Zum Leben zu wenig…

Eine merkwürdige Situation ist das gerade im Laden. Die Corona-Pandemie hat uns, wie viele andere auch, schwer gebeutelt – zum einen natürlich in den Wochen, in denen geschlossen war, aber auch jetzt, wo die Kontaktbeschränkungen weitgehend aufgehoben sind bzw. von den meisten Leuten großflächig ignoriert werden. Aber die Lust aufs entspannte Shoppen hat sich, wie befürchtet, immer noch nicht eingestellt. Ob es nun die Maskenpflicht ist, die Einschränkungen gerade in kleinen Läden, die fehlende Kohle oder generell die Ungewissheit wie es weitergeht – all das wird wohl dazu beitragen. Außerdem hat der ein oder andere wohl gemerkt, dass Shopping auch online möglich ist, meist sogar bequemer, mitunter preiswerter, und man bekommt seine Ware sogar nach Hause geliefert. Ob sich der Trend in absehbarer Zeit wieder umkehrt oder fortsetzt wird man sehen.

Zur Zeit ist das, was der Laden abwirft, zum Sterben (noch) zu viel, zum Leben aber bereits zu wenig. Ganz aufgegeben habe ich die Hoffnung, dass sich alles wieder ein wenig normalisiert, aber nicht – deshalb habe ich auch nach einigen schlaflosen Nächten beschlossen, die halbjährliche Kündigungsfrist für den Laden in diesem Sommer nicht wahrzunehmen. Mit dem kleinen Polster, das wir uns in der guten Zeit angefressen haben – und mit der Kurzarbeit, die ich leider beantragen musste – können wir uns noch eine Zeitlang über Wasser halten. Allerdings muss sich im nächsten halben Jahr einiges tun, denn bei aller Liebe für den Laden, für das, was wir uns aufgebaut haben – wenn es dauerhaft nicht rentabel ist macht die Sache keinen Sinn, und bevor es auch zum Sterben zu wenig ist wird die Hütte dicht gemacht!

Und sollte noch mal eine zweite heftige Corona-Welle inklusive Lockdown kommen dürfte sich das Ganze sowieso erledigt haben…

2+

Schalter kaputt

Fünf Jahre lang drehten sich abends die letzten Gedanken vor dem Einschlafen um den Laden. Das war okay, waren sie doch letztendlich meist positiv, konstruktiv, und ließen einen lächelnd einschlummern.

In den letzten Monaten drehen sich nachwievor abends die letzten Gedanken – und morgens die ersten, und auch viele dazwischen, eigentlich fast alle – um den Laden. Sie sind aber nicht mehr positiv, selten konstruktiv, das Einschlafen dauert, und lächelnd ist es schon mal gar nicht.

Und irgendwie ist im Kopf der Ausschalter kaputt. Doof.

2+

Auf und ab, hü und hott

Seit Anfang der Woche dürfen wir den Laden, wenn auch mit Auflagen, wieder öffnen. Da das Volk möglichst Zuhause bleiben soll – und sich zumindest teilweise auch daran hält – ist die Innenstadt natürlich relativ leer, weshalb wir auch nicht gerade überrannt werden. Aber die Kunden, die erscheinen, sind richtig glücklich und kommen meist auch mit den Hygieneregeln – und den damit verbundenen Einschränkungen – ganz gut klar. Soweit, so gut.

Natürlich kann ich derzeit unseren Personalschlüssel nicht halten: Die Öffnungszeiten sind reduziert, außerdem darf immer nur ein Kunde im Laden sein, und so steht halt an den einen Tagen der Festangestellte hinter dem Tresen, an den anderen Tagen der Cheffe. Spaß macht das nur bedingt, aber immerhin kommt ein bisschen Geld in die Kasse, und damit haben wir es deutlich besser getroffen als so manch anderer.

Der Erholungsfaktor an den freien Tagen ist trotzdem übersichtlich: Auch beim “Home-Office” stehe ich früh auf (schließlich wird bestellte Ware zu mir nach Hause geliefert, und man möchte den Nachbarn dann doch nicht zumuten, mal eben sechs Pakete à 15 Kilo anzunehmen), und es gibt nachwievor genug Kram, der erledigt werden will. Ganz abgesehen davon ist natürlich trotz der Öffnung die Situation weiterhin angespannt, der Kopf läuft permanent auf Hochtouren, die Nerven sind immer noch schwer strapaziert, und Entspannung fällt aus mehreren Gründen gerade recht schwer.

