SelbstUndStändig
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Feierabend

Das war’s jetzt also. Den letzten Verkaufstag hatten wir ja bereits vor einer Woche über die Bühne gebracht, entspannt, angenehm, fast schon unspektakulär. Entgegen meiner Befürchtung auch ohne all zu viel Wehmut, es war auch kein tröstender Alkohol notwendig, die Müdigkeit hat’s wie erwartet geregelt. 😉 Die Reaktionen in den “sozialen” Medien, aber auch auf direkten Wegen, waren in erster Linie mit traurigen Emojis versehen. Verständlich zwar, aber wir hatten insgesamt eine wirklich gute, intensive Zeit. Spätestens seit dem Beginn von Corona jedoch lief es nicht nur aus kaufmännischer Sicht nicht mehr so gut, auch der Spaß ließ immer mehr …

Die letzte Woche

Die letzte Woche bricht an. Fast alles an Ware ist verkauft, selbst die meisten Möbel sind schon weg. Ursprünglich war meine Sorge, dass wir die Ware nicht rechtzeitig abverkauft bekommen. Jetzt ist meine Sorge, dass wir die letzte Woche außer dem Grabbelzeugs nichts mehr anzubieten haben. 😉 Aber dann nutzen wir halt die Zeit, weiter auszuräumen und zu -misten. Die Abwicklung bedeutet nachwievor viel Arbeit und ist anstrengend, allerdings ist es auch ganz schön, dass der Kopf mal wieder etwas mehr gefordert wird als bei der üblichen Routine der letzten Jahre. Für Melancholie ist also nach wie vor nicht viel …

Kein Raum für Melancholie

In einem Monat ist der Laden Geschichte. Eigentlich könnte man ein wenig Melancholie oder gar Wehmut vermuten, aber dafür ist gerade einfach kein Raum. Es gibt noch dermaßen viel zu tun, zu beachten, zu organisieren – der Kopf fährt auf Hochtouren, mitunter am Anschlag. Und vielleicht ist das auch ganz gut so. Ich versuche, die letzten Begegnungen mit den Kunden zu genießen – jedenfalls mit den angenehmen. Hin und wieder steckt bei Verabschiedungen auch mal ein kleiner Kloß im Hals, aber noch ist das selten, und eigentlich hat der Kopf, wie erwähnt, ja auch seine eigene Kirmes. Die Melancholie wird …

Es rückt näher

Einige Stammkunden wussten es schon länger, aber so richtig offiziell ist es erst seit dem Wochenende: Das Formulieren und auch das Veröffentlichen des Textes geschah noch durchaus sachlich und nüchtern – als nach der Veröffentlichung die Reaktionen kamen, wurden meine Augen plötzlich doch ein bisschen feucht… Obwohl der Abverkauf natürlich schon längere Zeit läuft, beginnt der ganze “Hau wech, nimm mit”-Zinnober jetzt erst so richtig: Hat ein bisschen was von nem Flohmarkt. Oder nem orientalischen Bazar. Und wenn der Kunde sympathisch ist, sogar mit Feilschen. 😉 Ja, das Ende rückt unaufhaltsam näher. Noch zähle ich in Wochen, bald schon in …

Timing und so…

Der Mitarbeiter fällt wegen Krankheit erst mal aus. Sehr ärgerlich für ihn, ich drücke ihm natürlich schwer die Daumen, dass sich sein Zustand bald bessert. Und ja, nicht nur aus Mitgefühl, sondern auch ein wenig aus Eigennutz – muss ich doch jetzt erstmal täglich im Laden stehen. Das kommt gerade zum unpassenden Zeitpunkt, ist die eigene mentale Gesundheit doch derzeit eher… nun ja, nur mäßig ausbalanciert. Wenigstens komme ich dann dazu, schon einiges im Laden auszumisten. Sind ja auch kaum Kunden da, die “stören” würden. Von den anderen Dingen, die wegen der Auflösung zu tun sind, nimmt mir Benedikt zum …

