Dem (Noch?)mitglied der ehemals sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Thilo Sarrazin, wird – nicht erst durch sein neues “Werk” – Rassismus vorgeworfen, meiner Meinung nach kaum zu Unrecht. Herr Sarrazin ist auch bei weitem nicht der einzige, der anscheinend am liebsten nur noch leistungsfähige, möglichst treuteutsche Steuerzahler Staatsbürger hätte. Da gäbe es zum Beispiel noch den Soziologen Gunnar Heinsohn, der seit geraumer Zeit für Schlagzeilen sorgt. Er beschränkt sich in seinen apokalyptischen Thesen nicht auf die Migranten sondern generell auf bildungsferne Sozialschmarotzer*.
In einem Telepolis-Artikel wird seine Aussage wie folgt zusammengefasst:
Die Kinder von Hartz IV-Empfängern sind minderwertig, sie sind dümmer und fauler als die Kinder von anderen deutschen Müttern und ihre Ausbildungsfähigkeit steht in Frage. Sie werden in Zukunft den hohen Qualifikationsanforderungen der Gesellschaft nicht mehr genügen. Diese Kinder entstammen einer Unterschicht, die sich durch Sozialhilfe immer mehr vergrößert und hemmungslos vermehrt und den Leistungsträgern auf der Tasche liegt. Das ist eine Gefahr für Deutschland. Während sich die Unterschicht so vermehrt, bekommen die deutschen Frauen der Leistungsträger zu wenig Kinder. Der Staat muss also das weitere Kinderkriegen der Unterschicht verhindern, indem man deren Angehörigen die Lebensgrundlage entzieht. Deutschland braucht diese minderwertigen Kinder nicht, sondern es braucht die sozial wertvollen Kinder der Karrierefrauen. [zum Artikel]
Steht der Mann mit dieser Äußerung allein oder sind seine Thesen vielmehr Ausdruck dessen, was uns in naher Zukunft erwartet? Dass der Druck auf Langzeitarbeitslose – zumindest in den “Hartz IV-Hochburgen” – immer extremer wird steht außer Frage. Dass unsere Bundesregierung seit geraumer Zeit immer wieder betont, wie wichtig (ihr) Bildung sei, dabei allerdings nur halbgare Anstrengungen unternimmt, an der Bildungsmisere etwas zu ändern, ebenfalls. Nun könnte man das Gefasel altersstarrer Männer einfach ignorieren, zumal den Thesen Sarrazins heftig widersprochen wird. Allerdings vornehmlich von Wissenschaftlern, beim Volk scheinen solchen Aussagen – mal wieder – auf fruchtbaren Boden zu fallen.
Trotz neuer Schönwetterprognosen läuft die Wirtschaft alles andere als rund, viele der neuen Jobs sind im Niedriglohnsektor verankert, vor allem in den östlichen Teilen Deutschlands fühlt sich das Volk verarscht allein gelassen – alles ein guter Nährboden für einen neuen Rassismus. Dieser muss sich nicht zwangsweise allein gegen Menschen mit anderer Staatsbürgerschaft richten, er kann auch eine bestimmte Bevölkerungsgruppe treffen – zum Beispiel eben die Langzeiterwerbslosen. Nicht umsonst erinnert der Slogan der Arbeitgeberlobby INSM “Sozial ist, was Jobs schafft” an alte Zeiten.
Natürlich läuft hier in diesem Lande einiges schief – was wir brauchen sind aber produktive Gedanken (und Taten), und keine geistige Brandtsiftung à la Sarrazin oder Heinsohn.
*Nein, kein Zitat, sondern einfach nur kurz zusammengefasst

















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