Jetzt stehen erst mal vier Tage Ruhe an. Am Samstag bleibt der Laden geschlossen – unser kleiner Beitrag zu stay@home – und ich hoffe, dann mal ein wenig runter zu kommen. Nötig wäre es, denn dass in absehbarer Zeit so etwas wie ein “Normalzustand” eintreten wird glaubt wohl inzwischen niemand mehr…

3+

Urlaub! Schön, aber…

Ein wenig urlaubsreif bin ich ja schon länger. Die verlängerten Wochenenden, die ich mir zuletzt ab und an gegönnt habe, taten zwar gut, aber so richtiges Abschalten war natürlich nicht drin. “Mal so drei, besser vier Wochen Urlaub, das wärs” dachte ich letztens “aber das geht nunmal nicht”. Tja, nun habe ich meine – mindestens – vier Wochen Urlaub, aber so war das irgendwie nicht geplant.

Seit heute ist der Laden bis mindestens Mitte April geschlossen. In einigen Bundesländern gelten Dampfshops zwar (noch?) als notwendig für den täglichen Bedarf, aber das Verbot ist ja nur die eine Sache, die Gesundheit eben die andere. Ich trage nicht nur für die Gesundheit meiner drei Angestellten die Verantwortung, sondern auch eine kollektive – um die Ausbreitung des Virus einzudämmen müssen Kontakte im Augenblick einfach so gut es geht vermieden werden, und je weniger Läden geöffnet haben, um so einfacher ist dies durchzuziehen.

Generell sollten in dieser Situation noch weitaus mehr Einrichtungen geschlossen werden. Wer muss denn jetzt noch in ein Restaurant einkehren? Wozu müssen zum Beispiel Gartenbau-Center geöffnet bleiben? Ich bin weitab von Hysterie und Verbotswahn, aber hier muss einfach rigoroser durchgegriffen werden, da der Großteil des Volkes offensichtlich den letzten Rest Eigenverantwortung versoffen hat – anders sind fröhliche Happenings auf Spielplätzen und ausufernde “Corona-Partys” ja nicht zu erklären.

Natürlich schmerzt jeden Gewerbetreibenden eine Schließung – zumal bezweifelt werden darf, dass in vier Wochen die ganze Scheiße vorbei ist. Ja, es wird Härtefälle geben, Existenzängste, Insolvenzen. Es wird viele Leute treffen, wahrscheinlich noch viel mehr und viel härter, als man sich das jetzt ausmalen kann – zumal niemand zur Zeit voraussagen kann, was noch alles passiert. Trotzdem müssen wir da jetzt alle durch, hilft ja nix.

Ich bin mit der Schließung mit mir im Reinen, jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich die Lage in absehbarer Zeit beruhigt und wir die Kunden, von denen wir uns gestern noch mit “bleib gesund, bis bald” verabschiedet haben, auch wirklich bald gesund wiedersehen.

Und bis dahin mache ich – wenn auch etwas anders als geplant – Urlaub, urlaubsreif bin ich ja, nach den letzten Tagen erst recht…

2+

4 Tage nix!

Sieben Wochen habe ich jetzt am Stück durchgearbeitet, nur unterbrochen von den “freien” Sonntagen*, dabei so gut es geht Personallücken gestopft und zwei neue Aushilfen angelernt. Und jetzt bin ich platt, alle, komatös.

Zum Glück kommen jetzt vier (!) freie Tage (!!) am Stück (!!!), und da werde ich genau nix** machen. Gar nix. Also außer lange zu schlafen natürlich.

Und wenn es anschließend zumindest für zwei, drei Wochen ein wenig entspannter zugeht könnte ich gut damit leben.

*Freie Sonntage bestehen in der Regel daraus, drei Stunden länger zu schlafen, entspannt zu frühstücken und den Rest des Tages die dringendsten der unter der Woche liegengebliebenen Dinge zu erledigen. Ab und zu ein Spaziergang durchs Dorf und ein Ausflug an die Wasserkante ließen einen ein wenig durchschnaufen, insgesamt war der Erholungsfaktor eher übersichtlich.

