Seit Ostern habe ich nonstop durchgearbeitet – jetzt bin ich doch ein bisschen im Arsch platt!

Vor drei Jahren habe ich das ständig gemacht: Sechs Tage die Woche im Laden stehen – ohne zweiten Mann! Dazu bis weit nach Mitternacht am Rechner gesessen, Bestellungen gemacht, und Sonntags noch den restlichen Kram erledigt, der so anfiel, mitunter auch noch mal was im Laden geklüdert. Im Nachhinein habe ich doch tatsächlich ein bisschen Hochachtung vor mir.

Mittlerweile bin ich deutlich früher im Bett, die Sonntagsarbeit ist auf ein paar Stunden vor dem Frühstück reduziert, und ab jetzt sollte wieder ein freier Tag pro Woche drin sein. Und wenn dann an dem ersten freien Tag seit zweieinhalb Wochen ein solches Wetterchen ist…

…genießt man ihn um so mehr mit einem kleinen Ausflug ins Nachbardorf.  🙂

5+

Alles im Wandel

Bevor der Alltag zu sehr zur Routine wird würfeln wir doch einfach mal alles durcheinander:

Dass wir ob des gesunkenen Kundenaufkommens den Personalstand so nicht würden halten können war ja schon länger klar. Zum Glück mussten wir keine Kündigung aussprechen, zwei unserer Jungs haben sich selbst auf die Suche nach neuen Herausforderungen begeben und sind fündig geworden – und zwar alle beide! Für die beiden ist das vollkommen richtig so, schließlich war die Anstellung bei uns sowieso nicht für die Ewigkeit gedacht. Dummerweise erfolgt ihr Ausscheiden doch sehr schnell hintereinander und dazu recht kurzfristig, zum Glück stehen aber bereits zwei liebe Menschen  – wie bei uns üblich sind es Stammkunden – in den Startlöchern. Ich freue mich auf den – nötig gewordenen – frischen Wind, auch wenn es erstmal viel Arbeit bedeutet, bis das neue Personal eingearbeitet ist, und ich mir in den nächsten Wochen keine Gedanken machen muss, wie ich meine freien Tage gestalte, denn es wird sie schlichtweg nicht geben.

Aber das allein wäre ja noch nicht genug Wandel: So wird sich Benedikt, wie schon länger angedacht, aus dem Unternehmen zurückziehen. Zwar steht er weiterhin mit Rat – und vor allem bei der momentanen Personalsituation auch mit Tat – zur Seite, trotzdem ist das ein ganz schön heftiger Einschnitt; die vorher gut verteilte Verantwortung liegt dann allein auf meinen – ach so schmalen – Schultern. Auch wenn dieser Schritt schon länger besprochen war und absolut logisch ist bin ich damit nicht sonderlich glücklich. Ist so ein bisschen wie Scheidung – zum Glück ohne begleitenden Rosenkrieg – und nun bin ich quasi alleinerziehend. 😉

Der sich wandelnde Markt und die – immer deutlicher spürbare – Konkurrenzsituation runden das Wandelbild ab. Es warten also ganz schön heftige Herausforderungen auf mich, aber der Alltag soll wohl nicht zu langweilig werden. Außerdem geht das mit den – mal kleinen, mal großen – Herausforderungen ja schon seit dreieinhalb Jahren so, und so bleibt man wenigstens in Übung. 😉

3+

Erhol…was?

Die Jungs wollen mir einen zusätzlichen freien Tag in dieser Woche aufnötigen. „Wir haben sowieso gerade alle zu wenig Stunden, außerdem sind wir diesen Monat ja noch zu dritt, und dann kannst du dich mal ein paar Tage am Stück erholen“ sagen sie.

Hm, noch ein freier Tag? Ich habe doch schon einen zusätzlichen diese Woche, da muss das ja nicht, außerdem – wie sieht das denn aus, wenn der Chef schon wieder freimacht und die Jungs arbeiten lässt… Andererseits müsste die Wohnung mal gründlich geputzt (mööp, hoch motiviert) und der Keller ausgemistet werden (noch motivierter)… Oder doch eher ein Homeoffice-Tag? Bei den Großhändlern nach neuen Aromen gucken, endlich mal nach einem neuen Design für die Webseite schauen, vielleicht sogar mal die ganzen Ordner und Kassenbücher sortieren, außerdem…

Hm, kann man Erholung eigentlich verlernen?

3+

Homeoffice

Nachdem wir uns den Sonntag im Laden mit einer Zähl-Orgie um die Ohren geschlagen haben gibt es jetzt drei Tage Homeoffice. Faul die Eier schaukeln ist aber nicht – das „Außenlager“ (klingt besser als Keller) muss noch gezählt und die Inventurlisten möchten abgeschlossen werden. Trotzdem – zwei Stunden länger schlafen muss drin sein, ebenso ein entspanntes Frühstück.

