Jetzt reiß dich doch mal…

Mein liebes 2020, wir müssen schleunigst reden!

Bislang hast du dich als ziemliches Scheißjahr präsentiert, zuvorderst natürlich durch Corona und den damit verbundenen Folgen, aber auch sonst warst du bislang ziemlich zickig. Zugegeben, an vielen Dingen ist die Krone der Schöpfung, als die sich der Mensch unverständlicherweise immer noch sieht, selbst schuld, und auch mein persönlicher, eher so suboptimaler Zustand – egal ob seelisch oder körperlich – ist wahrscheinlich nicht ausschließlich dir anzulasten. Trotzdem, seit Jahresbeginn kommt der Mist kübelweise, und da hast nun mal du die Arschkarte. Jetzt sag mal ehrlich, willst du wirklich als das absolute Kackjahr des Jahrhunderts in Erinnerung bleiben? Nee, oder? Also, reiß dich mal zusammen, drei Monate hast du noch Zeit, den miesen Eindruck, den wir von dir haben, zu korrigieren.

Aber vielleicht bist du ja auch einfach ein überzeugtes Arschlochjahr? So richtig von Herzen fies? Wenn dem so sein sollte hoffe ich inständig, dass du auf ewig als Scheißjahr in Erinnerung bleiben wirst – nicht, dass wir demnächst hören “können wir bitte 2020 zurück haben? Das jetzige Jahr ist ja noch schlimmer!”…

Ja, ich weiß, erhöhtes Fäkalvokabular, aber kuschelig passt hier einfach nicht.

3+

Kein’ Kopp machen

Man weiß ja, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren und ist deshalb entsprechend achtsam. Meist beschränkt sich diese Achtsamkeit aber auf die bekannten Gefahrenquellen wie Leiter besteigen oder aus der Badewanne krabbeln. Spülen oder sich zu bücken gehörte bislang nicht dazu. Fehler.

Brummschädel

Nun ist es überaus praktisch, wenn die Hausärztin gleichzeitig auch Stammkundin ist und gerade an dem Tag, an dem man sich dann doch entschließt, mal ärztlichen Rat zu suchen, noch was aus dem Laden benötigt.

Professionell verarztet

Nach knapp zwei Wochen ist alles wieder halbwegs verheilt, bleibende Schäden sind nicht zu erwarten – jedenfalls nicht durch diesen Unfall. 😉

Merke für die Zukunft: Wenn du dich bückst schaue vorher, ob da ein geöffnetes Fenster in unmittelbarer Nähe ist…

Edit, ein Tag später:

Protipp: Beim Abbauen von Regalen sollte man einen Sicherheitsabstand von ca. 14,50m nehmen.

Ist irgendwie nicht mein Monat…

2+

Anstrengend

Meine Fresse, was kostet das Kraft, jeden Tag gegen die verf***te Geröllhalde im Kopf anzukämpfen und sowohl inner- als auch äußerlich den Grinsemaxen zu spielen. Könnte es da bitte mal ne kleine Pause geben?

Frustkäufe sind albern. Schoki allein macht zwar kurzfristig glücklich, bei noch mehr von diesem “Glück” passen aber die Hosen gar nicht mehr. Vier Wochen Urlaub wären eine gute Maßnahme, sind aber nun mal nicht machbar. Stattdessen einfach mal so ein kleines, aber nachhaltiges “schön”! Und zwar bitte sehr zeitnah!

2+

Geröllhalde

Das Schicksal rollt einem permanent Steine in den Weg – mal kleine, mal große, mal einzeln, mal als Lawine. Das Leben besteht darin, seinen Weg – möglichst sicheren Schrittes – durch diese Geröllhalde zu finden und dabei die großen Felsbrocken beiseite zu räumen. Das schafft man, abhängig von der eigenen Konstitution und der Intensität der Steinschläge, mal mehr, mal weniger gut.
Schwierig ist es meist dann, wenn mehrere, größere Lawinen in kurzen Abständen in den Weg gebrettert kommen, die ganze Steinhalde ins Rutschen gerät und nur noch ein paar Kiesel fehlen, um die ganze Scheiße einstürzen zu lassen.

In letzter Zeit bretterte es hier ganz schön heftig, und ich komme mit dem Wegräumen der Geröllmassen nicht hinterher – zum einen sind sie schon so dicht, dass man sich nur noch mühsam bewegen kann, zum anderen hat die Plackerei der letzten Jahre wohl doch mehr Kraft gekostet als gedacht. All zu viele Kiesel sollten also momentan nicht mehr nachkommen, von größeren Felsbrocken oder gar Lawinen mal abgesehen.

