Urlaub! Schön, aber…

Ein wenig urlaubsreif bin ich ja schon länger. Die verlängerten Wochenenden, die ich mir zuletzt ab und an gegönnt habe, taten zwar gut, aber so richtiges Abschalten war natürlich nicht drin. “Mal so drei, besser vier Wochen Urlaub, das wärs” dachte ich letztens “aber das geht nunmal nicht”. Tja, nun habe ich meine – mindestens – vier Wochen Urlaub, aber so war das irgendwie nicht geplant.

Seit heute ist der Laden bis mindestens Mitte April geschlossen. In einigen Bundesländern gelten Dampfshops zwar (noch?) als notwendig für den täglichen Bedarf, aber das Verbot ist ja nur die eine Sache, die Gesundheit eben die andere. Ich trage nicht nur für die Gesundheit meiner drei Angestellten die Verantwortung, sondern auch eine kollektive – um die Ausbreitung des Virus einzudämmen müssen Kontakte im Augenblick einfach so gut es geht vermieden werden, und je weniger Läden geöffnet haben, um so einfacher ist dies durchzuziehen.

Generell sollten in dieser Situation noch weitaus mehr Einrichtungen geschlossen werden. Wer muss denn jetzt noch in ein Restaurant einkehren? Wozu müssen zum Beispiel Gartenbau-Center geöffnet bleiben? Ich bin weitab von Hysterie und Verbotswahn, aber hier muss einfach rigoroser durchgegriffen werden, da der Großteil des Volkes offensichtlich den letzten Rest Eigenverantwortung versoffen hat – anders sind fröhliche Happenings auf Spielplätzen und ausufernde “Corona-Partys” ja nicht zu erklären.

Natürlich schmerzt jeden Gewerbetreibenden eine Schließung – zumal bezweifelt werden darf, dass in vier Wochen die ganze Scheiße vorbei ist. Ja, es wird Härtefälle geben, Existenzängste, Insolvenzen. Es wird viele Leute treffen, wahrscheinlich noch viel mehr und viel härter, als man sich das jetzt ausmalen kann – zumal niemand zur Zeit voraussagen kann, was noch alles passiert. Trotzdem müssen wir da jetzt alle durch, hilft ja nix.

Ich bin mit der Schließung mit mir im Reinen, jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich die Lage in absehbarer Zeit beruhigt und wir die Kunden, von denen wir uns gestern noch mit “bleib gesund, bis bald” verabschiedet haben, auch wirklich bald gesund wiedersehen.

Und bis dahin mache ich – wenn auch etwas anders als geplant – Urlaub, urlaubsreif bin ich ja, nach den letzten Tagen erst recht…

2+

4 Tage nix!

Sieben Wochen habe ich jetzt am Stück durchgearbeitet, nur unterbrochen von den “freien” Sonntagen*, dabei so gut es geht Personallücken gestopft und zwei neue Aushilfen angelernt. Und jetzt bin ich platt, alle, komatös.

Zum Glück kommen jetzt vier (!) freie Tage (!!) am Stück (!!!), und da werde ich genau nix** machen. Gar nix. Also außer lange zu schlafen natürlich.

Und wenn es anschließend zumindest für zwei, drei Wochen ein wenig entspannter zugeht könnte ich gut damit leben.

*Freie Sonntage bestehen in der Regel daraus, drei Stunden länger zu schlafen, entspannt zu frühstücken und den Rest des Tages die dringendsten der unter der Woche liegengebliebenen Dinge zu erledigen. Ab und zu ein Spaziergang durchs Dorf und ein Ausflug an die Wasserkante ließen einen ein wenig durchschnaufen, insgesamt war der Erholungsfaktor eher übersichtlich.

** Nix bedeutet wirklich nix. Naja, bis auf die Sachen, die man ja schon so lange erledigen wollte… und die man, wenn man schon mal Zeit hat… außerdem wollte ich ja schon länger mal… und wenn man schon mal dabei ist… Aber sonst wirklich nix! Gar nix!

4+

Dolle isses nich

Hobby und Leidenschaft zum Broterwerb zu machen ist eine sehr schöne Sache. Auch viel Arbeit kann da großen Spaß machen, die Motivation kommt von alleine, und selbst mit der Situation, dass kaum noch Zeit für andere Dinge bleibt, hat man sich irgendwie arrangiert.

