Am Limit (2)

Zum anderen ist die Arbeit für den Laden momentan recht heftig, dass ich gerade schlichtweg platt bin:

Der eine Mitarbeiter fällt wegen Krankheit aus, der andere beißt auf die Zähne und hält trotz geschossener Hexe tapfer durch. Ich hatte in diesem Monat – von den Sonntagen, die ja eigentlich auch nie richtig frei sind, mal abgesehen – ganze zwei freie Tage. Und bis auf die Weihnachts- und Ostertage arbeiten wir seit zwei Jahren durch. So langsam bin ich an der Grenze angekommen, und mittlerweile habe ich die Befürchtung, dass die Rückenprobleme nicht nur an der Matratze liegen, zu deren Erneuerung ich aus Zeitmangel einfach nicht komme.

Kurze Augenkosmetik nach Ladenschluss

Trotzdem bereue ich übrigens unser Abenteuer keine Sekunde. Schließlich wird sich zumindest die Personalsituation (hoffentlich) bald entspannen, und mit der Dampfermesse in einem Monat wartet ja auch schon ein kleines Highlight, auf das ich mich riesig freue.

Dennoch würde ich gerne mal ein paar Tage durchatmen, und auch ein wenig Schlaf nachholen. Wir überlegen, Ende Oktober einen kleinen Urlaub einzuschieben, und bis dahin hält man sich eben mit den kleinen Highlights des Alltags über Wasser.

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Schon ein Jahr!

Heute vor einem Jahr haben wir unseren Laden eröffnet. Ein Jahr schon? Oder erst ein Jahr?

Gerade mal ein Jahr her…

Klar ist das vorige Leben noch irgendwo präsent, aber eben auch unheimlich weit weg – so viel ist seit dem Umzug und erst recht seit der Eröffnung vergangen. Andererseits – wirklich schon ein Jahr?

Guggst du Beitrag im Schnuten-Blog: Das erste Jahr.

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Mittwochs geschlossen

Seit elf Monaten arbeiten wir 80, mitunter auch 90 Stunden in einer 6 1/3-Tage-Woche. Außer sonntags überliste ich, mit wechselndem Erfolg, meine innere Uhr mit nem Schlafphasenwecker und ner (zum Schluss) kalten Dusche. Zwei freie Tage habe ich mir seitdem gegönnt, und so langsam robben wir auf dem Zahnfleisch.

Heute ist der erste freie Mittwoch! Es ist ein merkwürdiges Gefühl – ein normaler Werktag, und der Laden ist geschlossen. Ich habe lange geschlafen, werde gleich ausgiebig frühstücken, und dann… Ja, und dann? 1000 Dinge gäbe es in meiner Wohnung zu erledigen. Putzaktionen, Berge von Unterlagen sortieren, Mails beantworten, den PC auf Vordermann bringen, mich um zig Dinge kümmern, und ne kleine Shoppingtour in der großen Stadt Rostock wäre auch mal fällig. Machen werde ich heute davon nix. Einfach mal die Seele baumeln lassen. Vielleicht kurz den Staubsauger schwingen, vielleicht ein ganz kleines bisschen aufräumen, sonst nix. Nach und nach wird alles in den letzten Monaten Liegengebliebene abgearbeitet, denn ab jetzt ist jeder Mittwoch frei. Diesen aber, den ersten, den werde ich einfach so “vertrödeln”. Nix machen. Entspannen. Und ja, es tut saugut.

Natürlich wartet hier noch ein bisschen “Heimarbeit” – eine Bestellung, ein paar Formulare, die geändert werden wollen, ein bisschen Kleinkram. Und ja, natürlich werde ich das heute erledigen. So ganz frei hat man als Selbständiger halt nie – aber das ist völlig okay so.