Mal sehen, was das Schicksal so dazu meint…

1+

Urlaub! Schön, aber…

Ein wenig urlaubsreif bin ich ja schon länger. Die verlängerten Wochenenden, die ich mir zuletzt ab und an gegönnt habe, taten zwar gut, aber so richtiges Abschalten war natürlich nicht drin. “Mal so drei, besser vier Wochen Urlaub, das wärs” dachte ich letztens “aber das geht nunmal nicht”. Tja, nun habe ich meine – mindestens – vier Wochen Urlaub, aber so war das irgendwie nicht geplant.

Seit heute ist der Laden bis mindestens Mitte April geschlossen. In einigen Bundesländern gelten Dampfshops zwar (noch?) als notwendig für den täglichen Bedarf, aber das Verbot ist ja nur die eine Sache, die Gesundheit eben die andere. Ich trage nicht nur für die Gesundheit meiner drei Angestellten die Verantwortung, sondern auch eine kollektive – um die Ausbreitung des Virus einzudämmen müssen Kontakte im Augenblick einfach so gut es geht vermieden werden, und je weniger Läden geöffnet haben, um so einfacher ist dies durchzuziehen.

Generell sollten in dieser Situation noch weitaus mehr Einrichtungen geschlossen werden. Wer muss denn jetzt noch in ein Restaurant einkehren? Wozu müssen zum Beispiel Gartenbau-Center geöffnet bleiben? Ich bin weitab von Hysterie und Verbotswahn, aber hier muss einfach rigoroser durchgegriffen werden, da der Großteil des Volkes offensichtlich den letzten Rest Eigenverantwortung versoffen hat – anders sind fröhliche Happenings auf Spielplätzen und ausufernde “Corona-Partys” ja nicht zu erklären.

Natürlich schmerzt jeden Gewerbetreibenden eine Schließung – zumal bezweifelt werden darf, dass in vier Wochen die ganze Scheiße vorbei ist. Ja, es wird Härtefälle geben, Existenzängste, Insolvenzen. Es wird viele Leute treffen, wahrscheinlich noch viel mehr und viel härter, als man sich das jetzt ausmalen kann – zumal niemand zur Zeit voraussagen kann, was noch alles passiert. Trotzdem müssen wir da jetzt alle durch, hilft ja nix.

Ich bin mit der Schließung mit mir im Reinen, jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich die Lage in absehbarer Zeit beruhigt und wir die Kunden, von denen wir uns gestern noch mit “bleib gesund, bis bald” verabschiedet haben, auch wirklich bald gesund wiedersehen.

Und bis dahin mache ich – wenn auch etwas anders als geplant – Urlaub, urlaubsreif bin ich ja, nach den letzten Tagen erst recht…

2+

Aber so was von Herbst…

Die vollkommen reißerische und vor allem unwahre Berichterstattung über die Dampferei verunsichert nicht nur viele Raucher und hält sie an der tödlichen Kippe, sie ist auch auf dem bestem Wege, meine berufliche Existenz (und die zahlreicher weiterer Menschen in der Dampferbranche) zu zerstören – Umsatzrückgänge von 30-50% können kleine Läden nun mal nicht lange verkraften. Wir haben in den guten Zeiten auf die Anschaffung güldener Wasserhähne verzichtet und stattdessen gut angespart, aber irgendwann wird auch die Substanz, von der wir gerade leben, aufgebraucht sein. Sowohl die wirtschaftliche Situation als auch die Tatsache, dass dieses Übel durch zu bequeme Journalisten hervorgerufen wird, die anstatt einmal vernünftig zu recherchieren lieber reißerische Schlagzeilen produzieren, lässt das Nervenkostüm dünn werden und drückt gerade heftig auf meine Stimmung. (Dass in den USA und anderen Dritte-Welt-Ländern wie Indien gerade übelste Geldgier das Dampfen komplett zerstört ist eine andere Geschichte, macht die Sache aber auch nicht besser.)

Dazu kommt die Tatsache, dass ich nun mal generell meine Schwierigkeiten habe, den immer größer werdenden Irrsinn der Menschheit zu ignorieren, mich darüber zu amüsieren oder ihn einfach nur hinzunehmen. Und wer einen Blick in die Nachrichten, die (a)sozialen Medien oder nur raus ins reale Leben wirft bekommt sehr schnell das Gefühl, dass der Irrsinn täglich neue Höhe- oder besser gesagt Tiefpunkte erreicht.

