Es ist also tatsächlich (fast) geschafft, das “Seuchenjahr” 2009! Stellenweise glich es einer Achterbahn – neben vielen Katastrophenmeldungen gab’s zum Glück auch genug schöne Dinge, und vor allem gegen Ende hat das Jahr mit dem neuen Job ja noch mal die Kurve gekriegt. Wenn ich mir dann so ansehe, welche Spuren der Verwüstung die letzten zwölf Monate im engeren Freundeskreis hinterlassen haben, dann will ich mich über “mein Jahr” eigentlich nicht beschweren. Das kommende könnte trotzdem ein wenig ruhiger werden…
Das 'Gedankenkram' Archiv
Donnerstag, 31. Dezember 2009 - Gedankenkram, MiscMittwoch, 30. Dezember 2009 - Gedankenkram, Misc
Der Tatort “Altlasten” vom vergangenen Sonntag setzte bei mir mal wieder einige Gedankengänge rund um das Thema Altern und Tod in Bewegung – und wie ich in den letzten Tagen feststellen durfte, nicht nur bei mir. Obwohl dieser Tatort ein eher ruhiger war – vielleicht das richtige für die “festlichen Tage” – gab es kein Gemäkel über fehlende Spannung oder Action. Im Tatort-Forum sieht das der ein oder andere ein bisschen anders, aber je nun.
Deutlich kontroverser wurde vor allem im Kollegenkreis das Thema Sterbehilfe diskutiert. Natürlich gibt es da immer die Gefahr des Missbrauchs (wo gibt es die nicht?), aber die Möglichkeit, selbstbestimmt und würdevoll zu sterben bevor man zum Pflegefall wird, finde ich wünschenswert. Aber ebenso wie beim Umgang mit dem Thema Arbeit scheint sich der große Teil der Gesellschaft mit einer – tabulosen – Diskussion zum “menschenwürdigen Sterben” und dem Beschreiten neuer Wege schwer zu tun. Von daher: Lob an die Macher für diesen Tatort, der mal wieder beweist, dass Fernsehen nicht zwangsläufig verdummen muss.
Sonntag, 15. November 2009 - Gedankenkram
Wie auch bei der schreibenden Zunft wurde gestern im SportStudio darüber diskutiert, was sich im Fußball künftig ändern muss, damit so ein Unglück wie das von Robert Enke nicht mehr geschieht. Es wurde davon gesprochen, dass man Anlaufstellen für Profis schaffen soll, damit diese vertrauensvoll über psychische Probleme oder Krankheiten reden können. Aber was nützt das? Robert Enke hatte offensichtlich Vertraute, mit denen er reden konnte, war in Behandlung, und dennoch…
Die Frage muss nicht lauten, was sich im Profisport, sondern was sich in der Gesellschaft ändern muss. Der Druck ist für immer mehr Menschen riesengroß, Versagensängste sind ebenso wenig eine Seltenheit wie ausgewachsene Depressionen, viele, auch bereits Schulkinder, können diesem Druck nur noch mit Hilfe von Tabletten standhalten. Damit aber in die Öffentlichkeit gehen? Nachwievor sind Krankheiten der Seele für viele unverständlich, sie werden nicht anerkannt, oder wenn, dann nur mit dem “lass dich doch nicht so hängen”-Unterton. Bänderriss oder Knochenbruch ja, aber Angst, Traurigkeit, Depression? Der Profifußball ist da nur die Spitze, er ist noch etwas “männlicher” als der Alltag, aber ansonsten ist er ein Abbild der Gesellschaft.
Würde ich depressive Tendenzen meinem Arbeitgeber mitteilen? Würde ich als Handwerker, Soldat oder Berufssportler zur Homosexualität stehen? Wohl kaum!
Die Millionen, die Profifußballer, Manager, ja selbst die (relativ!) hohen Summen, die Politiker erhalten, sind lange kein Zeichen dafür, dass es den Menschen wirklich gut geht, von “Normalverdienern”, die über keinen solchen gesicherten finanziellen Background verfügen, mal ganz zu schweigen. Aber solange unsere Volkskanzlerin den Duktus der Wirtschaft, nämlich Wachstum, als oberste Prämisse ihrer Politik vorgibt, solange beruflicher Erfolg, solange das Funktionieren das alles Entscheidende ist, solange wird sich auch diesbezüglich nichts ändern.
Auch wenn die Gesellschaft lernen würde, anders mit diesem Thema umzugehen, könnte sie den Betroffenen nicht ihre Ängste nehmen, könnte solche Krankheiten nicht heilen, ja noch nicht mal den Suizid als letzten Ausweg verhindern. Aber vielleicht würden die Betroffenen zumindest eine kleine Erleichterung verspüren, und vielleicht wäre dies ein erster Schritt in die richtige Richtung…
Donnerstag, 12. November 2009 - Gedankenkram
“You’ll never walk alone” wird gerne in den Fußballstadien gesungen. Doch manchmal sind Menschen trotz einer großen Anhängerschar, trotz zahlreicher Bewunderer, trotz Freunde, trotz Familie alleine.