** Nix bedeutet wirklich nix. Naja, bis auf die Sachen, die man ja schon so lange erledigen wollte… und die man, wenn man schon mal Zeit hat… außerdem wollte ich ja schon länger mal… und wenn man schon mal dabei ist… Aber sonst wirklich nix! Gar nix!

4+

Dolle isses nich

Hobby und Leidenschaft zum Broterwerb zu machen ist eine sehr schöne Sache. Auch viel Arbeit kann da großen Spaß machen, die Motivation kommt von alleine, und selbst mit der Situation, dass kaum noch Zeit für andere Dinge bleibt, hat man sich irgendwie arrangiert.

Zur Zeit macht es allerdings wenig Freude: Seit Jahresbeginn sind die Umsätze bescheiden, dafür ist die Arbeit gerade verdammt viel – der einzige Vollzeitmitarbeiter fällt derzeit krankheitsbedingt aus und ich stehe für mehrere Wochen jeden Tag im Laden. Zum Glück haben wir eine weitere Aushilfe gefunden, ansonsten wäre es noch schwieriger, mit dem Stundenkontingent der Mitarbeiter hinzukommen.
Kraft und Nervenstärke nehmen also gerade ziemlich ab, und die Motivation aufrecht zu erhalten ist bei dem – zumindest gefühlten – Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ein kleiner, täglicher Kampf.

Dazu macht mir, auch wenn er dieses Jahr – zumindest bislang – sehr moderat ist, der Winter zu schaffen: Die Kälte – vor allem der kalte Wind – und die Nässe sind einfach nix für Papa!

Nun, zumindest bei der Jahreszeit ist ja ein Ende abzusehen, und durch alles andere muss ich halt irgendwie durch. Gibt auch sicher Schlimmeres. Trotzdem: Dolle isses gerade nicht.

1+

Jetzt sind’s schon vier…

Vier Jahre Selbständigkeit, hättste auch nicht gedacht, damals, als wir anfingen

Mittlerweile ist aus dem großen Abenteuer Alltag geworden, mit all den Aufs und Abs, die dazu gehören. Mehr Arbeit als Wahnsinn, weniger Euphorie, alles ein wenig ruhiger, ohne große Ausschläge nach oben oder unten – Alltag halt.

Viele der anfallenden Arbeiten lassen sich mittlerweile tagsüber im Laden erledigen, es gibt also wieder freie Abende. So richtig produktiv sind die allerdings nicht, wenn man erst irgendwann zwischen acht und zehn nach Hause kommt – weshalb der freie Tag in der Woche auch gut mit Programm gefüllt ist und die Erholung nachwievor ein wenig kurz kommt, zumal bei Selbständigen ja auch freie Tage nur höchst selten so richtig frei sind. Drei Wochen Urlaub wären mal geil, da das aber weiterhin nicht machbar ist gibt es ab und zu mal ein paar freie Tage am Stück, die manchmal sogar wie ein richtiger Kurzurlaub sind. Dummerweise sind die freien Tage erst mal passé, rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft verlässt uns nämlich eine Aushilfe, und gute Aushilfen zu finden ist alles andere als einfach.

Seit ich den Betrieb alleine schmeiße hat die Arbeit, vor allem aber die Belastung deutlich zugenommen. Zum Glück weiß ich Benedikt nicht nur in Ausnahmesituationen an meiner Seite – völlig alleine könnte ich so eine Sache eher nicht wuppen.

Und obwohl aus dem Abenteuer Alltag wurde, obwohl es nachwievor anstrengend ist, möchte ich diesen Alltag nicht eintauschen. Na gut, ich hätte da mein Träumchen, aber solange ich den Jackpot noch nicht geknackt habe können wir gerne so weitermachen wie momentan. 😉

Das Vierjährige feiern wir übrigens nicht im Laden, das genießen wir still für uns alleine. In einem Jahr dann, wenn nix dazwischen kommt, wird die Party dafür um so größer…

5+

Seit Ostern habe ich nonstop durchgearbeitet – jetzt bin ich doch ein bisschen im Arsch platt!

