Heimisch?

Ich bin ja oft innerhalb Deutschlands umgezogen, und meist habe ich mich in dieser Zeit an diesem Ort auch recht wohl gefühlt – so richtig Wurzeln geschlagen habe ich allerdings nirgendwo. Nun wohne ich seit über sechs Jahren an der Küste, und es fehlen nur noch ein paar Monate um mit den bisherigen “Rekordzeiten” in Köln oder Berlin – jeweils fast 7 Jahre! – gleichzuziehen.

Letztens ertappte ich mich bei der Frage, ob ich mich denn hier oben heimisch fühle. Gute Frage – ich stelle mir meist gute Fragen! – und es ersponn sich ein Sinnieren darüber was notwendig ist, um sich heimisch zu fühlen und ob jemand, den es alle paar Jahre in einen anderen Winkel zieht, überhaupt irgendwo eine Heimat hat oder finden kann.

Für viele ist Heimat ja der Ort, an dem man aufgewachsen ist. Das wäre bei mir der Schwarzwald, und so schön die Landschaft dort auch ist, nichts, aber auch gar nichts zieht mich dorthin zurück. Und wenn eines Tages mein Vater nicht mehr sein sollte werde ich auch wohl kaum noch mal in diese Ecke kommen. Heimischfühlfaktor: Knapp im Minusbereich.

Für manche ist Heimat auch der Ort, an dem man geboren wurde. Das wäre bei mir eine Kleinstadt vor den Toren Kölns, und obwohl ich daran keinerlei Kindheitserinnerungen mehr habe überkommt mich tatsächlich ein wenig Heimatgefühl, wenn ich dort – und auch in Köln selbst – mal wieder zu Besuch bin. Aber ist dieses Gefühl groß genug um dort noch mal richtig heimisch zu werden? Die Kleinstadt ist zwar ganz nett – aber eben auch ganz klein. Und Köln? Gute Pommesbuden und ein paar nette Ecken wiegen weder den täglichen Verkehrsinfarkt noch den jährlichen Karneval auf, und den gemeinen Kölner – laut, prollig und besoffen vor Heimatliebe – schon gar nicht.

Mit Berlin ist das noch einmal eine andere Sache: Die Jahre dort waren sehr intensiv, ich habe sie größtenteils sehr genossen, und wahrscheinlich wird Berlin auch immer meine Lieblingsstadt bleiben. Aber Heimat? Die Stadt ist mittlerweile zu laut, zu dreckig und zu hektisch, zu voll von Hipstern und Partypeople, und die Verwaltung ist ebenso komplett runtergewirtschaftet wie Teile des ÖPNV. Besuche? Ja, immer wieder gern! Dort wieder wohnen? Nee, lass mal!

Aber wie sieht es denn nun hier oben aus? Klar, hier ist das Meer, und das allein trägt schon massiv zum Wohlbefinden bei. Es herrscht gute Luft, und die Landschaft ist vor allem wenn Raps und Mohn in voller Blüte stehen ein Gedicht. Es gibt viel Platz hier, sogar in der Touristensaison, und selbst Pandemien scheinen einen kleinen Bogen um diese Gegend zu machen. Aber so richtig heimisch fühle ich mich hier auch nach sechs Jahren nicht. Das liegt nicht nur an dem Ost-West-Fremdeln – generell tue ich mich mit dem hiesigen Menschenschlag etwas schwer. Das war in Berlin anders, und selbst der meist recht anstrengende Rheinländer ist mir da näher.

Was ist es denn nun, was einen – oder in dem Fall mich – heimisch werden lässt? Klar, der Ort selbst, aber auch die Landschaft drumherum, die Lage der Gegend – hier oben leben wir wirklich am Arsch der Welt – und sogar das Wetter spielen mit rein. Den größten Anteil haben aber wohl die Menschen, die dort leben – ihre Art, ihre Offenheit, ihre Bräuche, und ja, sogar ihr Dialekt ist nicht ganz unwichtig, schließlich will man sich im Alltag weder mit einem Wörterbuch verständigen müssen noch fördert es die Integration, wenn man bei jedem Gespräch einen Lachanfall unterdrücken muss. 😉

Nun könnte man auch sagen Heimat ist dort, wo die Familie oder, in meinem Fall eher, der Freundeskreis lebt. Dummerweise lebt der quer durch ganz Deutschland verteilt – eine Folge meiner stetigen Umzugslust – und egal, wo man letztendlich wohnt, irgendeiner ist immer viel zu weit weg.

Im Augenblick bin ich aber hier zuhause, und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern – jedenfalls nicht, solange die andere Schnute noch nebenan wohnt und wir zumindest hin und wieder dem geliebten Meer einen Besuch abstatten können.

Und es ist ja auch nicht so, dass ich mich hier oben unwohl fühlen würde – nur eben nicht so richtig heimisch.

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Geerbte Hassliebe

Von meiner Vor-Vormieterin habe ich dieses herrliche Badezimmer-Ensemble “geerbt”:

Nun ist es zwar schön, dass ich mir nicht zusätzlich zu den zig anderen Möbeln auch noch Einrichtung fürs Bad kaufen muss, zumal ich über keinen Spiegelschrank oder ähnliches verfüge (und wenn ich genau überlege, noch nie verfügt habe), aber die richtig große Liebe wird das Ding nicht. Natürlich bietet der Schrank unheimlich viel Platz – wahrscheinlich deutlich mehr, als ein durchschnittlicher Single-Männer-Haushalt jemals benötigt. Auch die große Abstellfläche um das Waschbecken herum ist – wenn auch nicht unbedingt nötig – ganz nett, und obwohl diese Funzeln, die sich Lampen nennen, gefühlt eine halbe Stunde brauchen bis sie ernsthaft etwas erhellen ist das Lichtkonzept recht durchdacht.

Aber: Das Waschbecken ist bestenfalls fürs Händewaschen geeignet – vorausgesetzt, die Hände sind nicht zu groß. Die Zweier-Armatur ist nicht nur hoffnungslos veraltet sondern ebenso verkalkt, der passende Stöpsel schließt nicht mehr ab, und wenn man mittig vor dem Teil steht schaut man nicht auf die Spiegelfläche sondern auf den Holzrahmen. Abgesehen davon wurde das Ding so dermaßen windschief zusammengebaut, dass es schon fast als moderne schräge Kunst durchgeht.

Ich behaupte, diese Konstruktion wird ausschließlich von Frauen gekauft – sie sieht hübsch aus, ist aber vollkommen unpraktisch. Da ich zur Zeit zu  weiteren Baumaßnahmen in meiner Wohnung eher mäßig motiviert bin lasse ich dieses Trum vorerst mal stehen – hat ja, wie oben geschrieben, auch Vorteile. Ob ich mich dauerhaft dran gewöhne oder es irgendwann doch mal durch eine schlichtere, aber sinnvollere Konstruktion ersetze wird die Zeit zeigen – bekanntlich halten bei mir Provisorien ja auch schon mal ewig… 😉

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