Wie auch bei der schreibenden Zunft wurde gestern im SportStudio darüber diskutiert, was sich im Fußball künftig ändern muss, damit so ein Unglück wie das von Robert Enke nicht mehr geschieht. Es wurde davon gesprochen, dass man Anlaufstellen für Profis schaffen soll, damit diese vertrauensvoll über psychische Probleme oder Krankheiten reden können. Aber was nützt das? Robert Enke hatte offensichtlich Vertraute, mit denen er reden konnte, war in Behandlung, und dennoch…
Die Frage muss nicht lauten, was sich im Profisport, sondern was sich in der Gesellschaft ändern muss. Der Druck ist für immer mehr Menschen riesengroß, Versagensängste sind ebenso wenig eine Seltenheit wie ausgewachsene Depressionen, viele, auch bereits Schulkinder, können diesem Druck nur noch mit Hilfe von Tabletten standhalten. Damit aber in die Öffentlichkeit gehen? Nachwievor sind Krankheiten der Seele für viele unverständlich, sie werden nicht anerkannt, oder wenn, dann nur mit dem “lass dich doch nicht so hängen”-Unterton. Bänderriss oder Knochenbruch ja, aber Angst, Traurigkeit, Depression? Der Profifußball ist da nur die Spitze, er ist noch etwas “männlicher” als der Alltag, aber ansonsten ist er ein Abbild der Gesellschaft.
Würde ich depressive Tendenzen meinem Arbeitgeber mitteilen? Würde ich als Handwerker, Soldat oder Berufssportler zur Homosexualität stehen? Wohl kaum!
Die Millionen, die Profifußballer, Manager, ja selbst die (relativ!) hohen Summen, die Politiker erhalten, sind lange kein Zeichen dafür, dass es den Menschen wirklich gut geht, von “Normalverdienern”, die über keinen solchen gesicherten finanziellen Background verfügen, mal ganz zu schweigen. Aber solange unsere Volkskanzlerin den Duktus der Wirtschaft, nämlich Wachstum, als oberste Prämisse ihrer Politik vorgibt, solange beruflicher Erfolg, solange das Funktionieren das alles Entscheidende ist, solange wird sich auch diesbezüglich nichts ändern.
Auch wenn die Gesellschaft lernen würde, anders mit diesem Thema umzugehen, könnte sie den Betroffenen nicht ihre Ängste nehmen, könnte solche Krankheiten nicht heilen, ja noch nicht mal den Suizid als letzten Ausweg verhindern. Aber vielleicht würden die Betroffenen zumindest eine kleine Erleichterung verspüren, und vielleicht wäre dies ein erster Schritt in die richtige Richtung…