Wir hatten die Wahl…

Eine Woche ist die Bundestagswahl nun vorbei, Zeit, das Ergebnis zu verdauen und sich ein paar Gedanken zu machen.

Das Volk hat nicht nur von der GroKo die Schnauze voll, sondern generell von den „Volksparteien“. Verständlich, außer Verwaltung des Status Quo, mäßiger Innovation und hohlen Phrasen kommt dort seit Jahren nichts mehr, mal von der „Ehe für alle“, die seit heute möglich ist – und deren Durchsetzung unverschämt lange auf sich warten ließ – abgesehen. Aber wenn man solche Slogans auf Wahlplakaten liest – bitte, was soll man da noch machen außer sich mit Grausen abzuwenden?

Dieses Plakat direkt über einen Mülleimer zu hängen – Absicht oder Zufall? Egal, passender geht es kaum!

Ob die ehemals sozialdemokratische Partei die vier Jahre Opposition nutzt und sich ihrer ursprünglichen Werte und Positionen erinnert? Das mag sogar sein. Aber jetzt gegen Mutti verbal nachzutreten ist jedenfalls schon mal peinlich, schließlich haben die Sozen die Politik der letzten Jahre mitgetragen, darüber hinaus tragen sie, zusammen mit der ehemaligen Öko- und Friedenspartei, die größte Schuld an der sozialen Schieflage in diesem Land – und damit auch am Ausgang der jetzigen Wahl.

Das erste mal seit bald 85 Jahren zog also wieder eine faschistische Partei in den Bundestag ein. Nein, nicht alle, die diese „Alternative“ gewählt haben sind Nazis – aber sie haben eben Nazis gewählt! Dennoch ist der Reflex, über die ganzen „Idioten“ abzuhöken, möglichst peinliche Vertreter dieser Menschengruppe in Satiresendungen vorzuführen und einzelne Personen als „Schuldige“ für diese Situation zu suchen in meinen Augen kontraproduktiv. Auch wenn sich diese Partei innerhalb der nächsten vier Jahre wunderbar selbst zerfleischen wird – es gibt nun mal Menschen, die diese Ängste und Sorgen haben und – entweder aus Überzeugung oder aus Protest – dieser Partei ihre Stimme gaben. Die von jener Art des Systems Überzeugten wird man nicht „bekehren“ können, aber die Protestler, die mit dem jetzigen System und der Regierungsverwaltung Unzufriedenen, die sollte man mit einer durchdachten, sinnvollen und engagierten Politik wieder gewinnen können.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die voraussichtliche Jamaika-Regierung in den nächsten vier Jahren bis zu ihrer Abwahl nicht all zu viel Unheil anrichtet und sich besonnen auch um die kümmert, die sich gerade abgehängt fühlen. Ein Rechtsruck ist da übrigens nicht der sinnvollste Weg. Wie las ich heute so schön in einem Tweet:

„Wenn ein Boot nach rechts neigt und zu sinken droht, ist die Lösung nicht, sich von der linken Seite zu entfernen.“

@twitter.com/eingenickt

Also, liebe Volksvertreter, die ihr mit meinen üppigen Steuergeldern bezahlt werdet: Mal die Reflexe bremsen und ein wenig nachdenken! Ja, ist viel verlangt und auch ungewohnt, aber nur Mut, ihr schafft das!

Und zum Abschluss: Kultur!

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Zu wissen, dass man, um weiteren politischen Stillstand zu vermeiden, taktisch wählen und damit einer Partei seine Stimme geben muss, die man nun wirklich nicht unterstützen will, schmerzt.

Nein, es handelt sich nicht um diese angebliche „Alternative“, aber es schmerzt trotzdem…

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Die sprechen nicht für mich!

Es ist mir ein persönliches Bedürfnis, nochmal etwas klar zu stellen:

Dies ist nicht meine Regierung, ich habe diese Volksvertretung nicht gewählt!

Diese Regierung vertritt nicht meine Meinung, nicht bei ihrer Sozialpolitik, Flüchtlingspolitik, Drogenpolitik, Bildungspolitik, Rüstungspolitik. Das Aussitzen sämtlicher Probleme finde ich genauso unmöglich wie das Ausspähen der eigenen Bürger (und der mit der Ausspähung verbundenen Kriecherei in den amerikanischen Enddarm). Das Zögern in der Gleichstellung von Homosexuellen ist peinlich, das Verhalten dieser Regierung in der Europäischen Frage generell, zu Griechenland im Speziellen, finde ich zutiefst menschenverachtend. Das Verhalten der Presse zu diesem Thema übrigens ebenso. Gerne verweise ich an dieser Stelle auf den heutigen gestrigen Beitrag des Kiezneurotikers zum Thema Europa an sich und der Rolle Deutschlands darin.

Wenn ich schon mal beim Distanzieren bin: Die Stammtischparolen großer Teile unserer Bevölkerung widern mich genau so an! Das Volk kann man dummerweise ja nicht abwählen, die Regierung schon, was allerdings schwierig ist, wenn Scheißhausparolen von Volk und Regierung Hand in Hand gehen. Anscheinend stimmt der Spruch doch, dass jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient.