Es wurde Leidenschaft

Als wir damals den Laden eröffneten geschah dies in erster Linie, weil wir das Thema Dampfen an den Mann und die Frau bringen wollten. Zum einen natürlich aus gesundheitlichen Aspekten, sprich als Ersatz für die deutlich schädlichere Tabakkippe. Zum anderen aber auch aus gesellschaftspolitischen Gründen: Bereits damals versuchten viele, zumeist ahnungslose Lokalpolitiker, immer wieder die E-Zigarette möglichst stark zu regulieren, wenn nicht gar zu verbieten. Es musste also mehr Dampfende geben, um ein Gegengewicht zu erzeugen. Das war unsere Hauptmotivation – der Einzelhandel selbst war also nie das große Ziel, sondern er war lediglich ein Vehikel für diese Zwecke, und, …

Drei mal Schlafen

Seit wir vor über sieben Jahren den Laden eröffnet haben, kann ich eigentlich nur an Sonn- und Feiertagen ausschlafen. Also so richtig. Klar, in den ersten Jahren stand ich an allen anderen Tagen sowieso im Laden, aber auch an freien Werktagen, die später hin und wieder – und seit zwei Jahren etwas häufiger – dazukamen, bin ich deutlich vor Ladenöffnung “wach” und auf. Schließlich möchte man im Falle eines Falles – sei es bei spontanen Krankmeldungen oder anderen unliebsamen Mitteilungen – möglichst direkt zu einer zumindest halbwegs adäquaten Reaktion bereit sein. Klingt natürlich komfortabel, wenn ich erst so gegen zehn …

Viel besser als gedacht

Bei aller Wehmut ob der Geschäftsaufgabe muss man auch mal eines sehen: Es ist genau das eingetroffen, was wir als Idealfall (!) prophezeit hatten – und doch nicht wirklich glaubten, dass es so gut laufen würde: Im Idealfall läuft der Laden fünf, vielleicht sieben Jahre richtig gut! Zehn Jahre werden es eher nicht sein – die großen Ketten werden kommen und die Preise kaputt machen, außerdem wird der Staat heftig regulieren und wahrscheinlich auch gut mit dran verdienen wollen. So (oder zumindest so ähnlich) sprachen wir damals. Und yep, so kam es. Vor siebeneinhalb Jahren bin ich aus meiner Lieblingsstadt …

Gefühlslage: Gedrittelt

Seit die Entscheidung, den Laden aufzugeben, getroffen und verkündet ist, kam schon das ein oder andere mal die Frage, wie ich mich denn dabei fühle. Nun, ich würde mal sagen: Gedrittelt. 😉 1. Wehmut Ich gebe mein (bzw. unser) Baby auf! Über sieben Jahre haben wir es gehegt und gepflegt, hart für sein Wachstum gearbeitet, viel Zeit, Kraft und Herzblut investiert. Obwohl von fast allen vorher als Totgeburt prophezeit, wuchs es schnell, entwickelte sich prächtig und wurde über eine lange Zeit zum – durchaus erfüllenden – Lebensinhalt. Wir haben viele schöne Momente erlebt und tolle Menschen kennengelernt. Naja, und eine …

Ende mit Ansage

Ein halbes Jahr Evali, direkt im Anschluss zwei Jahre Corona, dann in einem halben Jahr die Steuer… Nach zweimaligem Aufschub ist nun im Sommer endgültig Schluss: Dieser Schritt war schon länger klar, er ist logisch und auch richtig, trotzdem ist es gerade ein merkwürdiges Gefühl. Wehmut und so. Allerdings war das ewige Hin und Her zuletzt auch eine nicht zu verachtende Belastung, die nun wegfällt, und vielleicht schlafe ich ja jetzt auch wieder etwas besser. Das neue Jahr startet also mit einer weiteren neuen Erfahrung, nämlich der Abwicklung und Auflösung des Ladens. Jetzt möchte ich aber erst mal die Weihnachtszeit …