Ein Träumchen

Einmal im Jahr gebe ich ja dem Schicksal in Form eines Lottotips die Chance – bislang hat es, nämlich das Schicksal, sich allerdings noch nicht darauf eingelassen. Man träumt dennoch ein wenig vor sich hin was man machen würde, wenn man sich um den täglichen Gelderwerb nicht mehr kümmern müsste: Natürlich mehr Freizeit genießen, deutlich mehr Zeit mit den Freunden verbringen, und sicher die ein oder andere interessante Ecke in diesem Land – oder auch darüber hinaus – besuchen, die man immer schon mal sehen wollte. Ein kleines Träumchen wäre es allerdings auch, einen Dampferladen zu betreiben…

Jaaa, ich betreibe bereits einen, aber dieser wäre dann doch etwas anders. Er läge wahrscheinlich ein wenig abseits der Innenstadt, wäre sehr gemütlich eingerichtet mit bequemen Ledersesseln, eher eine Lounge denn ein Laden, mit schicken Vitrinen abseits des schwedischen Einrichtungshauses für Standard-Dampfershops. Im Sortiment hätte man bis auf ein – durchaus etwas höherpreisiges – Einsteigergerät und ein, zwei ausgefallene Midprice-Geräte ausschließlich feinste HighEnd-Ware. Dazu richtig ausgefallene Liquids, edle und seltene Aromen – von jeder Sorte nur eine überschaubare Menge – die dann in feinen Tröpflern zur Verkostung gereicht würden.

Symbolfoto

Geöffnet wäre der Laden vielleicht nur von Mittwoch bis Samstag, dann auch erst ab nachmittags, mit offenem Ende – je nach Bedarf. Er wäre ein Treffpunkt für Genießer, Hobby- und Leidenschaftsdampfer, fast schon ein kleiner „Club“, offen für jeden Interessenten der gepflegten Dampferei.

Ein kleines, engagiertes Team würde den Laden betreiben, wobei ebenso wichtig wie der Ver- der Einkäufer wäre, der es, gut vernetzt, immer wieder schafft, auch die exotischsten Geräte zu besorgen und der ein feines Näschen für Neues und Ausgefallenes besitzt.

Dummerweise wäre damit nicht ernsthaft Geld zu verdienen. Aber spätestens nächstes Jahr bekommt das Schicksal ja wieder eine Chance, und bis dahin betreibt man den bestehenden Laden, in dem man ja bereits ein paar Teile seines Träumchens umsetzt, eben weiterhin. Schließlich bringt das ja auch Spaß, und offensichtlich macht man die Arbeit auch gar nicht so schlecht.

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Sie werden ja so schnell erwachsen…

„An den Kindern merkt ihr, wie schnell die Zeit vergeht“ sagt der Volksmund. Also bei „meinem Kind“ stimmt das irgendwie nur bedingt:

25 Jahre alt ist Jörgele heute bereits geworden! Und irgendwie ist an ihm das Vierteljahrhundert weitaus spurloser vorbeigegangen als bei mir. 😉

Anscheinend hat der Volksmund doch recht…

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Wir hatten die Wahl…

Eine Woche ist die Bundestagswahl nun vorbei, Zeit, das Ergebnis zu verdauen und sich ein paar Gedanken zu machen.

Das Volk hat nicht nur von der GroKo die Schnauze voll, sondern generell von den „Volksparteien“. Verständlich, außer Verwaltung des Status Quo, mäßiger Innovation und hohlen Phrasen kommt dort seit Jahren nichts mehr, mal von der „Ehe für alle“, die seit heute möglich ist – und deren Durchsetzung unverschämt lange auf sich warten ließ – abgesehen. Aber wenn man solche Slogans auf Wahlplakaten liest – bitte, was soll man da noch machen außer sich mit Grausen abzuwenden?

Dieses Plakat direkt über einen Mülleimer zu hängen – Absicht oder Zufall? Egal, passender geht es kaum!

Ob die ehemals sozialdemokratische Partei die vier Jahre Opposition nutzt und sich ihrer ursprünglichen Werte und Positionen erinnert? Das mag sogar sein. Aber jetzt gegen Mutti verbal nachzutreten ist jedenfalls schon mal peinlich, schließlich haben die Sozen die Politik der letzten Jahre mitgetragen, darüber hinaus tragen sie, zusammen mit der ehemaligen Öko- und Friedenspartei, die größte Schuld an der sozialen Schieflage in diesem Land – und damit auch am Ausgang der jetzigen Wahl.