Zur Zeit macht es allerdings wenig Freude: Seit Jahresbeginn sind die Umsätze bescheiden, dafür ist die Arbeit gerade verdammt viel – der einzige Vollzeitmitarbeiter fällt derzeit krankheitsbedingt aus und ich stehe für mehrere Wochen jeden Tag im Laden. Zum Glück haben wir eine weitere Aushilfe gefunden, ansonsten wäre es noch schwieriger, mit dem Stundenkontingent der Mitarbeiter hinzukommen.
Kraft und Nervenstärke nehmen also gerade ziemlich ab, und die Motivation aufrecht zu erhalten ist bei dem – zumindest gefühlten – Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ein kleiner, täglicher Kampf.

Dazu macht mir, auch wenn er dieses Jahr – zumindest bislang – sehr moderat ist, der Winter zu schaffen: Die Kälte – vor allem der kalte Wind – und die Nässe sind einfach nix für Papa!

Nun, zumindest bei der Jahreszeit ist ja ein Ende abzusehen, und durch alles andere muss ich halt irgendwie durch. Gibt auch sicher Schlimmeres. Trotzdem: Dolle isses gerade nicht.

1+

Jetzt sind’s schon vier…

Vier Jahre Selbständigkeit, hättste auch nicht gedacht, damals, als wir anfingen

Mittlerweile ist aus dem großen Abenteuer Alltag geworden, mit all den Aufs und Abs, die dazu gehören. Mehr Arbeit als Wahnsinn, weniger Euphorie, alles ein wenig ruhiger, ohne große Ausschläge nach oben oder unten – Alltag halt.

Viele der anfallenden Arbeiten lassen sich mittlerweile tagsüber im Laden erledigen, es gibt also wieder freie Abende. So richtig produktiv sind die allerdings nicht, wenn man erst irgendwann zwischen acht und zehn nach Hause kommt – weshalb der freie Tag in der Woche auch gut mit Programm gefüllt ist und die Erholung nachwievor ein wenig kurz kommt, zumal bei Selbständigen ja auch freie Tage nur höchst selten so richtig frei sind. Drei Wochen Urlaub wären mal geil, da das aber weiterhin nicht machbar ist gibt es ab und zu mal ein paar freie Tage am Stück, die manchmal sogar wie ein richtiger Kurzurlaub sind. Dummerweise sind die freien Tage erst mal passé, rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft verlässt uns nämlich eine Aushilfe, und gute Aushilfen zu finden ist alles andere als einfach.

Seit ich den Betrieb alleine schmeiße hat die Arbeit, vor allem aber die Belastung deutlich zugenommen. Zum Glück weiß ich Benedikt nicht nur in Ausnahmesituationen an meiner Seite – völlig alleine könnte ich so eine Sache eher nicht wuppen.

Und obwohl aus dem Abenteuer Alltag wurde, obwohl es nachwievor anstrengend ist, möchte ich diesen Alltag nicht eintauschen. Na gut, ich hätte da mein Träumchen, aber solange ich den Jackpot noch nicht geknackt habe können wir gerne so weitermachen wie momentan. 😉

Das Vierjährige feiern wir übrigens nicht im Laden, das genießen wir still für uns alleine. In einem Jahr dann, wenn nix dazwischen kommt, wird die Party dafür um so größer…

5+

Seit Ostern habe ich nonstop durchgearbeitet – jetzt bin ich doch ein bisschen im Arsch platt!

Vor drei Jahren habe ich das ständig gemacht: Sechs Tage die Woche im Laden stehen – ohne zweiten Mann! Dazu bis weit nach Mitternacht am Rechner gesessen, Bestellungen gemacht, und Sonntags noch den restlichen Kram erledigt, der so anfiel, mitunter auch noch mal was im Laden geklüdert. Im Nachhinein habe ich doch tatsächlich ein bisschen Hochachtung vor mir.