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Akkuschonung

Mein Akku ist mittlerweile so weit runter dass es kaum möglich ist, ihn am freien Sonntag komplett aufzuladen. Zum Glück gibt es hin und wieder Gelegenheiten zur “Zwischenladung” – zum Beispiel wenn man außer der Reihe mal einen ganzen Tag frei macht. Oder wenn einen liebe Freunde besuchen, die man seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat. Oder, im Idealfall, wenn beides zusammenkommt – so geschehen am letzten Mittwoch. Freundlicherweise fand auch gerade an diesem Tag der diesjährige Sommer statt, so war das Urlaubsfeeling perfekt.

Da ein freier Tag alle 9 Monate aber nicht ausreicht werden wir voraussichtlich ab September mittwochs den Laden zu lassen. Die Zeit bis dahin heißt es eben noch mal Arsch zusammenkneifen und durch. Erleichtert wird das ganze dadurch, dass wir im August eine Aushilfe Teamverstärkung haben, die mich zumindest an den “Hammertagen” ein wenig unterstützt.

Also eigentlich ganz gute Aussichten für den Akku. 😉

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Warnleuchten

Inzwischen bin ich an der Grenze der Belastbarkeit angekommen. Eigentlich mit einem Fuß schon drüber, aber… Arsch zusammenkneifen und so. Die Arbeit im Laden ist alleine nicht mehr wirklich zu stemmen. Wir bemühen uns um eine Aushilfe, und wahrscheinlich haben wir zumindest im August Unterstützung. Wie es dann mittelfristig aussieht… werden wir sehen. Außerdem denken wir sowohl über einen Ruhetag unter der Woche als auch über eine Woche Urlaub nach, machen uns die Entscheidung aber noch schwer. Wenn Laden zu, dann zu – und damit auch keine Einnahmen, vor allem aber unbefriedigte Kunden. Jo, selbst und ständig halt. Klar geht die Gesundheit vor, aber solange man das Gefühl hat, irgendwie geht es noch…

Dummerweise hat auch der Schlaf gerade sowohl quanti- als auch qualitativ sehr viel Luft nach oben. Das momentan gelebte Motto “Augen zu und durch” ist quasi ein Selbstläufer – die Augen fallen von alleine zu, und durch bin ich auch. 😉

Herr der Augenringe

Mal sehen ob es in der nächsten Zeit etwas ruhiger wird und wir ein wenig durchatmen können, momentan sieht es aber nicht so aus. Abgesehen davon macht es natürlich auch Spaß, wenn man mit seinem kleinen Unternehmen so erfolgreich ist.

Es sind wieder mal neue Erfahrungen, die wir machen. Sie gehören dazu und sind somit auch okay. Trotzdem wäre ein bisschen Durchatmen jetzt ganz sinnvoll. Schließlich würden wir das mit dem Laden ja doch noch gerne eine längere Zeit durchziehen…

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Immer wieder Sonntags…

Unter der Woche gibt es keine Freizeit, das ist einfach so, damit habe ich mich mittlerweile mehr oder weniger arrangiert. Bleiben die Wochenenden, wobei die, wenn im – oder für den – Laden viel zu tun ist, auch mal erst am späten Samstagabend beginnen. So hätte ich mir meinen Geburtstag schon ein wenig entspannter vorgestellt, aber wir haben noch das beste draus gemacht.

Geburtstagstisch

Auch die Besuche der Lieben fallen etwas kürzer aus als früher, selbst das Abholen vom Bahnhof ist nicht immer möglich. Trotzdem wurde das letzte Wochenende – der erste Besuch seitdem der Ladenalltag losging – noch bestmöglich genossen. Für Sightseeing – wegen des Wetters partiell mit Auto – lecker Schmaus, kleine Möbelaufbausessions und ausgiebige Knuddelorgien reicht die begrenzte Zeit immer aus.

Adäquate Aufbewahrung

Dass Schlaf, Hausarbeit und die übliche Aufarbeitung des unter der Woche Liegengebliebenen da auf der Strecke bleiben ist absolut okay – der nächste Sonntag kommt ja bestimmt.