Das erste mal seit bald 85 Jahren zog also wieder eine faschistische Partei in den Bundestag ein. Nein, nicht alle, die diese „Alternative“ gewählt haben sind Nazis – aber sie haben eben Nazis gewählt! Dennoch ist der Reflex, über die ganzen „Idioten“ abzuhöken, möglichst peinliche Vertreter dieser Menschengruppe in Satiresendungen vorzuführen und einzelne Personen als „Schuldige“ für diese Situation zu suchen in meinen Augen kontraproduktiv. Auch wenn sich diese Partei innerhalb der nächsten vier Jahre wunderbar selbst zerfleischen wird – es gibt nun mal Menschen, die diese Ängste und Sorgen haben und – entweder aus Überzeugung oder aus Protest – dieser Partei ihre Stimme gaben. Die von jener Art des Systems Überzeugten wird man nicht „bekehren“ können, aber die Protestler, die mit dem jetzigen System und der Regierungsverwaltung Unzufriedenen, die sollte man mit einer durchdachten, sinnvollen und engagierten Politik wieder gewinnen können.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die voraussichtliche Jamaika-Regierung in den nächsten vier Jahren bis zu ihrer Abwahl nicht all zu viel Unheil anrichtet und sich besonnen auch um die kümmert, die sich gerade abgehängt fühlen. Ein Rechtsruck ist da übrigens nicht der sinnvollste Weg. Wie las ich heute so schön in einem Tweet:

„Wenn ein Boot nach rechts neigt und zu sinken droht, ist die Lösung nicht, sich von der linken Seite zu entfernen.“

@twitter.com/eingenickt

Also, liebe Volksvertreter, die ihr mit meinen üppigen Steuergeldern bezahlt werdet: Mal die Reflexe bremsen und ein wenig nachdenken! Ja, ist viel verlangt und auch ungewohnt, aber nur Mut, ihr schafft das!

Und zum Abschluss: Kultur!

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Und danach?

Irgendwann wird es mit dem Laden vorbei sein. Entweder mittelfristig, den Marktgesetzen folgend – groß frisst klein – oder, womit ich eher rechne, schon wesentlich früher, weil die Dampferei aus einer Mischung aus Ahnungslosigkeit und Geldgier tot reguliert wird. Natürlich kann es auch noch tausend andere Gründe geben, wie auch immer, irgendwann werden wir halt den Schlüssel endgültig rumdrehen. Was aber kommt danach? Also nachdem man erst mal eine Woche durchgeschlafen hat?

Meine Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt sind nicht wirklich gestiegen: Aus meinen alten Berufen bin ich entweder zu lang raus oder war nie richtig drin. Einen ehemaligen Selbständigen einzustellen werden sich die meisten Personalchefs nicht antun, dazu noch einen, der um die 50 ist. So richtig kann ich es mir auch gerade nicht vorstellen, wieder irgendwo in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Seit zwei Jahren gebe ich – zusammen mit Benedikt – Kurs und Takt vor. Ich arbeite an unserem Baby. Und dann sollte ich plötzlich wieder…? Den Eurojackpot zu knacken dürfte wahrscheinlicher sein als anschließend einen “Traumjob” zu finden, selbst wenn ich weiterhin kein Lotto spiele. Aber für wie wahrscheinlich habe ich es vor drei Jahren gehalten, mich mit einem Dampferladen selbständig zu machen, und damit sogar recht erfolgreich zu sein? Eben.

Und sich direkt anschließend etwas Neues – in einer anderen Branche – aufzubauen? Eher unwahrscheinlich. Es lief bei uns so gut, so viel Glück kann man einfach nicht immer haben. Außerdem lebt das ganze von der Leidenschaft, die man  benötigt, wenn man Erfolg haben will, lebt davon, das Hobby zum Beruf zu machen, und das lässt sich nun mal nicht beliebig oft wiederholen.

Auch wenn wir beide gerade heftig an unsere Grenzen stoßen – lange können wir das, ohnehin schon reduzierte, Tempo nicht mehr halten -, urlaubsreif sind und auch gegen etwas mehr freie Zeit nichts einzuwenden hätten – es darf gerne noch ein Weilchen dauern, bis “die Zeit danach” anbricht.

Und irgendwie wird es dann schon weitergehen.