Außerdem habe ich mal wieder eine kleine Arzt-Ralley in Gang gebracht, schließlich möchte man nach nem Vierteljahr doch langsam mal wissen, woher die Schmerzen im Sprunggelenk kommen.

Die nächsten drei Tage werde ich also am heimischen PC verbringen (der Rücken freut sich), dabei die Sonne durchs Fenster scheinen lassen und Preislisten durchpflügen. Damit, dass so ne Inventur nur einmal im Jahr stattfindet, kann ich irgendwie gut leben…

2+

Und danach?

Irgendwann wird es mit dem Laden vorbei sein. Entweder mittelfristig, den Marktgesetzen folgend – groß frisst klein – oder, womit ich eher rechne, schon wesentlich früher, weil die Dampferei aus einer Mischung aus Ahnungslosigkeit und Geldgier tot reguliert wird. Natürlich kann es auch noch tausend andere Gründe geben, wie auch immer, irgendwann werden wir halt den Schlüssel endgültig rumdrehen. Was aber kommt danach? Also nachdem man erst mal eine Woche durchgeschlafen hat?

Meine Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt sind nicht wirklich gestiegen: Aus meinen alten Berufen bin ich entweder zu lang raus oder war nie richtig drin. Einen ehemaligen Selbständigen einzustellen werden sich die meisten Personalchefs nicht antun, dazu noch einen, der um die 50 ist. So richtig kann ich es mir auch gerade nicht vorstellen, wieder irgendwo in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Seit zwei Jahren gebe ich – zusammen mit Benedikt – Kurs und Takt vor. Ich arbeite an unserem Baby. Und dann sollte ich plötzlich wieder…? Den Eurojackpot zu knacken dürfte wahrscheinlicher sein als anschließend einen “Traumjob” zu finden, selbst wenn ich weiterhin kein Lotto spiele. Aber für wie wahrscheinlich habe ich es vor drei Jahren gehalten, mich mit einem Dampferladen selbständig zu machen, und damit sogar recht erfolgreich zu sein? Eben.

Und sich direkt anschließend etwas Neues – in einer anderen Branche – aufzubauen? Eher unwahrscheinlich. Es lief bei uns so gut, so viel Glück kann man einfach nicht immer haben. Außerdem lebt das ganze von der Leidenschaft, die man  benötigt, wenn man Erfolg haben will, lebt davon, das Hobby zum Beruf zu machen, und das lässt sich nun mal nicht beliebig oft wiederholen.

Auch wenn wir beide gerade heftig an unsere Grenzen stoßen – lange können wir das, ohnehin schon reduzierte, Tempo nicht mehr halten -, urlaubsreif sind und auch gegen etwas mehr freie Zeit nichts einzuwenden hätten – es darf gerne noch ein Weilchen dauern, bis “die Zeit danach” anbricht.

Und irgendwie wird es dann schon weitergehen.

1+

Zwei Jahre Abenteuer

Jetzt haben wir tatsächlich schon das zweite Jahr geschafft. Zwei Jahre! Und es ist nachwievor ein Abenteuer, ein schönes und zugleich anstrengendes.

Ja, vieles fehlt. Zeit vor allem. Ich hatte noch nie über einen so langen Zeitraum hinweg so wenig freie Zeit. Und noch nie über einen so langen Zeitraum hinweg so viel gearbeitet. Und doch stehe ich nach wie vor fast jeden Abend vor dem Schlafengehen am Fenster, Dampfe ein paar Züge, sinniere über den Tag, und stelle fest, dass ich zwar ganz schön fertig bin – aber auch so richtig zufrieden.

Zufriedenheit. Erfüllung. Richtiger Ort und richtige Zeit und so. Die Entscheidung, dieses Abenteuer zu wagen, war sicher eine der besten meines Lebens (wobei man jetzt wieder die Frage stellen könnte, inwieweit der Mensch selbständig Entscheidungen… aber lassen wir das). Ich bin dankbar für diese letzten zwei Jahre, und von mir aus darf es auch gerne noch eine Zeit lang so weitergehen. Und vielleicht lassen sich ja eines Tages sogar Erfüllung und Zeit in Einklang bringen.

Fotos von der Geburtstagsfeier gibt es bei den Schnuten.

1+

Urlaub!

Jetzt ist es tatsächlich so weit: Die Urlaubswoche beginnt! Sie ist dringend nötig, zumal nach den drei letzten extrem heftigen Tagen. Der Schlafmangel reicht eigentlich schon für fünf Tage Durchschlafen (Schade, dass man den Schlaf auf diese Weise nicht wirklich aufholen kann), aber auch einfach mal Zeit haben, das Liegengebliebene aufzuarbeiten, privaten Krams zu erledigen, und einfach nur Abschalten. “Eine Woche mal nicht an den Laden denken, am besten wegfahren, um den Kopf mal so richtig frei zu pusten” war die Idee. Gut, dass das mit dem komplett Abschalten nicht klappen würde war recht schnell klar – nur jetzt haben wir die Möglichkeit, einiges zu organisieren, dass sich eben nur bei Frei und zu normalen Öffnungszeiten organisieren lässt. Natürlich könnte man bei der Gelegenheit auch noch ein bisschen was nacharbeiten, ausmisten, den fälligen Großputz erledigen… wir würden also problemlos die gesamte Woche für den Laden nutzen können. Machen wir aber nicht – hoffentlich. 😉

