Das berüchtigte Dschungelcamp habe ich bislang – mit einer Ausnahme von 15 Minuten – ausnahmslos durch die Lästerarien der Presse und der täglichen Kolumne bei The Intelligence verfolgt. Gestern gab ich mir dann den Schwachfug eine halbe Stunde live – als Pausenfüller bis zum Satiregipfel. Je nun…
Nach wie vor frage ich mich, wie verzweifelt, pleite oder durchgeknallt muss man sein, um bei dieser Sendung mit zu machen? Oder werden die “Promis” irgendwie erpresst? Ist es reine Geldgeilheit? Bei den angeblichen 50.000 Euro, die die Delinquenten erhalten sollen, kann ich mir das kaum vorstellen. Ich glaube ja immer noch, dass irgendwann geheime Akten auftauchen die belegen, dass alles nur gefaket war, und zum Beispiel dieser blonde Verbaldurchfall von einer intelligenten Schauspielerin einfach nur göttlich gespielt wurde. Wie auch immer, wenn sich Menschen dazu entschließen, an dem Mist teilzunehmen und in Kauf nehmen, von den Moderatoren – von der Bewunderung, die ich vor zehn Jahren für Dirk Bach in Lukas empfand ist mittlerweile nicht mehr viel übrig – pausenlos übelst durch den Kakao gezogen zu werden, dann sollen sie das tun. Und wenn’s den Massengeschmack trifft, bitte. Menschen sehen auch den Mutantenstadl, kaufen sich Bücher von Dieter Bohlen und Tilo Sarrazin, wünschen sich Guttenberg als neuen Kanzler und lesen die BLÖD-Zeitung…
Nun aber zum Satiregipfel, dem einstigen Kabarett-Flagschiff im Ersten, in jahrelanger Arbeit zuletzt von Matthias Richling in die Bedeutungslosigkeit gekalauert. Seit diesem Jahr ist Dieter Nuhr der Gastgeber. Sowas kann klappen, kann aber auch gehörig schiefgehen… Nach wie vor fehlte der Sendung der richtige Biss, das war nicht links, nicht mal SPD, ja man könnte durchaus vom “Oberschichtenkabarett” sprechen. Lediglich Alfred Dorfer überzeugte, seine Wortschöpfung “Demokratiefolklore” für Wahl geht sicherlich in meinen Sprachgebrauch ein.
Natürlich hängt die Qualität einer solchen Sendung auch immer von den Gästen ab, aber wer in eine Satiresendung Matze Knop einlädt scheint das Niveau nicht unbedingt auf neue Höhen schrauben zu wollen. Fazit: Leicht besser als zuletzt, aber dazu gehört nicht wirklich viel. Erste Chance vertan.
Zum Abschluss des Abends gab’s dann noch “die Akte Gysi”. Tja, Genosse Gregor, dazu hätte ich jetzt gerne mal ne explizite Stellungnahme von dir, aber du ziehst es ja vor, dich auszuschweigen. Mein Vertrauen in die Politik(er) steigert das jedenfalls nicht gerade…