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Menschenwürde

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sofern du alt, krank und beginnend dement in ein Pflegeheim einziehst gibst du deine Würde allerdings an der Pforte des Pflegeheims ab.

Das liegt nicht unbedingt am Pflegepersonal, das sicherlich sein bestes gibt. Auch nicht unbedingt am Haus selbst, das seniorengerecht und vielleicht sogar ganz schön eingerichtet ist. Das liegt in erster Linie daran, dass du, häufig in völliger Reizarmut, einfach nur apathisch da liegst, nichts alleine machen und deine Bedürfnisse, wenn überhaupt, nur sehr vage äußern kannst. Du begibst dich vollkommen in die Hände anderer, völlig fremder Menschen. Weder für Intimität noch für Würde ist da Zeit oder Raum.

Ob das Leben der Angehörigen, die dieses Leid hautnah miterleben und so gut wie nicht helfen können, die mit ansehen müssen, wie der geliebte Mensch immer weniger er selbst ist, immer mehr abbaut, verfällt, nicht wissend, wie viel der andere wirklich wahrnimmt, ob das nun wesentlich würdevoller ist, sei dahin gestellt – spätestens dann, wenn trotz eines arbeitsreichen und bescheidenen Lebens das Geld für die Pflege nicht ausreicht und man als Bittsteller beim Sozialamt steht, ist sie am Arsch, die Menschenwürde.

Seit vielen Jahren habe ich eine Patientenverfügung, die regeln soll, dass ich nicht über Jahre hinweg an Schläuchen angeschlossen, eventuell künstlich beatmet und ernährt, vor mich hin vegetieren müsste sondern in Würde gehen kann. Was aber, wenn alle lebenserhaltenden Organe des Körpers noch funktionieren? Du lebst noch, aber hat das wirklich noch was mit Würde zu tun?

Memo an mich: Patientenverfügung dringend bekräftigen… und politisches Engagement in Punkto Legalisierung der Sterbehilfe deutlich verstärken.

Soundtrack der Zugfahrt des Tages: Mono Inc. “An klaren Tagen”, Pianoversion

Fotos entfallen aus Gründen.

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Die sprechen nicht für mich!

Es ist mir ein persönliches Bedürfnis, nochmal etwas klar zu stellen:

Dies ist nicht meine Regierung, ich habe diese Volksvertretung nicht gewählt!

Diese Regierung vertritt nicht meine Meinung, nicht bei ihrer Sozialpolitik, Flüchtlingspolitik, Drogenpolitik, Bildungspolitik, Rüstungspolitik. Das Aussitzen sämtlicher Probleme finde ich genauso unmöglich wie das Ausspähen der eigenen Bürger (und der mit der Ausspähung verbundenen Kriecherei in den amerikanischen Enddarm). Das Zögern in der Gleichstellung von Homosexuellen ist peinlich, das Verhalten dieser Regierung in der Europäischen Frage generell, zu Griechenland im Speziellen, finde ich zutiefst menschenverachtend. Das Verhalten der Presse zu diesem Thema übrigens ebenso. Gerne verweise ich an dieser Stelle auf den heutigen gestrigen Beitrag des Kiezneurotikers zum Thema Europa an sich und der Rolle Deutschlands darin.

Wenn ich schon mal beim Distanzieren bin: Die Stammtischparolen großer Teile unserer Bevölkerung widern mich genau so an! Das Volk kann man dummerweise ja nicht abwählen, die Regierung schon, was allerdings schwierig ist, wenn Scheißhausparolen von Volk und Regierung Hand in Hand gehen. Anscheinend stimmt der Spruch doch, dass jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient.

Ich habe von meinem Wahlrecht Gebrauch gemacht, politische Blogs und Aufklärungsarbeit betrieben. Ich bin bei Demos mitgelatscht und habe Petitionen mitgezeichnet. Erfolg: Null! Ich ziehe mich jetzt wieder auf meine “Dampfer-Insel” zurück – die im Übrigen auch bereits durch unsere Lobbyregierung bedroht ist. Liebe Volksverräter, leckt mich am Arsch – mit euch habe ich nix am Hut!

