die man  benötigt, wenn man Erfolg haben will, lebt davon, das Hobby zum Beruf zu machen, und das lässt sich nun mal nicht beliebig oft wiederholen.

Auch wenn wir beide gerade heftig an unsere Grenzen stoßen – lange können wir das, ohnehin schon reduzierte, Tempo nicht mehr halten -, urlaubsreif sind und auch gegen etwas mehr freie Zeit nichts einzuwenden hätten – es darf gerne noch ein Weilchen dauern, bis “die Zeit danach” anbricht.

Und irgendwie wird es dann schon weitergehen.

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Menschenwürde

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sofern du alt, krank und beginnend dement in ein Pflegeheim einziehst gibst du deine Würde allerdings an der Pforte des Pflegeheims ab.

Das liegt nicht unbedingt am Pflegepersonal, das sicherlich sein bestes gibt. Auch nicht unbedingt am Haus selbst, das seniorengerecht und vielleicht sogar ganz schön eingerichtet ist. Das liegt in erster Linie daran, dass du, häufig in völliger Reizarmut, einfach nur apathisch da liegst, nichts alleine machen und deine Bedürfnisse, wenn überhaupt, nur sehr vage äußern kannst. Du begibst dich vollkommen in die Hände anderer, völlig fremder Menschen. Weder für Intimität noch für Würde ist da Zeit oder Raum.

Ob das Leben der Angehörigen, die dieses Leid hautnah miterleben und so gut wie nicht helfen können, die mit ansehen müssen, wie der geliebte Mensch immer weniger er selbst ist, immer mehr abbaut, verfällt, nicht wissend, wie viel der andere wirklich wahrnimmt, ob das nun wesentlich würdevoller ist, sei dahin gestellt – spätestens dann, wenn trotz eines arbeitsreichen und bescheidenen Lebens das Geld für die Pflege nicht ausreicht und man als Bittsteller beim Sozialamt steht, ist sie am Arsch, die Menschenwürde.

Seit vielen Jahren habe ich eine Patientenverfügung, die regeln soll, dass ich nicht über Jahre hinweg an Schläuchen angeschlossen, eventuell künstlich beatmet und ernährt, vor mich hin vegetieren müsste sondern in Würde gehen kann. Was aber, wenn alle lebenserhaltenden Organe des Körpers noch funktionieren? Du lebst noch, aber hat das wirklich noch was mit Würde zu tun?

Memo an mich: Patientenverfügung dringend bekräftigen… und politisches Engagement in Punkto Legalisierung der Sterbehilfe deutlich verstärken.

Soundtrack der Zugfahrt des Tages: Mono Inc. “An klaren Tagen”, Pianoversion

Fotos entfallen aus Gründen.

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Die sprechen nicht für mich!

Es ist mir ein persönliches Bedürfnis, nochmal etwas klar zu stellen:

Dies ist nicht meine Regierung, ich habe diese Volksvertretung nicht gewählt!

Diese Regierung vertritt nicht meine Meinung, nicht bei ihrer Sozialpolitik, Flüchtlingspolitik, Drogenpolitik, Bildungspolitik, Rüstungspolitik. Das Aussitzen sämtlicher Probleme finde ich genauso unmöglich wie das Ausspähen der eigenen Bürger (und der mit der Ausspähung verbundenen Kriecherei in den amerikanischen Enddarm). Das Zögern in der Gleichstellung von Homosexuellen ist peinlich, das Verhalten dieser Regierung in der Europäischen Frage generell, zu Griechenland im Speziellen, finde ich zutiefst menschenverachtend. Das Verhalten der Presse zu diesem Thema übrigens ebenso. Gerne verweise ich an dieser Stelle auf den heutigen gestrigen Beitrag des Kiezneurotikers zum Thema Europa an sich und der Rolle Deutschlands darin.

Wenn ich schon mal beim Distanzieren bin: Die Stammtischparolen großer Teile unserer Bevölkerung widern mich genau so an! Das Volk kann man dummerweise ja nicht abwählen, die Regierung schon, was allerdings schwierig ist, wenn Scheißhausparolen von Volk und Regierung Hand in Hand gehen. Anscheinend stimmt der Spruch doch, dass jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient.

Ich habe von meinem Wahlrecht Gebrauch gemacht, politische Blogs und Aufklärungsarbeit betrieben. Ich bin bei Demos mitgelatscht und habe Petitionen mitgezeichnet. Erfolg: Null! Ich ziehe mich jetzt wieder auf meine “Dampfer-Insel” zurück – die im Übrigen auch bereits durch unsere Lobbyregierung bedroht ist. Liebe Volksverräter, leckt mich am Arsch – mit euch habe ich nix am Hut!

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