Insgesamt leiden in Deutschland derzeit rund vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression, schätzt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Jeder Fünfte erkranke einmal in seinem Leben daran [Quelle]. Noch schlimmer als die Krankheit selbst ist die Tatsache, dass viele Menschen sie verbergen. Depression ist nach wie vor ein Tabuthema, und bei unserer gesellschaftlichen Entwicklung steht zu befürchten, dass sich diesbezüglich nichts ändert. Stark sein, Leistung, Wachstum, Ellbogen, Angst vor Jobverlust, vor der Armut, Krankheiten verschweigen oder nicht auskurieren… das ist heutzutage gefragt.
Mit dem Tod von Robert Enke rückt dieses Dilemma – zumindest kurzzeitig – in die Öffentlichkeit. Aber die vielen anderen Menschen, die an dieser Krankheit leiden, die sich mit Selbstmordabsichten tragen oder diese umsetzen, das Leid dieser Menschen bekommt in der Öffentlichkeit niemand mit. Und bald werden auch die “einstigen Helden” wie Robert Enke oder Sebastian Deisler zwar nicht aus den Köpfen verschwunden sein, aber mit den Umständen und ihrer Krankheit wird sich kaum noch einer befassen.
Egal, wie viele Menschen sich um jemanden, der unter Depressionen leidet, bemühen, wie viele einen unterstützen – you walk alone!
Als Nachtrag ein Lesetipp: Spiegelfechter – der Freitod eines Torwarts und die Ethik.
Donnerstag, 22. Oktober 2009 - Gedankenkram, Misc
Dass ich mich seit Jahren mit der ‘Illusion des Egos’ befasse – mal mehr, mal weniger intensiv – ist nix Neues. In diesem Zusammenhang hatte ich auch vor Jahren das Buch “Reise ins Nichts” von Pyar gelesen – und den folgenden Auszug nicht mal ansatzweise verstanden.
Worum es geht, ist jeden Hauch von Ich, von Trennung aufzugeben… Das schneidet die Wurzeln der Illusion ab, das ist der Tod des Ich. Und dieses Ich zeigt sich in jeder Ablehnung dessen was ist, zeigt sich in jedem Wunsch nach etwas anderem, in jedem ‘etwas Besonderes sein’ und in jeder Vorstellung. Schließlich ist dieses Ich selbst nichts anderes als eine Vorstellung – die Vorstellung von Trennung, die Vorstellung eines separaten Ich, einer eigenen Person. Und da ‘Ich’ nur eine Vorstellung ist – wenn auch eine lang gehegte, lang gepflegte und liebgewonnene, die sehr real erscheint – ist ‘Ich’ nicht real, nicht wahr, und muss in diesem Substraktionsprozess sterben, verschwinden. Und es fühlt sich tatsächlich wie Sterben an, es ist ein Tod.
Pyar Troll, Reise in Nichts, Kamphausen 2002
Tja, irgendwie habe ich das Ego, den ‘Stef’, trotz aller Macken – auch wenn mich einige davon wahrscheinlich mehr nerven als mein Umfeld – liebgewonnen. Aber der Tod des Egos beinhaltet nicht nur eine Abkehr dieses Selbstbildes, sondern auch die Abkehr der lange gehegten – und teils mühsam erarbeiteten – Standpunkte und Vorstellungen, von den Wünschen und Ablehnungen mal ganz zu schweigen.
Andererseits lassen mich die inzwischen gemachten Erfahrungen zumindest den Anflug von Wahrheit dieser Worte erahnen. Da habe ich da wohl noch einiges vor mir – und ich befinde mich bereits mittendrin. Ein interessanter Weg. Ich lasse mich überraschen…
Dienstag, 13. Oktober 2009 - Gedankenkram
Wenn man es schafft, ein paar Tage lang das “Geschwätz seiner Gedanken” zu ignorieren, findet das der Denkapparat überhaupt nicht witzig. Er versucht dann gerne, sich in den Vordergrund zu spielen und produziert – neben einigen vermeintlich konstruktiven Dingen – einen Haufen Gedankenmüll. Ich kenne diese Reaktion noch sehr gut, von daher ist es höchst(ens) amüsant, diese zu beobachten.
Auch jetzt, da sich eine eventuelle berufliche Chance zerschlagen hat, rotiert da oben der Denkapparat, versucht zu ergründen, zu rechtfertigen. Dabei ist das völlig unnötig, denn der Drops ist gelutscht.
Ich schicke meine Gedanken jetzt wieder zum Spielen. Sollen sie sich in Ruhe austoben – aber draußen und unbeachtet.
Freitag, 02. Oktober 2009 - Gedankenkram, Mottenkiste
Meine Kirche ist der Wald, das Meer oder der nächtliche Himmel.
Mein Altar sind die Bäume, die Gräser in den Dünen oder die Sterne.
Meine Kirchenmusik ist das Pfeifen des Windes, das Rauschen des Meeres oder die vielfältigen Geräusche der Nacht.