Ob der Plan die Idee, zumindest für drei oder vier Tage wegzufahren, umgesetzt wird ist noch nicht entschieden, ein wenig Tapetenwechsel wäre sicher nicht verkehrt, zumal das Wetter hier vor Ort auch nicht so richtig zu Tagesausflügen einlädt. Entscheiden werden wir das “ob”, “wie lange” und “wohin” spontan, irgendwelche Planungen waren auf Grund des Zeitmangels bisher nicht möglich. Aber alleine mal ein paar Tage von keinem Wecker geweckt zu werden ist schon traumhaft.

Natürlich meldet sich da auch eine besorgte Stimme im Hinterkopf: Eine ganze Woche ist der Laden geschlossen! Nicht nur eine Woche keinen Umsatz, sondern vor allem vergrätzte, vielleicht sogar verärgerte Kunden, potentielle Neukunden, die zu ihrer Einsteigerberatung eben die paar Meter zur Konkurrenz gehen und die wir so verlieren könnten… Allerdings ist diese Auszeit, um mit Mutti zu sprechen, alternativlos. Die Akkus sind leer, die Nerven schon deutlich zu dünn, und mit meinen Augenringen bekäme ich ungeschminkt jede Rolle in einem Gruselfilm.

Wie auch immer dieser Urlaub – der erste seit zwei Jahren – wird, er beginnt auf jeden Fall entspannt:

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Am Limit (2)

Zum anderen ist die Arbeit für den Laden momentan recht heftig, dass ich gerade schlichtweg platt bin:

Der eine Mitarbeiter fällt wegen Krankheit aus, der andere beißt auf die Zähne und hält trotz geschossener Hexe tapfer durch. Ich hatte in diesem Monat – von den Sonntagen, die ja eigentlich auch nie richtig frei sind, mal abgesehen – ganze zwei freie Tage. Und bis auf die Weihnachts- und Ostertage arbeiten wir seit zwei Jahren durch. So langsam bin ich an der Grenze angekommen, und mittlerweile habe ich die Befürchtung, dass die Rückenprobleme nicht nur an der Matratze liegen, zu deren Erneuerung ich aus Zeitmangel einfach nicht komme.

Kurze Augenkosmetik nach Ladenschluss

Trotzdem bereue ich übrigens unser Abenteuer keine Sekunde. Schließlich wird sich zumindest die Personalsituation (hoffentlich) bald entspannen, und mit der Dampfermesse in einem Monat wartet ja auch schon ein kleines Highlight, auf das ich mich riesig freue.

Dennoch würde ich gerne mal ein paar Tage durchatmen, und auch ein wenig Schlaf nachholen. Wir überlegen, Ende Oktober einen kleinen Urlaub einzuschieben, und bis dahin hält man sich eben mit den kleinen Highlights des Alltags über Wasser.

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Mittwochs geschlossen

Seit elf Monaten arbeiten wir 80, mitunter auch 90 Stunden in einer 6 1/3-Tage-Woche. Außer sonntags überliste ich, mit wechselndem Erfolg, meine innere Uhr mit nem Schlafphasenwecker und ner (zum Schluss) kalten Dusche. Zwei freie Tage habe ich mir seitdem gegönnt, und so langsam robben wir auf dem Zahnfleisch.

Heute ist der erste freie Mittwoch! Es ist ein merkwürdiges Gefühl – ein normaler Werktag, und der Laden ist geschlossen. Ich habe lange geschlafen, werde gleich ausgiebig frühstücken, und dann… Ja, und dann? 1000 Dinge gäbe es in meiner Wohnung zu erledigen. Putzaktionen, Berge von Unterlagen sortieren, Mails beantworten, den PC auf Vordermann bringen, mich um zig Dinge kümmern, und ne kleine Shoppingtour in der großen Stadt Rostock wäre auch mal fällig. Machen werde ich heute davon nix. Einfach mal die Seele baumeln lassen. Vielleicht kurz den Staubsauger schwingen, vielleicht ein ganz kleines bisschen aufräumen, sonst nix. Nach und nach wird alles in den letzten Monaten Liegengebliebene abgearbeitet, denn ab jetzt ist jeder Mittwoch frei. Diesen aber, den ersten, den werde ich einfach so “vertrödeln”. Nix machen. Entspannen. Und ja, es tut saugut.

Natürlich wartet hier noch ein bisschen “Heimarbeit” – eine Bestellung, ein paar Formulare, die geändert werden wollen, ein bisschen Kleinkram. Und ja, natürlich werde ich das heute erledigen. So ganz frei hat man als Selbständiger halt nie – aber das ist völlig okay so.

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