Mittlerweile bin ich deutlich früher im Bett, die Sonntagsarbeit ist auf ein paar Stunden vor dem Frühstück reduziert, und ab jetzt sollte wieder ein freier Tag pro Woche drin sein. Und wenn dann an dem ersten freien Tag seit zweieinhalb Wochen ein solches Wetterchen ist…

…genießt man ihn um so mehr mit einem kleinen Ausflug ins Nachbardorf.  🙂

6+

Alles im Wandel

Bevor der Alltag zu sehr zur Routine wird würfeln wir doch einfach mal alles durcheinander:

Dass wir ob des gesunkenen Kundenaufkommens den Personalstand so nicht würden halten können war ja schon länger klar. Zum Glück mussten wir keine Kündigung aussprechen, zwei unserer Jungs haben sich selbst auf die Suche nach neuen Herausforderungen begeben und sind fündig geworden – und zwar alle beide! Für die beiden ist das vollkommen richtig so, schließlich war die Anstellung bei uns sowieso nicht für die Ewigkeit gedacht. Dummerweise erfolgt ihr Ausscheiden doch sehr schnell hintereinander und dazu recht kurzfristig, zum Glück stehen aber bereits zwei liebe Menschen  – wie bei uns üblich sind es Stammkunden – in den Startlöchern. Ich freue mich auf den – nötig gewordenen – frischen Wind, auch wenn es erstmal viel Arbeit bedeutet, bis das neue Personal eingearbeitet ist, und ich mir in den nächsten Wochen keine Gedanken machen muss, wie ich meine freien Tage gestalte, denn es wird sie schlichtweg nicht geben.

Aber das allein wäre ja noch nicht genug Wandel: So wird sich Benedikt, wie schon länger angedacht, aus dem Unternehmen zurückziehen. Zwar steht er weiterhin mit Rat – und vor allem bei der momentanen Personalsituation auch mit Tat – zur Seite, trotzdem ist das ein ganz schön heftiger Einschnitt; die vorher gut verteilte Verantwortung liegt dann allein auf meinen – ach so schmalen – Schultern. Auch wenn dieser Schritt schon länger besprochen war und absolut logisch ist bin ich damit nicht sonderlich glücklich. Ist so ein bisschen wie Scheidung – zum Glück ohne begleitenden Rosenkrieg – und nun bin ich quasi alleinerziehend. 😉

Der sich wandelnde Markt und die – immer deutlicher spürbare – Konkurrenzsituation runden das Wandelbild ab. Es warten also ganz schön heftige Herausforderungen auf mich, aber der Alltag soll wohl nicht zu langweilig werden. Außerdem geht das mit den – mal kleinen, mal großen – Herausforderungen ja schon seit dreieinhalb Jahren so, und so bleibt man wenigstens in Übung. 😉

4+

Erhol…was?

Die Jungs wollen mir einen zusätzlichen freien Tag in dieser Woche aufnötigen. “Wir haben sowieso gerade alle zu wenig Stunden, außerdem sind wir diesen Monat ja noch zu dritt, und dann kannst du dich mal ein paar Tage am Stück erholen” sagen sie.

Hm, noch ein freier Tag? Ich habe doch schon einen zusätzlichen diese Woche, da muss das ja nicht, außerdem – wie sieht das denn aus, wenn der Chef schon wieder freimacht und die Jungs arbeiten lässt… Andererseits müsste die Wohnung mal gründlich geputzt (mööp, hoch motiviert) und der Keller ausgemistet werden (noch motivierter)… Oder doch eher ein Homeoffice-Tag? Bei den Großhändlern nach neuen Aromen gucken, endlich mal nach einem neuen Design für die Webseite schauen, vielleicht sogar mal die ganzen Ordner und Kassenbücher sortieren, außerdem…

Hm, kann man Erholung eigentlich verlernen?

3+

Homeoffice

Nachdem wir uns den Sonntag im Laden mit einer Zähl-Orgie um die Ohren geschlagen haben gibt es jetzt drei Tage Homeoffice. Faul die Eier schaukeln ist aber nicht – das “Außenlager” (klingt besser als Keller) muss noch gezählt und die Inventurlisten möchten abgeschlossen werden. Trotzdem – zwei Stunden länger schlafen muss drin sein, ebenso ein entspanntes Frühstück.