Meine Predigt sind die Gedanken, die Erinnerungen, die Freuden, der Augenblick.
Mein Gott ist die Natur, sind die Menschen, Tiere und Pflanzen, ist das Leben selbst.
Meine Kirche hat rund um die Uhr geöffnet und sie predigt die Liebe und das Leben. Und jeder ist willkommen – ganz gleich, welcher Religion er noch angehört…

Geschrieben im Februar 2005. Hm, irgendwie wieder aktuell…
Donnerstag, 01. Oktober 2009 - Gedankenkram
Anruf letzte Woche: “Du, wir wollen im nächsten Frühjahr heiraten. Hättest du Zeit?” Eine SMS vor ein paar Tagen: “Habe den Flug für meinen Berlin-Besuch im Dezember gebucht.”
Ich freue mich – entgegen anderer Aussagen – sehr auf diesen Besuch im Dezember, und auch zur Hochzeit irgendwann im nächsten Jahr werde ich mich wohl aufmachen. Trotzdem bringen mich solche “weitsichtigen Termine” immer zum Schmunzeln. Ach, ihr Lieben, weiß ich, was morgen ist? Geschweige denn in nem Viertel oder Dreivierteljahr?
Natürlich ist es sinnvoll für Arbeitnehmer, Urlaub – und preiswerte Flüge – rechtzeitig zu buchen. Und natürlich müssen solche Ereignisse wie eine Hochzeit etwas langfristiger geplant werden. Aber wenn ich mir allein meine “Vornahmen” für den heutigen Tag ansehe, und was ich davon tatsächlich gemacht habe…
Nun ist es nicht so, dass mein Zeitmanagement schlecht wäre oder ich Verabredungen nicht einhielte, im Gegenteil. Aber mein Freundeskreis weiß, dass ich maximal für zwei, drei Wochen im Voraus plane – wenn überhaupt.
Mich lassen langfristige Planungen schmunzeln. Ich glaube, das “Schicksal” amüsiert sich noch weit mehr darüber.
Montag, 28. September 2009 - Gedankenkram
Seit einigen Jahren schon bin ich auf der Suche nach der Wahrheit. Nicht in einzelnen Fragen, nein, der Wahrheit des Gesamten, nenne es meinetwegen Wahrheit des Lebens, des Seins. Ich befasste mich mit dem Buddhismus, dem Taoismus, aber auch mit medizinischen Fragen zur Hirnforschung, befasste mich mit Thesen zum eigenen Willen und noch einiges mehr. Ich las – Bücher von Menschen, die vorgaben, die Wahrheit gefunden zu haben, las Lebensberichte, natürlich das tao te king, Schriften von Osho, Bücher des Dalai Lama und von Krishnamurti… Fast überall schwang Wahrheit mit, es gab viele Antworten, aber noch mehr Fragen…

Seit meinem Umzug nach Berlin geriet dieses Thema in den Hintergrund, zu viel Neues prasselte hier auf mich ein – die geniale Stadt, ein neuer Job, das Fehlen alter Freunde und das Auftauchen neuer, interessanter Menschen. Nun scheint es wieder an der Zeit zu sein, mich den eigentlichen Fragen zu widmen. Ich entdecke die alten Bücher wieder, lese sie zum Teil anders als damals, ich erkenne neue Zusammenhänge, verstehe ein klein wenig mehr als noch vor einigen Jahren (auch wenn viele Fragen offen bleiben).
Und doch ist es der Verstand, der diese Antworten begreift. Was aber nun, wenn eben genau jener Verstand dem eigentlichen Begreifen, dem Erleben der Wahrheit im Wege steht? Und so scheint es zu sein, denn nicht nur viele der Schriften und Berichte weisen darauf hin, auch eigene Erfahrungen – waren sie auch noch so klein.
Diese Suche nach Antworten ist schwierig, spannend, mitunter beängstigend, häufig unbefriedigend. Austausch mit anderen Menschen, die ähnliche Fragen stellen (und vielleicht sogar schon Antworten für sich gefunden haben) wäre interessant – obgleich klar ist, dass dieser Austausch, ebenso wie die Lektüre, niemals die wirkliche Antwort bringt. Wahrheit will erlebt werden, sonst ist es wieder nur Glaube – und der hat mit der Wahrheit ja nun nicht wirklich so viel zu tun.
Ja, es könnte spannend werden in der nächsten Zeit…
Donnerstag, 24. September 2009 - Gedankenkram, Politik
Angeblich sehnen sich 10 % der Ostdeutschen zurück nach der DDR. Ich schrieb hier, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sie wirklich die DDR meinen, sondern sich – gerade in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten – nach der – zumindest gefühlten – Sicherheit zurücksehnen. Vielleicht irre ich mich aber auch. Vielleicht war dieses System für die meisten Menschen das richtige: Es gab sie ja, die gewisse Sicherheit, ein Leben im – bescheidenen – Komfort, keine Existenzängste. Man musste “lediglich funktionieren” und durfte keine unbequemen Fragen stellen – jedenfalls nicht nach außen.














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