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Säbelrasseln

In diesem Jahr gedenken wir des Beginns des ersten Weltkrieges vor 100 und des zweiten vor 75 Jahren. Wir feiern – die einen mehr, die anderen weniger – 25 Jahre Mauerfall, damit einhergehend auch ein Vierteljahrhundert Beendigung des “kalten Krieges”. Wir in Westeuropa erleben gerade wahrscheinlich den längsten Zeitraum ohne Krieg – jedenfalls ohne den im klassischen Sinne, den Irrsinn des Krieges hat kaum noch jemand der hier Geborenen live erlebt, wir kennen ihn nur aus Erzählungen, Filmen, Berichten von Zeitzeugen. Ließe man jetzt mal die immer stärker werdende soziale Spaltung außer Acht (und ebenso die europäische Flüchtlingspolitik) könnten wir eigentlich von einem friedlichen, entspannten, schönen Leben sprechen. Offensichtlich zu entspannt, zu schön, und vor allem zu friedlich.

Dass sich die Vollhonks in und um Israel gegenseitig die Köpfe wegschießen – bitte, das geht seit Jahrzehnten so, kennt man eigentlich gar nicht anders. Dass der Ami hin und wieder irgendwo einmarschiert um fremden Völkern die Demokratie notfalls mit Waffengewalt einzubläuen, jo, ist halt so, offensichtlich braucht er das. Dass es immer irgendwelche durchgeknallten Religionsführer gibt, die Menschen ihren Glauben aufzwingen wollen, geschenkt, wir hatten vor ein paar hundert Jahren unsere Kreuzzüge, der Extremislamist hat sie eben jetzt. Und dass die Deutschen seit Jahren bei den Waffenexporten ganz dick mitmischen wird sich nicht verhindern lassen, schließlich geht’s ja um dicke Geschäfte Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie. Der Mensch an sich ist anscheinend einfach nur bekloppt nicht in der Lage, friedlich miteinander umzugehen. Buddelkiste, Förmchen, Fresse dick.

Nun markiert Putin seit geraumer Zeit den dicken Max. Da kann “der Westen” natürlich die Füße nicht stillhalten, wobei er das seit dem Wegfall des eisernen Vorhangs eigentlich nie getan hat, nur bislang eben mit friedlichen Mitteln wirtschaftlicher Überzeugungskraft statt mit hochgereckter Faust. Aber wenn schon die Faust gereckt wird, muss der Deutsche neuerdings mitrecken: Unser pastoraler Präsidentendarsteller faselt von Verantwortung, die Truppenursel sorgt sich auch nicht mehr ausschließlich um die familiäre Aufrüstung, und selbst das Grün der Grünen ist mittlerweile oliv. Und Putin ist ja nicht der einzige “lupenreine Demokrat”, der auf die lupenreine Demokratie scheißt, immer mehr Despoten tauchen auf, zuletzt in der Türkei. Hierzulande verhindert der engagierte Wutbürger immerhin die Neubebauung einer riesigen Freifläche oder olympische Winterspiele, aber generell scheint auch hier die Demokratiefolklore zu bröckeln: Der Urnenpöbel stellt plötzlich fest, dass die etablierten Parteien alle nicht wählbar sind (womit ich dem Urnenpöbel ja auch recht gebe) und macht sein Kreuzchen immer häufiger ganz weit rechts. Noch sind es in erster Linie die abgehängten Regionen, in denen protestgewählt wird, in der Breite der Bevölkerung ist es noch halbwegs still, dem Gefasel vom wirtschaftlichen Aufschwung sei Dank.

Das alles zusammengenommen bereitet mir Sorgen. Ich gehöre zur Generation derer, für die es Anfang der 80er nur die Frage war, ob der Wald friedlich vor sich hinsterben oder doch von ner Atombombe weggebrettert würde. Nun zeigt natürlich die Erfahrung, dass der ganze damalige Aufrüstungswahnsinn nicht zum Krieg führte, und auch der Wald steht noch, mehr oder weniger gesund, da so rum. Aber wird es immer so friedlich ausgehen? Damals trugen die Menschen ihre Sorgen vor dem Krieg – egal ob vor der Haustüre oder im Irak – noch auf die Straße, 100.000 demonstrierten gegen die Aufrüstung, so viele Menschen bekommst du heute nur zusammen, wenn ein Fußballweltmeister gefeiert werden soll. Nein, genutzt haben diese Proteste schon damals nichts, ich habe nur einfach das Gefühl, die Mehrheit der hiesigen Bevölkerung ist sich des Luxus des Friedens – und der momentanen Situation – gar nicht bewusst. Was man tun kann? Woher soll ich das wissen? Als religiöser Mensch vielleicht ein bisschen mehr beten, ansonsten kann man wohl nur hoffen, dass es beim Säbelrasseln bleibt und unsere Politmischpoke doch noch nen letzten Rest Vernunft besitzt…