Außerdem habe ich mal wieder eine kleine Arzt-Ralley in Gang gebracht, schließlich möchte man nach nem Vierteljahr doch langsam mal wissen, woher die Schmerzen im Sprunggelenk kommen.

Die nächsten drei Tage werde ich also am heimischen PC verbringen (der Rücken freut sich), dabei die Sonne durchs Fenster scheinen lassen und Preislisten durchpflügen. Damit, dass so ne Inventur nur einmal im Jahr stattfindet, kann ich irgendwie gut leben…

2+

Und danach?

Irgendwann wird es mit dem Laden vorbei sein. Entweder mittelfristig, den Marktgesetzen folgend – groß frisst klein – oder, womit ich eher rechne, schon wesentlich früher, weil die Dampferei aus einer Mischung aus Ahnungslosigkeit und Geldgier tot reguliert wird. Natürlich kann es auch noch tausend andere Gründe geben, wie auch immer, irgendwann werden wir halt den Schlüssel endgültig rumdrehen. Was aber kommt danach? Also nachdem man erst mal eine Woche durchgeschlafen hat?

Meine Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt sind nicht wirklich gestiegen: Aus meinen alten Berufen bin ich entweder zu lang raus oder war nie richtig drin. Einen ehemaligen Selbständigen einzustellen werden sich die meisten Personalchefs nicht antun, dazu noch einen, der um die 50 ist. So richtig kann ich es mir auch gerade nicht vorstellen, wieder irgendwo in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Seit zwei Jahren gebe ich – zusammen mit Benedikt – Kurs und Takt vor. Ich arbeite an unserem Baby. Und dann sollte ich plötzlich wieder…? Den Eurojackpot zu knacken dürfte wahrscheinlicher sein als anschließend einen “Traumjob” zu finden, selbst wenn ich weiterhin kein Lotto spiele. Aber für wie wahrscheinlich habe ich es vor drei Jahren gehalten, mich mit einem Dampferladen selbständig zu machen, und damit sogar recht erfolgreich zu sein? Eben.

Und sich direkt anschließend etwas Neues – in einer anderen Branche – aufzubauen? Eher unwahrscheinlich. Es lief bei uns so gut, so viel Glück kann man einfach nicht immer haben. Außerdem lebt das ganze von der Leidenschaft, die man  benötigt, wenn man Erfolg haben will, lebt davon, das Hobby zum Beruf zu machen, und das lässt sich nun mal nicht beliebig oft wiederholen.

Auch wenn wir beide gerade heftig an unsere Grenzen stoßen – lange können wir das, ohnehin schon reduzierte, Tempo nicht mehr halten -, urlaubsreif sind und auch gegen etwas mehr freie Zeit nichts einzuwenden hätten – es darf gerne noch ein Weilchen dauern, bis “die Zeit danach” anbricht.

Und irgendwie wird es dann schon weitergehen.

1+

Zwei Jahre Abenteuer

Jetzt haben wir tatsächlich schon das zweite Jahr geschafft. Zwei Jahre! Und es ist nachwievor ein Abenteuer, ein schönes und zugleich anstrengendes.

Ja, vieles fehlt. Zeit vor allem. Ich hatte noch nie über einen so langen Zeitraum hinweg so wenig freie Zeit. Und noch nie über einen so langen Zeitraum hinweg so viel gearbeitet. Und doch stehe ich nach wie vor fast jeden Abend vor dem Schlafengehen am Fenster, Dampfe ein paar Züge, sinniere über den Tag, und stelle fest, dass ich zwar ganz schön fertig bin – aber auch so richtig zufrieden.

Zufriedenheit. Erfüllung. Richtiger Ort und richtige Zeit und so. Die Entscheidung, dieses Abenteuer zu wagen, war sicher eine der besten meines Lebens (wobei man jetzt wieder die Frage stellen könnte, inwieweit der Mensch selbständig Entscheidungen… aber lassen wir das). Ich bin dankbar für diese letzten zwei Jahre, und von mir aus darf es auch gerne noch eine Zeit lang so weitergehen. Und vielleicht lassen sich ja eines Tages sogar Erfüllung und Zeit in Einklang bringen.

Fotos von der Geburtstagsfeier gibt es bei den Schnuten.

1+