Ich habe von meinem Wahlrecht Gebrauch gemacht, politische Blogs und Aufklärungsarbeit betrieben. Ich bin bei Demos mitgelatscht und habe Petitionen mitgezeichnet. Erfolg: Null! Ich ziehe mich jetzt wieder auf meine “Dampfer-Insel” zurück – die im Übrigen auch bereits durch unsere Lobbyregierung bedroht ist. Liebe Volksverräter, leckt mich am Arsch – mit euch habe ich nix am Hut!

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Säbelrasseln

In diesem Jahr gedenken wir des Beginns des ersten Weltkrieges vor 100 und des zweiten vor 75 Jahren. Wir feiern – die einen mehr, die anderen weniger – 25 Jahre Mauerfall, damit einhergehend auch ein Vierteljahrhundert Beendigung des “kalten Krieges”. Wir in Westeuropa erleben gerade wahrscheinlich den längsten Zeitraum ohne Krieg – jedenfalls ohne den im klassischen Sinne, den Irrsinn des Krieges hat kaum noch jemand der hier Geborenen live erlebt, wir kennen ihn nur aus Erzählungen, Filmen, Berichten von Zeitzeugen. Ließe man jetzt mal die immer stärker werdende soziale Spaltung außer Acht (und ebenso die europäische Flüchtlingspolitik) könnten wir eigentlich von einem friedlichen, entspannten, schönen Leben sprechen. Offensichtlich zu entspannt, zu schön, und vor allem zu friedlich.

Dass sich die Vollhonks in und um Israel gegenseitig die Köpfe wegschießen – bitte, das geht seit Jahrzehnten so, kennt man eigentlich gar nicht anders. Dass der Ami hin und wieder irgendwo einmarschiert um fremden Völkern die Demokratie notfalls mit Waffengewalt einzubläuen, jo, ist halt so, offensichtlich braucht er das. Dass es immer irgendwelche durchgeknallten Religionsführer gibt, die Menschen ihren Glauben aufzwingen wollen, geschenkt, wir hatten vor ein paar hundert Jahren unsere Kreuzzüge, der Extremislamist hat sie eben jetzt. Und dass die Deutschen seit Jahren bei den Waffenexporten ganz dick mitmischen wird sich nicht verhindern lassen, schließlich geht’s ja um dicke Geschäfte Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie. Der Mensch an sich ist anscheinend einfach nur bekloppt nicht in der Lage, friedlich miteinander umzugehen. Buddelkiste, Förmchen, Fresse dick.

Nun markiert Putin seit geraumer Zeit den dicken Max. Da kann “der Westen” natürlich die Füße nicht stillhalten, wobei er das seit dem Wegfall des eisernen Vorhangs eigentlich nie getan hat, nur bislang eben mit friedlichen Mitteln wirtschaftlicher Überzeugungskraft statt mit hochgereckter Faust. Aber wenn schon die Faust gereckt wird, muss der Deutsche neuerdings mitrecken: Unser pastoraler Präsidentendarsteller faselt von Verantwortung, die Truppenursel sorgt sich auch nicht mehr ausschließlich um die familiäre Aufrüstung, und selbst das Grün der Grünen ist mittlerweile oliv. Und Putin ist ja nicht der einzige “lupenreine Demokrat”, der auf die lupenreine Demokratie scheißt, immer mehr Despoten tauchen auf, zuletzt in der Türkei. Hierzulande verhindert der engagierte Wutbürger immerhin die Neubebauung einer riesigen Freifläche oder olympische Winterspiele, aber generell scheint auch hier die Demokratiefolklore zu bröckeln: Der Urnenpöbel stellt plötzlich fest, dass die etablierten Parteien alle nicht wählbar sind (womit ich dem Urnenpöbel ja auch recht gebe) und macht sein Kreuzchen immer häufiger ganz weit rechts. Noch sind es in erster Linie die abgehängten Regionen, in denen protestgewählt wird, in der Breite der Bevölkerung ist es noch halbwegs still, dem Gefasel vom wirtschaftlichen Aufschwung sei Dank.

Das alles zusammengenommen bereitet mir Sorgen. Ich gehöre zur Generation derer, für die es Anfang der 80er nur die Frage war, ob der Wald friedlich vor sich hinsterben oder doch von ner Atombombe weggebrettert würde. Nun zeigt natürlich die Erfahrung, dass der ganze damalige Aufrüstungswahnsinn nicht zum Krieg führte, und auch der Wald steht noch, mehr oder weniger gesund, da so rum. Aber wird es immer so friedlich ausgehen? Damals trugen die Menschen ihre Sorgen vor dem Krieg – egal ob vor der Haustüre oder im Irak – noch auf die Straße, 100.000 demonstrierten gegen die Aufrüstung, so viele Menschen bekommst du heute nur zusammen, wenn ein Fußballweltmeister gefeiert werden soll. Nein, genutzt haben diese Proteste schon damals nichts, ich habe nur einfach das Gefühl, die Mehrheit der hiesigen Bevölkerung ist sich des Luxus des Friedens – und der momentanen Situation – gar nicht bewusst. Was man tun kann? Woher soll ich das wissen? Als religiöser Mensch vielleicht ein bisschen mehr beten, ansonsten kann man wohl nur hoffen, dass es beim Säbelrasseln bleibt und unsere Politmischpoke doch noch nen letzten Rest Vernunft besitzt…

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