Last aber mal gar nicht least haben wir Herbst, es beginnt also das halbe Jahr der Dunkelheit, der fehlenden Sonne, der Kälte und des Regens. Löste diese Zeit früher bei mir lediglich eine – gar nicht mal negativ wahrgenommene – Melancholie aus, drückt sie mittlerweile auf mein Wohlbefinden, saugt Energie und Fröhlichkeit ab.

Nun ist in dieser Situation die Verlockung groß, sich die Decke über den Kopf zu ziehen und einfach im Bett zu bleiben. Zum einen bringt das aber nix, zum anderen feiern wir in drei Wochen im Laden unser 5jähriges Bestehen, das will vorbereitet (und dann hoffentlich genossen) werden.

Bleibt also nur, sich zumindest in den Situationen, in denen es absolut nötig ist, ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern – fürs dauerhafte Grinseface ist das Nervenkostüm zu dünn und die Stimmung gerade zu gedrückt.

Ist halt Herbst. Aber sowas von…

2+

Homeoffice

Nachdem wir uns den Sonntag im Laden mit einer Zähl-Orgie um die Ohren geschlagen haben gibt es jetzt drei Tage Homeoffice. Faul die Eier schaukeln ist aber nicht – das “Außenlager” (klingt besser als Keller) muss noch gezählt und die Inventurlisten möchten abgeschlossen werden. Trotzdem – zwei Stunden länger schlafen muss drin sein, ebenso ein entspanntes Frühstück.

Außerdem habe ich mal wieder eine kleine Arzt-Ralley in Gang gebracht, schließlich möchte man nach nem Vierteljahr doch langsam mal wissen, woher die Schmerzen im Sprunggelenk kommen.

Die nächsten drei Tage werde ich also am heimischen PC verbringen (der Rücken freut sich), dabei die Sonne durchs Fenster scheinen lassen und Preislisten durchpflügen. Damit, dass so ne Inventur nur einmal im Jahr stattfindet, kann ich irgendwie gut leben…

2+

Mimimi

  • Es ist Winterzeit: Unnötig kalt, dunkel und nass.
  • Gerade vom fiesen Hexenschuss erholt steckt mir jetzt ne Männergrippe in den Knochen.
  • Zur Männergrippe gesellen sich Halsschmerzen – und ich kann nicht kaum dampfen! Dabei ist das Salted Caramel Machiato doch so saulecker.
  • Anscheinend liegen noch mehr Dampfer mit Mimimi schwerer Krankheit im Bett – in unserem Laden sind die jedenfalls nicht. Der Kundenansturm – und damit auch die Umsätze – sorgen zur Zeit nicht für Freudensprünge oder Jubelarien.
  • Und falls ich es nicht erwähnt hatte: Es ist Winterzeit – unnötig kalt, dunkel und nass.

Stimmung: Heftiges Mimimi mit einer üppigen Portion Grmpf.

1+

Jubiläumsgesundung

Ja, natürlich ist es ganz nett, sich, nachdem man dem morgendlichen Drang der Altmännerblase nachgegeben hat, wieder ins Bett zu legen und noch ein wenig zu schlummern. Und natürlich ist es ganz nett, endlich mal wieder Zeit zum Lesen zu haben und sich die ein oder andere DVD, die schon seit Ewigkeiten hier vor sich hinstaubt, anzusehen. Oder einfach mal ein Mittagsschläfchen zu halten. Trotzdem – nu is genuch!

Morgen fahre ich schon für ein, zwei Stündchen in den Laden, und am Samstag, wenn wir unser Dreijähriges feiern, will und werde ich dabei sein! In der nächsten Woche werde ich mich dann langsam rantasten und die Belastung langsam steigern um dann spätestens die Woche drauf wieder fit und fröhlich jeden Tag im Laden zu stehen.

Heute vor drei Jahren haben wir unseren Laden eröffnet. Drei Jahre!!! Hätte uns das jemand vorher zugetraut? Inklusive wir uns selbst? 😉 Natürlich ist unser Abenteuer mittlerweile Alltag, die Euphorie ist auf einem normalen Maß angekommen, langweilig wird das ganze trotzdem nicht. Die neue Konkurrenzsituation bringt neue Herausforderungen mit sich, aber in einer so schnelllebigen Branche ist Flexibilität sowieso Pflicht. Wir gehen nun also – voll motiviert – in unser viertes Jahr, und ganz ehrlich, darauf sind wir auch ein bisschen stolz. 🙂

6+