Schlemmerei

Wenn der dann allerdings so richtig frühlingshaft ist…

Strandbesuch

…wird das Liegengebliebene halt am nicht mehr ganz so freien Abend erledigt. Oder muss noch ne Woche warten. Außerdem ist ja bald Ostern… 😉

Ja, ich habe mir die Selbständigkeit selbst ausgesucht. (Naja, besser gesagt habe ich eine wohl einmalige Chance genutzt.) Ja, ich könnte zumindest theoretisch einfach mal Fünfe gerade sein lassen und die Zeit für Privatkram nutzen. Und ja, ich setze die Prioritäten. Aber ich weiß, dass zumindest der Freundeskreis Verständnis hat (hoffe ich jedenfalls), und irgendwann bekommen wir die Arbeit vielleicht auch noch etwas besser rationalisiert. Zur Zeit ist es nun mal wie es ist, und damit geht’s mir gerade saugut.

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Drei Monate

Heute vor genau drei Monaten haben wir unseren Laden eröffnet. So richtig fassen können wir das, was sich seitdem ereignet hat, nicht, und es würde mich gar nicht mal verwundern, wenn ich plötzlich in meiner alten Berliner Wohnung aufwache und das alles nur geträumt hätte. Nach wie vor ist die Selbständigkeit ein Abenteuer, nach wie vor ist sie anstrengend und macht zugleich riesigen Spaß. Wir lernen weiterhin Tag für Tag dazu, sammeln ständig neue Erfahrungen – und staunen doch darüber, dass wir bislang wohl nicht all zu viel falsch gemacht haben. 😉

Allerdings stoßen wir auch immer häufiger an unsere Grenzen:

  • Das Privatleben ist immer noch inexistent, auch wenn wir die Arbeitsabläufe schon optimieren und so versuchen, uns Freiräume zu schaffen. So richtig klappen will das noch nicht, dummerweise kommen wir mit der Erfindung des 48-Stunden-Tages auch nicht so recht weiter.
  • Im Laden ist die Arbeit ob des Kundenandrangs mitunter kaum noch zu bewältigen, auch da sind Lösungen noch nicht so richtig in Sicht.
  • Erste körperliche Verschleißerscheinungen sind nicht zu leugnen – letzte Woche durfte erstmals Benedikt drei Tage allein im Laden stehen während ich meine innige Beziehung zur Kloschüssel vertieft habe. Richtig fit bin ich immer noch nicht, und ich glaube, wir sollten unseren Körpern mal wieder etwas Gutes tun, zur Zeit fahren wir doch ziemlich auf Verschleiß.

Aber: Auch nach den ersten drei Monaten bereue ich nicht eine Sekunde lang unsere Entscheidung. Irgendwelche Prognosen, wie es heute in drei Monaten aussieht, entfallen – da könnten wir wahrscheinlich treffsicherer die Lottozahlen orakeln. 😉 Lassen wir uns also überraschen, sind wir bislang auch ganz gut mit gefahren.

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Selbst und ständig

Natürlich hatten wir uns auf den Schritt in die Selbständigkeit vorbereitet. Natürlich wussten wir, dass es gerade in der ersten Zeit ziemlich stressig werden würde. Dass man rund um die Uhr mit seinen Gedanken beim Laden ist. Dass man 1000 Dinge zu beachten hat, an die man zuvor nicht mal im Traum dachte. Dass man kaum noch Zeit für Dinge abseits des Ladens hat. Dass Selbständigkeit eben mit selbst und ständig zu tun hat. Wir wussten also ungefähr, was auf uns zukommt – dachten wir jedenfalls. Jo, am Arsch!