Vor drei Jahren habe ich das ständig gemacht: Sechs Tage die Woche im Laden stehen – ohne zweiten Mann! Dazu bis weit nach Mitternacht am Rechner gesessen, Bestellungen gemacht, und Sonntags noch den restlichen Kram erledigt, der so anfiel, mitunter auch noch mal was im Laden geklüdert. Im Nachhinein habe ich doch tatsächlich ein bisschen Hochachtung vor mir.

Mittlerweile bin ich deutlich früher im Bett, die Sonntagsarbeit ist auf ein paar Stunden vor dem Frühstück reduziert, und ab jetzt sollte wieder ein freier Tag pro Woche drin sein. Und wenn dann an dem ersten freien Tag seit zweieinhalb Wochen ein solches Wetterchen ist…

…genießt man ihn um so mehr mit einem kleinen Ausflug ins Nachbardorf.  🙂

6+

Alles im Wandel

Bevor der Alltag zu sehr zur Routine wird würfeln wir doch einfach mal alles durcheinander:

Dass wir ob des gesunkenen Kundenaufkommens den Personalstand so nicht würden halten können war ja schon länger klar. Zum Glück mussten wir keine Kündigung aussprechen, zwei unserer Jungs haben sich selbst auf die Suche nach neuen Herausforderungen begeben und sind fündig geworden – und zwar alle beide! Für die beiden ist das vollkommen richtig so, schließlich war die Anstellung bei uns sowieso nicht für die Ewigkeit gedacht. Dummerweise erfolgt ihr Ausscheiden doch sehr schnell hintereinander und dazu recht kurzfristig, zum Glück stehen aber bereits zwei liebe Menschen  – wie bei uns üblich sind es Stammkunden – in den Startlöchern. Ich freue mich auf den – nötig gewordenen – frischen Wind, auch wenn es erstmal viel Arbeit bedeutet, bis das neue Personal eingearbeitet ist, und ich mir in den nächsten Wochen keine Gedanken machen muss, wie ich meine freien Tage gestalte, denn es wird sie schlichtweg nicht geben.

Aber das allein wäre ja noch nicht genug Wandel: So wird sich Benedikt, wie schon länger angedacht, aus dem Unternehmen zurückziehen. Zwar steht er weiterhin mit Rat – und vor allem bei der momentanen Personalsituation auch mit Tat – zur Seite, trotzdem ist das ein ganz schön heftiger Einschnitt; die vorher gut verteilte Verantwortung liegt dann allein auf meinen – ach so schmalen – Schultern. Auch wenn dieser Schritt schon länger besprochen war und absolut logisch ist bin ich damit nicht sonderlich glücklich. Ist so ein bisschen wie Scheidung – zum Glück ohne begleitenden Rosenkrieg – und nun bin ich quasi alleinerziehend. 😉

Der sich wandelnde Markt und die – immer deutlicher spürbare – Konkurrenzsituation runden das Wandelbild ab. Es warten also ganz schön heftige Herausforderungen auf mich, aber der Alltag soll wohl nicht zu langweilig werden. Außerdem geht das mit den – mal kleinen, mal großen – Herausforderungen ja schon seit dreieinhalb Jahren so, und so bleibt man wenigstens in Übung. 😉

4+

Erhol…was?

Die Jungs wollen mir einen zusätzlichen freien Tag in dieser Woche aufnötigen. “Wir haben sowieso gerade alle zu wenig Stunden, außerdem sind wir diesen Monat ja noch zu dritt, und dann kannst du dich mal ein paar Tage am Stück erholen” sagen sie.

Hm, noch ein freier Tag? Ich habe doch schon einen zusätzlichen diese Woche, da muss das ja nicht, außerdem – wie sieht das denn aus, wenn der Chef schon wieder freimacht und die Jungs arbeiten lässt… Andererseits müsste die Wohnung mal gründlich geputzt (mööp, hoch motiviert) und der Keller ausgemistet werden (noch motivierter)… Oder doch eher ein Homeoffice-Tag? Bei den Großhändlern nach neuen Aromen gucken, endlich mal nach einem neuen Design für die Webseite schauen, vielleicht sogar mal die ganzen Ordner und Kassenbücher sortieren, außerdem…

Hm, kann man Erholung eigentlich verlernen?

3+