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Das Spiel mit den Illusionen

“Dort wohnen, wo andere Urlaub machen!” Mit diesem Slogan werben viele Urlaubsgebiete, auch an der mecklenburgischen Ostseeküste sah ich schon das ein oder andere Plakat mit dieser Verlockung. Denn eine Verlockung ist es: Urlaub an der Küste – damit assoziiert man Strand, Meer, Sonne (ja, doch, die scheint auch in Meck Pomm, und zwar gar nicht so selten!), ausschlafen, schöne Ausflüge in die reizvolle Landschaft, Erholung, die Seele baumeln lassen, den täglichen Ballast einfach mal vergessen, Kraft tanken. Und solche Slogans sind nicht mal geschönt, denn sie versprechen ja nicht “ewigen Urlaub” sondern lediglich dort zu wohnen, wo andere Urlaub machen. Wo andere Urlaub machen! Denn wenn man dort wohnt befindet man sich eben nicht mehr im Urlaub. Es ist Alltag, und da wird man – egal ob hier oder in Touristengebieten – weder die Seele noch die Beine baumeln lassen, schon gar nicht im Meer. Die Ausflüge in die – nachwievor reizvolle – Landschaft beschränken sich auf die Wochenenden, der tägliche Ballast ist allgegenwärtig, der Erholungsfaktor ist nicht wesentlich größer als an anderen Orten. Und dann sind da ja noch die Touristen, die einem mit ihrer Mischung aus Behäbig- und Gelassenheit die Nerven rauben, die den Lieblingsstrandplatz okkupieren, den man, als man noch selbst als Tourist hier war, für sich entdeckt hat, die für Schlangen an den Supermarktkassen und auf den Landstraßen sorgen. Als man selbst noch Tourist war störte einen all dies nicht, im Gegenteil. Hektik? Nein, demnächst wieder. Man ist schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht. Und das ist ja auch okay so.

Nun wohne ich selbst bald in einer Gegend, in denen die Leute gerne Urlaub machen. In einer Gegend, die ich selbst als Urlauber kennengelernt habe. Und die ich natürlich auch mit vielen Urlaubsgebriffen verbinde. Allerdings habe ich den Vorteil, dass meine Besuche dort oben in letzter Zeit eben nicht nur Urlaub sondern auch mit viel Vorbereitung für den dortigen Alltag gefüllt waren. Ich weiß, dass auch dort oben im Alltag nix mit Seele baumeln lassen ist, nix mit Ausflügen (schon gar nicht, wenn man über kein Auto verfügt), und ich einen ausführlichen Strandspaziergang maximal am freien Sonntag machen kann – wobei man sich das vor allem in der Haupturlaubszeit zwei mal überlegt, ob man wirklich an einem Sonntag am überfüllten Strand… Ich weiß, dass ich dort oben eben nicht Urlaub mache, sondern dass dort der Alltag auf mich wartet. Mit all den Widrigkeiten, die ein Alltag eben so mit sich bringt – egal ob in Berlin, in Pusemuckel oder eben in Rostock.

Warum ziehe ich dann trotzdem dorthin? Erstens weil ich seit Ewigkeiten mal an der Küste wohnen möchte. Der Wunsch mag irrational erscheinen, ist er auch, ist einfach ein Gefühl tief im alten Mann drin. Zweitens weil es dort eine Art “Familienzusammenführung” gibt. Und drittens, weil sich mir dort – wahrscheinlich – eine Möglichkeit bietet, einen Job zu machen, der weitaus mehr ist als nur ein Job. Kurz gefasst: Es bietet sich dort oben eine Perspektive, die sich hier in Berlin wohl nie ergeben hätte.

Und mal ganz nebenbei: Auch nach Feierabend ließe sich, zumindest im Sommer, noch ein kurzer Strandspaziergang anhängen. Wie oft ich den dann in der Realität durchziehe, das ist eine andere Sache. Angeblich ist ein Urlauber in drei Wochen ja auch ungefähr 20 mal häufiger am Strand als der Einheimische in drei Jahren… 😉

(C) der Fotos von oben nach unten: Stef, Stef, Daniela, öhm…

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