Kurz und knapp: Ich für meinen Teil habe die Selbständigkeit schwer unterschätzt. Der zweite Gedanke nach dem Aufwachen dreht sich um den Laden (der erste Gedanke lautet meist “fuck, schon wieder zu wenig Schlaf”), der letzte Gedanke vor dem Einschlafen dreht sich um den Laden, und die Gedanken dazwischen sowieso. Das Privatleben beschränkt sich auf ein paar freie Stunden am Sonntag, meine Wohnung hat den Charme – und die Ordnung – einer Rumpelkammer, was aber kaum ins Gewicht fällt, da ich eh nur zum Schlafen dort bin. Die sozialen Kontakte beschränken sich in der Regel auf Kundengespräche, vom Freundeskreis bekomme ich kaum noch etwas mit, vom erweiterten Bekanntenkreis gar nix mehr. Die Hobbys abseits des Dampfens liegen brach, die zu lesenden Bücher stapeln sich ebenso wie noch ungesehene DVDs, meinen Fernseher schalte ich alle paar Wochen mal kurz an, von meinem geliebten Fußball bekomme ich gar nix mehr mit, und sämtliche Webprojekte liegen brach.

ABER

Das ganze macht nach wie vor einfach riesigen Spaß! Wir können unserer Leidenschaft nicht nur (rund um die Uhr) nachgehen sondern auch andere Menschen dafür begeistern. Wir sehen, wie unser Projekt, “unser Baby” täglich wächst, immer mehr unseren Vorstellungen entspricht. Wir sehen, wie unsere Ideen, unser Konzept vom Laden aufzugehen scheint und bereits angenommen wird. Ob das Interesse der Kunden anhält und sich steigern lässt – bis wir vom Laden leben können ist es noch ein verdammt weiter Weg – wissen wir nicht. Ob wir das – mittlerweile schon reduzierte – Tempo dauerhaft durchstehen können wissen wir ebenso wenig. Ob uns die – meist völlig ahnungslosen – Politiker oder die Lobbyverbände irgendwann die Geschäftsidee zunichte machen wissen wir erst recht nicht. Es ist auch relativ müßig, deswegen die Glaskugel zu bemühen (natürlich ertappt man sich doch hin und wieder bei solchen Gedanken), wir konzentrieren uns lieber auf das, was wir beeinflussen können und hoffen, dass es weiterhin so gut läuft. Wir haben unseren Traum verwirklicht, haben unser Hobby zum Beruf gemacht, können diesem somit quasi 24 Stunden am Tag nachgehen, und dafür nimmt man doch gerne einiges in Kauf. Auch wenn ich mich auf Weihnachten und somit zwei freie Tage am Stück freue. 😉

Zur Zeit falle ich jeden Abend völlig erledigt ins Bett. Erledigt – und sauglücklich.

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Frei!

Der erste freie Tag seit Wochen: Ausschlafen, entspannt frühstücken, Strandspaziergang.

Belohnung für die Schufterei der letzten Zeit, zugleich wieder Kraft tanken für die nächsten Tage, die wahrscheinlich auch nicht wesentlich unstressiger werden.

Apropos frei:

Bis vor 25 Jahren wäre ein Spaziergang hier entlang für mich auch etwas schwieriger gewesen.

Das Leben – manchmal läuft’s!

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Endlich ist es soweit

Lange haben wir drauf hingearbeitet, und endlich ist es soweit: Die Eröffnung! Eigentlich hätte dieser Tag eine größere Würdigung verdient, mit einem umfangreichen Fotoalbum und einem ausführlichen Beitrag. Für Zweiteres fehlt gerade – welch Überraschung – die Zeit, aber zumindest mit Ersterem kann ich dienen, wenn auch “nur” bei Fäisbuck.

Soviel sei aber an dieser Stelle geschrieben: Es war eine saugeile Eröffnung! Die Stimmung war gut, es war richtig viel los, und die Euphorie war so groß, dass selbst der Schlafmangel nicht sonderlich ins Gewicht fiel. Vielen Dank fürs Daumendrücken, fürs Mutmachen, für die lieben Wünsche – und vor allem an Corinna für die Unterstützung vor Ort.

Geschafft – aber glücklich

Jetzt beginnt der Alltag, wir werden sehen, wie sich alles entwickelt. Die Eröffnung wird uns aber in jedem Fall als eine absolut gelungene Sache in Erinnerung bleiben!

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